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Procari Lexikon PPM (Parts Per Million)
Einkaufslexikon

PPM (Parts Per Million)

PPM (Parts Per Million)

PPM (Parts Per Million) drückt die Anzahl fehlerhafter Teile pro einer Million gelieferter Teile aus und ist die zentrale Qualitäts-Kennzahl für Lieferanten in der Automobil- und Elektronikindustrie. Die Formel lautet PPM = (Anzahl Fehlerteile / Gesamtmenge) x 1.000.000. Liegen 12 Fehlerteile in 50.000 gelieferten Stück vor, ergibt das 240 PPM.

Detaillierte Erklärung

PPM hat seinen Ursprung in der japanischen Qualitätsbewegung der 1970er Jahre und wurde durch die Six-Sigma-Methodik bei Motorola 1986 popularisiert. Im modernen Automotive-Umfeld ist PPM in nahezu jedem Lieferantenvertrag verankert. Die Norm IATF 16949:2016 — der weltweite Qualitätsmanagement-Standard für Automotive-Lieferanten, herausgegeben von der International Automotive Task Force — schreibt in Klausel 9.1.2.1 keine konkreten PPM-Zielwerte vor, fordert jedoch eine systematische Überwachung, dokumentierte Zielwerte und kontinuierliche Verbesserung. Die OEMs definieren ihre Zielwerte in eigenen Lieferantenhandbüchern: Volkswagen unter dem Programm Formel Q, BMW über die QMT-Anforderungen, Toyota im Rahmen des TSSC.

Typische Benchmarks im Jahr 2026: A-Lieferanten an Premium-OEMs erreichen weniger als 25 PPM, B-Lieferanten bewegen sich im Korridor 50 bis 250 PPM, C-Lieferanten liegen bei 500 bis 2.000 PPM und werden meist ausgelistet oder unter Lenkung gestellt. Der Production Part Approval Process (PPAP), Bestandteil der AIAG-Core-Tools, fordert vor Serienfreigabe einen Cpk-Wert von mindestens 1,33 — das entspricht etwa 63 PPM. Sicherheitsrelevante Teile verlangen Cpk grösser-gleich 1,67, also etwa 0,6 PPM. Die Verzahnung von PPM und Prozessfähigkeit (Cpk) macht PPM zu einer Output-Kennzahl, die direkt auf Prozessbeherrschung im Werk des Lieferanten zurückführt.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Tier-1-Zulieferer für elektrische Antriebsmodule bezieht im Geschäftsjahr 2025 insgesamt 4,2 Millionen Stator-Bleche von einem ostdeutschen Stanzwerk. Im Wareneingang werden über das Jahr 287 Teile als nicht-konform identifiziert (Grat, Massabweichung, Materialfehler). Das ergibt eine PPM-Quote von 68,3 — knapp über dem vertraglich vereinbarten Ziel von 50 PPM. Die Vertragsklausel sieht ab 75 PPM eine Kostenrückbelastung von 12 Euro je Fehlerteil plus 850 Euro Bearbeitungspauschale je 8D-Report vor. Im Q1-2026-Audit wird festgestellt, dass 73 Prozent der Fehler aus einer einzigen Werkzeugnest-Position stammen. Der Lieferant investiert 41.000 Euro in eine Neukonstruktion, der Cpk-Wert steigt von 1,28 auf 1,52, die PPM-Quote sinkt im Q2 2026 auf 28 PPM und liegt damit innerhalb des Zielkorridors.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Der häufigste Fehler ist die fehlende Definition, was als Fehlerteil zählt — kosmetische Mängel, Funktionsausfälle und Massabweichungen werden je nach Werk unterschiedlich behandelt, was PPM-Werte um Faktor 5 verzerren kann. Zweitens wird PPM oft auf Wareneingangsmusterprüfung berechnet statt auf 100-Prozent-Prüfung, was kleine Lose statistisch begünstigt. Drittens fehlt häufig die Eskalationsklausel: Was passiert bei 3-fach Zielverfehlung in Folge? In Verhandlungen mit Automotive-Lieferanten gehört eine PPM-Vereinbarung mit Definition (was zählt), Messpunkt (Wareneingang oder Linie), Zielwert mit Stretch-Ziel und Eskalationspfad in jeden [[rahmenvertrag]].

Verwandte Begriffe

PPM ist Teil der [[lieferantenbewertung]] im Qualitätsblock und steht in direktem Zusammenhang mit der [[reklamationsquote]] (Beanstandungen relativ zu Lieferungen). Bei Audits gemäss [[iso-9001]] und IATF 16949 ist PPM-Tracking ein Pflichtnachweis und wird im [[lieferantenaudit]] geprüft. Hohe PPM-Werte führen oft zu Abstufung in der [[lieferantenklassifizierung]].

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