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Procari Lexikon Meldebestand
Einkaufslexikon

Meldebestand

Meldebestand

Meldebestand ist die Bestandshöhe, bei deren Erreichen automatisch eine Nachbestellung ausgelöst wird, damit zwischen Bestellung und Wareneingang weder Sicherheitsbestand angegriffen noch ein Stock-out riskiert wird. Synonym wird im internationalen Sprachraum Reorder Point (ROP) verwendet, in Schweizer und österreichischer Disposition oft Bestellpunkt. In SAP MM wird er im Materialstamm-Feld MARC-MINBE gepflegt und steuert die Bestellpunktdisposition (Plansteuerungsstrategie VB).

Detaillierte Erklärung

Der Meldebestand ist das verbindende Glied zwischen statistischer Bestandsdisposition und operativer Bestellauslösung. Die Standardformel der deutschsprachigen Materialwirtschaft lautet: Meldebestand = Sicherheitsbestand + (durchschnittlicher Tagesbedarf × Wiederbeschaffungszeit). Methodischer Anker ist die Bestellpunktrechnung von Wilson und Andler (Andler 1929, Wilson 1934), die mit der EOQ-Tradition zum dreigliedrigen Bestandsmodell aus Mindestbestand, Meldebestand und Höchstbestand zusammenwächst. SAP definiert den Meldebestand in der Online-Hilfe zur SAP-Cloud-ERP Consumption-Based Planning explizit als erwarteten Materialbedarf während der Wiederbeschaffungszeit zuzüglich Sicherheitsbestand; fällt der verfügbare Bestand unter diesen Wert, generiert das System einen Bestellvorschlag (Banf, Planauftrag oder direkt Bestellung). Die DIN EN ISO 9001:2015 verlangt für Beschaffungsprozesse dokumentierte Auslösekriterien; der Meldebestand erfüllt diese Anforderung formal. In der österreichischen WIFI-Lehrunterlage und in Schweizer KV-Lehrmitteln wird Meldebestand häufig synonym zum Begriff Bestellpunkt verwendet, in der deutschen Industriepraxis zumeist als eigenständiges SAP-Wertfeld. Eine BME-Mitgliederbefragung 2024 berichtet, dass 78 Prozent der DACH-Industriebetriebe ab 250 Mitarbeitern die Bestellpunktdisposition mit Meldebestand für mindestens 60 Prozent ihrer C-Teile einsetzen — A-Teile dagegen häufiger über plangetriebene MRP-Verfahren. Die Höhe des Meldebestands hängt neben Tagesbedarf und Wiederbeschaffungszeit vom gewählten Servicegrad ab: bei 95 Prozent Servicegrad mit z = 1,65 liegt der typische Aufschlag auf den reinen Verbrauchsbedarf während der RBZ bei 12 bis 18 Prozent. Die [[xyz-analyse]] entscheidet, ob der Meldebestand statisch gepflegt oder dynamisch über Forecast-basierte Verbrauchswerte (SAP-Forecast-Profile, Strategie VV) berechnet wird.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Pumpenhersteller aus Niedersachsen verbraucht 7.200 Stück eines Mechanikseal-Sets pro Jahr, also 30 Stück pro Arbeitstag bei 240 Tagen. Die Wiederbeschaffungszeit beim tschechischen Lieferanten beträgt 10 Arbeitstage. Der Sicherheitsbestand ist auf einen Servicegrad von 97 Prozent (z = 1,88) und eine Standardabweichung der Tagesnachfrage von 6 Stück bei 2 Tagen σ_LT kalibriert: rund 75 Stück. Damit ergibt sich: Meldebestand = 75 + (30 × 10) = 375 Stück. Bei einem Stückwert von 84 Euro entspricht das einer Triggermenge im Wert von 31.500 Euro. Im SAP-MM-Materialstamm wird das Feld MARC-MINBE auf 375 gesetzt, die Plansteuerungsstrategie auf VB (manuelle Bestellpunktdisposition) oder VM (maschinelle Bestellpunktdisposition mit Prognose). Sobald der verfügbare Bestand auf 374 Stück fällt, generiert MRP einen Bestellvorschlag von 1.200 Stück (entsprechend der optimalen Bestellmenge). 2025 verhandelt der Einkauf eine Lieferzeitverkürzung auf 7 Arbeitstage durch Direktanlieferung statt Sammeltransport — der Meldebestand sinkt auf 75 + (30 × 7) = 285 Stück, die durchschnittliche Kapitalbindung im Sägezahn um rund 2.520 Euro gemessen am Vorperiodenwert.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Der Klassiker: Meldebestand und Sicherheitsbestand werden vermengt — wer im SAP-Materialstamm nur den Sicherheitsbestand pflegt und auf eine separate Meldebestand-Logik verzichtet, riskiert verspätete Bestellauslösung und akute Stock-outs. Zweiter Fehler: statische Pflege ohne Verbrauchsfortschreibung — bei saisonalen Artikeln (Heizungs-Komponenten, Klimatechnik) muss der Meldebestand quartalsweise angepasst werden, sonst löst er im Sommer zu spät und im Winter zu früh aus. Dritter Fehler: Meldebestand und Forecast nicht synchronisieren — wenn die Strategie VM gewählt ist, aber das Forecast-Profil nicht gepflegt wird, rechnet das System mit Default-Verbrauchswerten und der Meldebestand wird systematisch zu niedrig kalkuliert. In der Lieferantenverhandlung ist die Wiederbeschaffungszeit der primäre Hebel: wer 30 Prozent RBZ-Reduktion verhandelt (z. B. von 10 auf 7 Tage), senkt den Meldebestand um den gleichen prozentualen Verbrauchsanteil, ohne den Servicegrad zu kürzen. Eine [[vendor-managed-inventory]]-Vereinbarung verschiebt die Meldebestand-Logik zum Lieferanten und entlastet die eigene Disposition vollständig.

Verwandte Begriffe

Der Meldebestand setzt rechnerisch auf [[sicherheitsbestand]] und [[wiederbeschaffungszeit]] auf, ist die operative Auslöselogik im [[bestellpunktverfahren]], spannt mit [[mindestbestand]] und [[hoechstbestand]] das Drei-Werte-Modell der Bestandsdisposition und wird über die [[eoq-andler-formel]] mit der optimalen Bestellmenge ergänzt.

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