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Procari Lexikon Mindestabnahmemenge (MOQ)
Einkaufslexikon

Mindestabnahmemenge (MOQ)

Mindestabnahmemenge (MOQ)

Die Mindestabnahmemenge, englisch Minimum Order Quantity oder kurz MOQ, ist die kleinste Stückzahl, die ein Lieferant pro Auftrag oder Abruf akzeptiert. Sie ist kein Preis, sondern eine Mengenschwelle, mit der der Lieferant seine Rüstkosten, Mindestlosgrößen in der Fertigung und Logistik-Fixkosten abdeckt. Im DACH-Einkauf ist die MOQ einer der wichtigsten Lieferantenkonditions-Hebel, weil sie zwischen Bestandsbindung beim Abnehmer und Stückkostenoptimum beim Lieferanten direkt vermittelt.

Detaillierte Erklärung

Wirtschaftlich liegt der MOQ die klassische Andler-Formel der optimalen Bestellmenge zugrunde, 1929 vom deutschen Ingenieur Kurt Andler in Stuttgart formuliert und seither in der Beschaffungslehre als EOQ-Modell (Economic Order Quantity) bekannt. Die optimale Losgröße balanciert Bestellfixkosten gegen Lagerhaltungskosten. Der Lieferant rechnet umgekehrt: Seine Rüstkosten pro Los, oft 250 bis 1.800 EUR bei zerspanenden Verfahren und 800 bis 4.500 EUR bei Spritzguss mit Werkzeugumbau, müssen über die MOQ refinanziert werden. Eine MOQ von 500 Stück bedeutet bei 1.200 EUR Rüstkosten einen impliziten Aufschlag von 2,40 EUR pro Stück nur aus dem Rüsten.

Im DACH-Mittelstand zeigen die Marktbeobachtungen des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) und der schweizerischen procure.ch ein klares Muster. Bei MOQ-Unterschreitung verlangen Lieferanten regelmäßig Aufschläge zwischen 10 und 50 Prozent, in der Sondermechanik bis 80 Prozent. Der Aufschlag ist verhandlungstaktisch wichtig, weil er den wahren Stückkostenpunkt des Lieferanten offenlegt. Eine Eskalation von 22 Prozent Aufschlag bei 60 Prozent der MOQ ist ein anderes Signal als 8 Prozent Aufschlag bei 40 Prozent der MOQ. Das erste deutet auf hohe Rüstkosten, das zweite auf Materialdisposition als Engpass.

Die Verhandlung der MOQ folgt drei Hebeln. Erstens die Bündelung mehrerer Sachnummern auf eine Rüstung, die sogenannte Sammelloskalkulation, die im Werkzeug- und Stanzteilebereich 15 bis 30 Prozent MOQ-Reduktion ermöglicht. Zweitens die Konsignationslager-Struktur, in der der Lieferant die volle MOQ produziert, der Abnehmer aber nur in Teilmengen abruft und erst bei Entnahme zahlt. Drittens die Staffelpreislogik mit MOQ als Einstiegsgröße und 8 bis 14 Prozent Preisreduktion in der nächsten Mengenstufe, die dem Einkauf eine kalkulatorische Brücke zur Bedarfsbündelung baut.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Schweizer Medizintechnik-Hersteller aus Solothurn mit 215 Mitarbeitern bezieht Präzisionsdrehteile bei zwei deutschen Lieferanten in Pforzheim und Tuttlingen. Die ursprüngliche MOQ liegt bei 800 Stück pro Sachnummer und Abruf, der Stückpreis bei 17,40 EUR. Bei einem Jahresbedarf von 2.400 Stück über 14 Sachnummern bedeutet das drei Abrufe je Sachnummer, also 42 Abrufe pro Jahr und eine Bestandsspitze von rund 11.200 Stück Mittelbestand. Der Einkauf verhandelt eine Sammelloskalkulation: Vier ähnliche Sachnummern werden auf eine Rüstung gelegt, MOQ sinkt auf 350 Stück pro Einzelteil, Stückpreis steigt um 4,8 Prozent auf 18,24 EUR. Gleichzeitig wird ein Konsignationslager mit 1.400 Stück Vorhalt vereinbart, abgerechnet wird quartalsweise nach Entnahme. Effekt: durchschnittliche Bestandsbindung sinkt um 38 Prozent, Working-Capital-Entlastung 71.500 EUR, Mehrkosten Stückpreis 24.200 EUR pro Jahr, Netto-Effekt plus 47.300 EUR. Die Lieferantenbeziehung profitiert ebenfalls, weil die Lose insgesamt steigen und die Fertigung planbarer wird.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Der erste Fehler ist die isolierte Verhandlung der MOQ ohne Stückpreis-Kopplung. Eine MOQ-Reduktion um 40 Prozent bei gleichem Stückpreis ist betriebswirtschaftlich verdächtig, weil sie suggeriert, dass die Rüstkosten plötzlich verschwunden sind. Realistischer ist ein Tausch: 30 Prozent niedrigere MOQ gegen 5 bis 8 Prozent Stückpreisaufschlag, mit klarer Staffel zurück zur Großmenge.

Der zweite Klassiker ist die nicht hinterfragte MOQ aus dem Erstangebot. Lieferanten kalkulieren die MOQ konservativ, weil sie nicht wissen, ob der Abnehmer regelmäßig oder einmalig bestellt. Bei nachweisbarer Lieferplan-Stabilität über 12 Monate sinkt die MOQ in der zweiten Verhandlungsrunde häufig um 25 bis 40 Prozent, ohne Stückpreis-Effekt.

Der dritte Fehler ist die fehlende Verzahnung mit der Bestandsstrategie. Wer auf Lieferantenseite die MOQ herunterhandelt, aber im eigenen Lager keine ABC-XYZ-Steuerung fährt, verlagert nur die Bestandsbindung. Sauberer ist die Kombination aus reduzierter MOQ, Lieferplan-Mechanik und einem Sicherheitsbestand auf Basis tatsächlicher Schwankungsmuster, nicht Bauchgefühl.

Verwandte Begriffe

Die MOQ verzahnt sich mit [[rahmenvertrag]] und [[konsignationslager]] zur operativen Bestandsentlastung und ist Pflichtparameter jeder [[request-for-quotation]]. Strategisch greift sie in [[abc-analyse]], [[xyz-analyse]] und die Kalkulationslogik im [[total-cost-of-ownership]], operativ in [[bestellrhythmusverfahren]] und die Steuerung über [[reorder-point-bestellpunkt]].

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