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Procari Lexikon Open Innovation
Einkaufslexikon

Open Innovation

Open Innovation

Open Innovation bezeichnet die systematische Öffnung des unternehmensinternen Innovationsprozesses für externe Wissensquellen, insbesondere Lieferanten, Start-ups, Hochschulen und Kunden. Henry Chesbrough prägte den Begriff 2003 in seinem Buch an der Harvard Business School. Für den Einkauf bedeutet das eine Verschiebung weg vom reinen Preis- hin zum Innovationsbeschaffer.

Detaillierte Erklärung

Chesbrough unterscheidet in seinem 2003 erschienenen Werk zwei Richtungen: Outside-in (externes Wissen wird in das Unternehmen geholt) und Inside-out (eigenes, nicht genutztes Wissen wird über Lizenzierung oder Spin-offs nach außen gegeben). Procter & Gamble betreibt seit dem Jahr 2000 das Programm Connect+Develop und gibt an, dass rund 50 Prozent der relevanten Produktinnovationen aus externen Quellen stammen. Für den Einkauf hat das drei Konsequenzen: Erstens wird die Lieferantenauswahl um Innovationskriterien ergänzt, zweitens müssen IP-Klauseln in Rahmenverträgen erweitert werden, drittens erfordert die Steuerung externer Ideen ein eigenes Governance-Modell. Studien des Fraunhofer IAO sowie BME-Veröffentlichungen aus dem Jahr 2023 zeigen, dass DACH-Mittelständler mit etablierten Open-Innovation-Programmen die Time-to-Market im Schnitt um 18 bis 24 Prozent verkürzen. Voraussetzung ist eine saubere vertragliche Trennung von Background-IP, Foreground-IP und Sideground-IP nach den Standards des deutschen Arbeitnehmererfindungsgesetzes (ArbnErfG) und des EPÜ Art. 60, sonst entstehen jahrelange Streitigkeiten.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein mittelständischer Maschinenbauer aus Baden-Württemberg mit 850 Mitarbeitenden sucht für eine neue Werkzeugmaschinen-Generation eine sensorbasierte Verschleißerkennung. Statt nur klassische Komponenten anzufragen, schreibt der Einkauf 2024 über die Innovationsplattform des VDMA und über die eigene Lieferantenliste eine Open-Innovation-Challenge aus. Das Lastenheft beschreibt ausschließlich das Problem (frühzeitige Erkennung von Spindellager-Verschleiß) und ein Zielbudget von 320 EUR pro Maschine. Innerhalb von neun Wochen reichen 14 Lieferanten Lösungsansätze ein, drei davon werden zu einem zwölfwöchigen Co-Development-Sprint eingeladen. Der Einkauf verhandelt vorab eine zweistufige IP-Vereinbarung: Während des Sprints liegen die Rechte exklusiv beim einreichenden Lieferanten, nach Auswahl entsteht eine geteilte Verwertung mit 60 Prozent OEM-Anteil bei der gewählten Lösung.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Der häufigste Fehler ist die Vermischung von Open Innovation mit klassischer Anfrage: Wer bereits eine Lösungsbeschreibung mitliefert, erhält keine echten neuen Ansätze. Zweiter Fehler: Lieferanten geben in der Konzeptphase IP preis, ohne dass eine NDA und eine Background-IP-Klausel unterzeichnet wurden, der OEM nutzt die Idee später ohne Vergütung. In der Verhandlung empfehlen sich gestaffelte Erfolgshonorare (zum Beispiel 8.000 bis 25.000 EUR Konzeptpauschale, später Royalties zwischen 1,5 und 4 Prozent vom Materialwert). Drittens unterschätzen Einkäufer den internen Aufwand: Ohne Patentabteilung und ein cross-funktionales Bewertungsteam aus F&E, Recht und Einkauf bleibt die Initiative ein Strohfeuer. Studien der Universität St. Gallen aus 2022 dokumentieren, dass nur etwa ein Drittel der Open-Innovation-Initiativen im DACH-Mittelstand nach drei Jahren noch aktiv ist.

Verwandte Begriffe

Eng verwandt sind das Innovation Hub als physischer Raum sowie die Crowdsourcing Beschaffung als Werkzeug der Lieferantengewinnung. Operativ greifen ESI (Early Supplier Involvement) und Simultaneous Engineering ineinander, das Vertragsfundament liefern IP-Sharing und Patent-Management Einkauf. Die strategische Klammer bilden Technologie-Roadmap und Trend-Scouting. Veranstaltungsformate wie Lieferantenforum und Lieferantentag sind ein häufiger Einstieg, ergänzt um Hackathon mit Lieferanten und das Format der Technologie-Partnerschaft. Methodische Pfeiler sind Design Thinking im Einkauf und das cross-funktionale Team.

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