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Procari Lexikon Personliche Schutzausrustung PSA
Einkaufslexikon

Personliche Schutzausrustung PSA

Personliche Schutzausrustung PSA

Personliche Schutzausrustung PSA umfasst alle Ausrustungen und Hilfsmittel, die von Beschaftigten getragen oder gehalten werden und sie vor Risiken fur ihre Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz schutzen. Die Beschaffung von PSA ist im DACH-Raum durch die EU-Verordnung 2016/425 und das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) streng reguliert — der Einkauf tragt dabei eine unmittelbare rechtliche Mitverantwortung fur die Zulassigkeit und Eignung der beschafften Produkte.

Detaillierte Erklarung

Die EU-Verordnung 2016/425 uber personliche Schutzausrustungen (gultig ab 21. April 2019, ablosend gegenuber der Richtlinie 89/686/EWG) definiert PSA-Hersteller-, Handler- und Importeurpflichten und gliedert PSA in drei Kategorien nach Risikograd:

Kategorie I — Geringes Risiko:
Schutz vor minimalen Risiken, deren Folgen der Benutzer selbst erkennen kann (z. B. Gartenhandschuhe, Sonnenbrillen fur nicht-professionellen Einsatz, Wetterschutzkleidung fur milde Witterung). Selbstdeklaration durch den Hersteller, keine externe Prufstelle erforderlich. CE-Kennzeichen nach internem Konformitatsverfahren.

Kategorie II — Mittleres Risiko:
Risiken, die nicht der Kategorie I oder III zuzurechnen sind. Beispiele: Schutzhelme, Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345, Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken gemaß EN 388, Augenschutz nach DIN EN 166. EU-Baumusterprufung durch benannte Stelle (Notified Body) erforderlich. CE-Kennzeichen mit vierstelliger Kennnummer der Prufstelle.

Kategorie III — Schwerste Risiken (irreversible Schaden oder Tod):
Schutz vor chemischen Substanzen, Strahlung, Hitze uber 100 °C, Kalte unter minus 50 °C, elektrischen Risiken, Ertrinken, Schnittschutz motorgetriebener Handwerkzeuge, hochenergetischem Beschuss. Beispiele: Atemschutzgerate, Schutzanzuge gegen chemische und biologische Risiken, Personen-Schutzausrustung gegen Absturz. Jahresliche Uberwachung des QM-Systems des Herstellers durch Notified Body zusatzlich zur Baumusterprufung.

Normative Verankerung fur Einkauf:

Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG §3, §5) verpflichtet den Arbeitgeber zur Gefahrdungsbeurteilung — diese ist Grundlage fur die PSA-Auswahl. Die PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV) schreibt vor, dass PSA kostenlos durch den Arbeitgeber bereitzustellen ist. Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) regelt weitere Anforderungen an Ausrustungen in speziellen Gefährdungsbereichen (z. B. ex-geschutzte Gebiete). DGUV-Vorschriften (insbesondere DGUV Regel 112-190 ff.) konkretisieren Anforderungen fur einzelne PSA-Gruppen.

Wichtige Normen im Uberblick:

PSA-GruppeNormInhalt
AugenschutzDIN EN 166Mindestanforderungen, Kennzeichnung
SicherheitsschuheEN ISO 20345S1-S3 Schutzklassen, Zehenschutz
Schutzhandschuhe MechanikEN 388Abrieb, Schnitt, Weiterreiss, Stich
Schutzhandschuhe ChemieEN 374Permeation, Penetration
SchutzhelmEN 397Stoßdampfung, elektrische Isolierung
AtemschutzEN 136/140/143/149Vollmaske, Halbmaske, Partikelfilter, FFP-Klassen
GehörschutzEN 352SNR-Wert, Oktavbanden-Dampfung
SchutzkleidungEN ISO 11612, EN 13034Hitzeschutz, Flussigkeitschemikalien
AbsturzsicherungEN 361, EN 363Auffanggurte, Systeme

Beschaffungsprozess PSA:

Die Beschaffung von PSA folgt einem regulatorisch vorgegebenen Ablauf:

  1. Gefahrdungsbeurteilung durch Arbeitgeber (ArbSchG §5) mit Beteiligung des Betriebsarztes und der Sicherheitsfachkraft
  2. Auswahl geeigneter PSA nach Gefahrdung, Normen und Komfort
  3. Prufung der Konformitat: CE-Kennzeichen, Kategorie, korrekte Notified-Body-Nummer, aktuelles Ablaufdatum der Baumusterprufung
  4. Benutzerakzeptanz sichern: Tragekomfort, Passform, Unterweisung
  5. Austauschintervalle und Lagerungsanforderungen festlegen
  6. Dokumentation fur Betriebsprufer und Berufsgenossenschaft

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Stahlverarbeiter in der Steiermark mit 240 Mitarbeitern uberarbeitet seine PSA-Beschaffung. Bisher werden Schutzausrustungen uber 12 verschiedene Lieferanten bezogen, ohne einheitliche Spezifikationen. Der Einkaufer, zusammen mit dem Sicherheitsbeauftragten und dem Betriebsrat, erarbeitet ein PSA-Katalogprogramm.

Fur jede Gefahrdungskategorie im Betrieb wird die Mindest-Schutzklasse definiert und in einem PSA-Katalog mit 3-5 freigegebenen Produkten je Position hinterlegt. Lieferanten mussen fur jedes Produkt die aktuellen Konformitatsklarungen und Prufergebnisse vorlegen. Das Volumen wird auf zwei Lieferanten (Generalist + Spezialist fur Chemikalienschutz) konsolidiert, Rahmenvertrage mit definierten Austauschintervallen abgeschlossen. Jahrliche Kosten sinken um 14 %, gleichzeitig erfullen alle Produkte die normativen Anforderungen nachweisbar — entscheidend bei BG-Prufungen und im Schadenfall.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Fehler 1 — PSA ohne Gefahrdungsbeurteilungsbasis: PSA wird beschafft, weil "das schon immer so verwendet wurde", ohne Ruckbindung an eine aktuelle Gefahrdungsbeurteilung. Bei einem Arbeitsunfall kann das zur Mitverantwortung des Arbeitgebers fuhren, wenn die PSA nicht zur nachgewiesenen Gefahrdung passte.

Fehler 2 — Falscher Fokus auf Preis statt Norm-Konformitat: Gunstige PSA aus unsicheren Quellen (nicht-akkreditierte Handler, Importe ohne CE-Prufung) spart kurzfristig, setzt das Unternehmen aber strafrechtlichen und zivilrechtlichen Risiken aus. ArbSchG §25 sieht Bußgelder bis 25.000 EUR vor. Im Schadensfall kann Regress des Berufsgenossenschaft drohen.

Fehler 3 — Keine Dokumentation der Bereitstellung: Arbeitgeber mussen nachweisen konnen, dass PSA bereitgestellt, Unterweisungen durchgefuhrt und Ruckgabe-/Tauschintervalle eingehalten wurden. Fehlende Dokumentation ist ein haufiger Befund bei BG-Revisionen.

Verhandlungskontext: Der starke Hebel bei PSA-Rahmenvertragen liegt im Volumen und in der Serviceleistung. Anbieter differenzieren uber: digitale Katalogeinbindung (OCI-Schnittstelle), Konsignationslager im Werk, Beratungsleistung bei Gefahrdungsbeurteilungen, automatische Normen-Update-Benachrichtigungen. Diese Mehrleistungen rechtfertigen Pramien gegenuber gunstigsten Spotpreisen. Gleichzeitig sollte der Einkauf darauf bestehen, dass der Lieferant fur jedes gelistete Produkt jederzeit auf Abruf aktuelle CE-Konformitatsklarungen liefern kann — das ist ein hartes Ausschlusskriterium bei Jahresrahmenvertragen.

Verwandte Begriffe

  • [[arbeitssicherheit]] — Regulatorischer Rahmen, in den PSA eingebettet ist
  • [[betriebsmittel]] — PSA zahlt als personliches Betriebsmittel zum indirekten Material
  • [[indirektes-material]] — Beschaffungskategorie fur PSA
  • [[qualitaetspruefung]] — Konformitat und Normprufung als Beschaffungsvoraussetzung
  • [[ausschreibung]] — Offentliche Ausschreibungen fur PSA-Rahmenvertrage folgen CPV-Codes der Klasse 18143000

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