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Procari Lexikon Optionen
Einkaufslexikon

Optionen

Optionen

Optionen geben dem Kaeufern das Recht — aber nicht die Pflicht —, einen Rohstoff zu einem vereinbarten Preis (Basispreis, Strike) zu kaufen oder zu verkaufen. Dieses Wahlrecht unterscheidet Optionen fundamental von [[futures]]: Wer eine Option haelt, kann bei guenstiger Marktentwicklung profitieren, ohne bei unguenstiger Entwicklung zur Ausuebung gezwungen zu sein. Dieser asymmetrische Schutz hat seinen Preis: die Optionspraemie.

Detaillierte Erklärung

Grundtypen:

  • Call-Option: Gibt das Recht, den Basiswert zum Strike-Preis zu kaufen. Relevant fuer Einkaefer, die sich gegen steigende Rohstoffpreise absichern wollen (analoger Schutz wie Long-Future, aber ohne Abwaertsrisiko bei fallenden Preisen).
  • Put-Option: Gibt das Recht, den Basiswert zum Strike-Preis zu verkaufen. Relevant fuer Lieferanten oder Unternehmen mit Rohstoff-Lagerbestaenden.
  • Europaeische Option: Ausuebung nur am Faelligkeitstag moeglich.
  • Amerikanische Option: Ausuebung jederzeit vor oder am Faelligkeitstag.

Optionspraemie: Der Optionskaeufern zahlt beim Abschluss die Praemie an den Optionsverkaeufern (Writer). Die Praemie haengt ab von: Abstand Strike zu aktuellem Kurs (Moneyness), Restlaufzeit (Zeitwert), Volatilitaet des Basiswerts ([[rohstoffpreisvolatilitaet]]) und risikofreiem Zinssatz. Bei hoher Volatilitaet (z.B. Nickel-Krise 2022) sind Optionspraemien deutlich teurer.

Exotische Optionen im Rohstoffeinkauf:

  • Asian Options (Durchschnittsoptionen): Auszahlung basiert auf dem Durchschnittskurs ueber eine Periode, nicht dem Preis am Ausuebungstag. Passt gut zu Unternehmen mit kontinuierlichem Rohstoffbedarf ueber ein Quartal.
  • Collar: Kombination aus gekaufter Call-Option und verkaufter Put-Option — begrenzt sowohl Preissteigerungen als auch -senkungen; Praemienbedarf teilweise selbstfinanzierend.
  • Cap: Reine Preisobergrenze, entspricht einer Call-Option.

Rechtlicher Rahmen (DACH): Boersengehandelte Optionen (z.B. LME-Optionen auf Metall-Futures) unterliegen MiFID II (Richtlinie 2014/65/EU) und EMIR (VO 648/2012). OTC-Optionen (bilateral mit einer Bank) sind bei Nichtfinanzunternehmen unter EMIR nur dann clearing-pflichtig, wenn Schwellenwerte ueberschritten werden. In der Bilanz: IFRS 9 — eine Option gilt als Sicherungsinstrument nur bei nachgewiesener Hedge-Effektivitaet; Zeitwertaenderungen koennen unter IFRS 9 in der OCI gebucht werden statt durch die GuV. HGB §340e fair value gilt bei Handelsbestand.

Optionen vs. Futures — Entscheidungsmatrix:

KriteriumFuturesOptionen
Verpflichtung zur ErfuellungJa (beide Seiten)Nur Verkaeufer
Absicherungsqualitaet1:1 linearAsymmetrisch
KostenNur MarginPraemie (upfront)
LiquiditaetHoch (boersengehandelt)Variabel (haengt vom Markt ab)
Geeignet beiSicherer PrognoseUnsicherer Menge oder Richtung

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Stuttgarter Maschinenbauer benoetigt im Q3 2026 ca. 400 Tonnen Kupfer, ist sich aber unsicher, ob ein Grossauftrag (der die Haelfte des Bedarfs ausloest) tatsaechlich erteilt wird. Er moechte sich gegen steigende Kupferpreise absichern, ohne bei Auftragsausfall auf 200 Tonnen unnoetige Hedging-Positionen sitzen zu bleiben.

Loesung: Kauf von LME-Kupfer-Call-Optionen (europaeisch, Laufzeit September 2026) auf 400 Tonnen, Strike 9.500 USD/t. Der aktuelle LME-Kassakurs liegt bei 9.200 USD/t. Praemie: 185 USD/t = 74.000 USD Gesamtpraemie.

Szenario A — Auftrag wird erteilt, Kupfer steigt auf 10.200 USD/t: Option wird ausgeuebt. Gewinn 700 USD/t abzueglich Praemie 185 USD/t = 515 USD/t netto. Budget geschuetzt.

Szenario B — Auftrag faellt aus, Kupfer faellt auf 8.800 USD/t: Option verfaellt wertlos. Verlust = Praemie 74.000 USD. Das Unternehmen kauft Kupfer zum guenstigeren Kassapreis. Die Praemie ist der definierte Maximalverlust — kein Nachschuss, keine Margin-Calls.

Szenario C — Auftrag wird erteilt, Kupfer faellt auf 8.800 USD/t: Option verfaellt, Kupfer wird guenstig am Spotmarkt eingekauft. Praemienverlust 74.000 USD als Versicherungskosten akzeptiert.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Fehler 1 — Praemie als "Verlust" buchen: Die Optionspraemie ist eine Versicherungskosten, keine Fehlinvestition. Unternehmen, die Optionen ablehnen weil "die Praemie verloren ist wenn nichts passiert", missverstehen das Instrument. Richtige Benchmark: Vergleich mit dem Worst-Case-Szenario ohne Absicherung.

Fehler 2 — Falsche Laufzeit waehlen: Optionen muessen so gewaehlt werden, dass der Ausuebungszeitpunkt mit dem tatsaechlichen Einkaufszeitpunkt uebereinstimmt. Europaeische Optionen bieten keine Flexibilitaet bei Lieferverzug; amerikanische Optionen sind entsprechend teurer.

Fehler 3 — Volatilitaet ignorieren: In Phasen hoher [[rohstoffpreisvolatilitaet]] (z.B. Nickel LME-Squeeze Maerz 2022: +250 % in 48 Stunden) explodieren Optionspraemien. Der richtige Zeitpunkt fuer den Kauf von Call-Optionen ist die ruhige Phase BEVOR eine Volatilitaetskrise eintritt.

Verhandlungskontext: Wenn ein Lieferant Preisabsicherung anbietet (z.B. Festpreisvertrag fuer 12 Monate), hat er implizit eine Praemie fuer diesen Schutz in seinen Angebotspreis eingepreist. Ein Einkaefer, der die Option selbst am Markt kauft, kann diese Praemienkomponente identifizieren und verhandeln: "Ihr Festpreis entspricht einem impliziten Aufschlag von X EUR/t — bieten Sie stattdessen einen gleitenden Preis mit Preisobergrenze (Cap)?"

Verwandte Begriffe

  • [[futures]] — Terminkontrakte ohne Wahlrecht, Alternative zu Optionen
  • [[hedging]] — Absicherungsstrategie, die Optionen nutzt
  • [[preisabsicherung]] — Gesamtvorgehen fuer Einkaefer
  • [[lme]] — LME London Metal Exchange als Handelsplatz fuer Metall-Optionen
  • [[rohstoffpreisvolatilitaet]] — Haupttreiber der Optionspraemien
  • [[kurssicherung]] — Waehrungsoptionen als Erweiterung
  • [[risikomanagement]] — Einordnung von Optionen im Gesamtrahmen
  • [[preisgleitklausel]] — Alternative zur direkten Optionsabsicherung

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