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Procari Lexikon PPM-Wert Parts Per Million
Einkaufslexikon

PPM-Wert Parts Per Million

PPM-Wert Parts Per Million

Der PPM-Wert Parts Per Million gibt an, wie viele fehlerhafte Teile pro eine Million gelieferter Teile ein Lieferant produziert. Im DACH-Automotive- und Maschinenbaukauf ist der PPM-Wert Parts Per Million die zentrale Kennzahl fuer die objektive Messung der Lieferantenqualitaet — vergleichbar, zeitreihenfahig und eskalationsrelevant.

Detaillierte Erklaerung

Berechnungsformel

Der PPM-Wert berechnet sich einfach:

PPM = (Anzahl fehlerhafter Teile / Gesamtanzahl gelieferter Teile) × 1.000.000

Beispiel: Ein Lieferant liefert im Quartal 250.000 Teile, davon sind 18 fehlerhaft (Ausschuss oder Reklamation).
PPM = (18 / 250.000) × 1.000.000 = 72 ppm

Die Fehlerhafte-Teile-Zaehlung erfasst dabei alle Teile, die im Wareneingang oder in der Produktion des Kunden als nicht in Ordnung eingestuft werden — unabhaengig davon, ob sie durch den Lieferanten nachgearbeitet, ersetzt oder zuruckgesandt werden.

Abgrenzung: Geliefert-ppm vs. Feldausfall-ppm

In der Praxis unterscheidet man zwei PPM-Varianten:

  • Geliefert-ppm (incoming ppm): Fehler, die beim Kaeufer im Wareneingang oder bei der Eingangspruefung entdeckt werden. Dieser Wert ist einfach zu erheben und die haeufigste Kennzahl in Lieferantenqualitaets-Scorecards.
  • Feldausfall-ppm (field ppm): Fehler, die erst beim Endkunden oder im Betrieb auftreten. Dieser Wert ist schwieriger zu attribuieren, aber fuer sicherheitsrelevante Teile (z. B. Bremsenkomponenten) entscheidend. Er fliesst in die Rueckrufkostenanalyse und Produkthaftung ein.

Branchenuebliche Zielwerte

Die ppm-Anforderungen variieren stark je nach Branche und Bauteilkritikalitaet:

  • Automotive Serienbelieferung (IATF 16949:2016): OEM-interne Ziele liegen typischerweise bei 50–500 ppm fuer nicht-sicherheitsrelevante Teile; fuer sicherheitsrelevante Teile (z. B. Airbag, Lenkung, Bremsen) wird haeufig << 10 ppm oder Null-Fehler-Ziele vereinbart.
  • Maschinenbau / allgemeiner Mittelstand: 500–1.000 ppm sind fuer nicht-kritische Komponenten akzeptabel; bei Prazisionsteilen 100–300 ppm.
  • Elektronik / PCB: Ziele reichen bis in den einstelligen ppm-Bereich oder werden in DPMO (Defects Per Million Opportunities) angegeben, was bei komplexen Baugruppen realistischer ist.

Zeitreihe und Trendanalyse

Eine Einzelmessung des PPM-Werts ist wenig aussagekraeftig — die Trendlinie ueber 6–12 Monate ist entscheidend. Steigende ppm trotz Massnahmenplans signalisiert mangelnde Prozessbeherrschung. Stabiler ppm unter Zielwert = Lieferant in Ordnung. Schwankende ppm mit einzelnen Ausreissern = Prozessinstabilitaet, die durch SPC (Statistische Prozesskontrolle) identifiziert werden sollte — ein Kernwerkzeug nach IATF 16949:2016 Abschnitt 9.1.

PPM-Wert und 6-Sigma

Die 6-Sigma-Methodik, die in der Automobilindustrie seit den 1990er-Jahren etabliert ist, hat einen direkten Bezug zum PPM-Wert: Ein Prozess auf 6-Sigma-Niveau produziert theoretisch 3,4 DPMO (unter Beruecksichtigung der 1,5-Sigma-Verschiebung). Fuer die Praxis des Mittelstands ist 3-Sigma (66.807 ppm) als Ausgangspunkt und die schrittweise Verbesserung Richtung 4-Sigma (6.210 ppm) oder 5-Sigma (233 ppm) ein realistischer Planungshorizont.

Messung und Datenqualitaet

Die Zuverlaessigkeit des PPM-Werts haengt von der Vollstaendigkeit der Fehlerdokumentation ab. Ein haeufiges Problem: Nicht jede Nacharbeit oder jedes fehlerhafte Teil wird im System erfasst. Besonders in Unternehmen ohne ERP-gestuetzte Wareneingangspruefung entstehen Datenschieflagen, die den PPM-Wert kuenstlich verbessern — mit dem Risiko, echte Qualitaetsprobleme zu verschleiern.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Einkaeuferin bei einem bayerischen Hydrauliksystemhersteller bewertet quartalsweise die Top-20-Lieferanten nach ppm. Lieferant A (Dichtungsringe, Jahresvolumen 2,8 Mio. Teile) hatte in den letzten drei Quartalen folgende ppm-Werte: Q1: 220 ppm, Q2: 310 ppm, Q3: 480 ppm. Der Zielwert laut Rahmenliefervertrag betraegt 300 ppm.

Die Einkaeuferin stuft Lieferant A in der [[lieferantenscorecard]] in die Kategorie "Bewaehrung" herab und stellt eine formale Reklamation nach §377 HGB mit Anforderung eines 8D-Reports aus. Im naechsten Jahresgespraech wird das ppm-Trendwachstum als Argument genutzt, um eine Preissenkung von 2,5 % zu verhandeln — verbunden mit der Auflage, bis Q2 des Folgejahres unter 250 ppm zu kommen, sonst Dual Sourcing fuer dieses Bauteil.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Stichprobenartefakte bei kleinen Mengen: Bei Losgr. < 10.000 Teile pro Quartal koennen einzelne Fehlerteile den PPM-Wert stark verzerren. 5 fehlerhafte Teile bei 8.000 gelieferten ergibt 625 ppm — was alarmierend klingt, statistisch aber noch im Zufall liegen kann. Hier ist die Konfidenzintervallbetrachtung wichtig, die in der Praxis kaum gemacht wird.

PPM versus DPMO-Verwechslung: Bei komplexen Baugruppen mit vielen Pruefeigenschaften (z. B. Leiterplatten) ist DPMO die korrekte Kennzahl. PPM zaehlt fehlerhafte Einheiten, DPMO zaehlt fehlerhafte Pruefmerkmale pro Million Moeglichkeiten. Wer DPMO als PPM interpretiert, vergleicht Aepfel mit Birnen — besonders beim Benchmarking zwischen Lieferanten aus unterschiedlichen Technologiebereichen.

Fehlende Gewichtung nach Schweregrad: Ein PPM-Wert behandelt einen kosmetischen Makel gleichwertig mit einem sicherheitsrelevanten Fehler. Besser ist eine gewichtete ppm-Zahl oder eine separate Kennzahl fuer A-Fehler (sicherheitsrelevant), B-Fehler (funktionsrelevant) und C-Fehler (kosmetisch).

Verhandlungskontext: Der PPM-Wert ist das safetstste Verhandlungsinstrument im Qualitaetsgespraech, weil er objektiv, berechenbar und vertraglich vereinbarbar ist. Lieferanten, die ihren Zielwert konsistent unterschreiten, koennen ppm-basierte Preisnachlaesse oder Sicherheitsleistungen fordern — z. B. reduzierte Wareneingangspruefintensitaet. Lieferanten, die ihren Zielwert ueberschreiten, koennen mit Rueckbelastungen, erhoehten Pruefkosten oder Dual-Sourcing-Drohungen konfrontiert werden. In beiden Faellen schafft die objektive Kennzahl eine sachliche Gesprächsbasis.

Verwandte Begriffe

  • [[ppm-ziel-lieferant]]
  • [[reklamationsrate]]
  • [[reklamationsmanagement]]
  • [[qualitaetspruefung]]
  • [[qualitaetssicherung]]
  • [[lieferantenscorecard]]
  • [[lieferantenbewertung]]
  • [[iatf-16949]]
  • [[iso-9001]]

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