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Procari Lexikon Ratchet-Klausel
Einkaufslexikon

Ratchet-Klausel

Ratchet-Klausel

Die Ratchet-Klausel ist eine asymmetrische Anpassungsregel in Liefer- und Rahmenverträgen, die eine Preis-, Volumen- oder Konditionsbewegung ausschließlich in eine Richtung zulässt, nämlich zugunsten der Käuferseite, und die Gegenrichtung mechanisch sperrt, vergleichbar mit der Sperrklinke einer Ratsche.

Detaillierte Erklärung

Der Begriff stammt aus dem angelsächsischen Vertragsrecht, insbesondere aus Private-Equity-Term-Sheets der 1980er-Jahre, wurde aber in den 2000er-Jahren in Einkaufsverträgen großer DACH-Konzerne wie Bosch, Siemens und Henkel adaptiert. Typische Ausprägungen sind die Preis-Ratchet (Preis darf nur sinken, nicht steigen, auch wenn LME oder MEPS in die Gegenrichtung laufen), die Volumen-Ratchet (vereinbarte Mindestmengen können vom Käufer reduziert, nicht aber vom Lieferanten verlangt werden) und die Service-Level-Ratchet (Liefertreue-Schwellen können nur nach oben, nicht nach unten justiert werden). In AGB der Käuferseite gegenüber einem Tier-1 oder Tier-2 unterliegt die Klausel der Inhaltskontrolle nach §307 BGB. Der BGH hat in mehreren Entscheidungen (zuletzt Az. VIII ZR 67/22 vom 19.10.2023 zur Energiepreisanpassung) festgestellt, dass eine einseitige Anpassungsbefugnis nur dann wirksam ist, wenn sie sachlich gerechtfertigt, in Voraussetzungen und Umfang transparent und mit einem zumutbaren Lösungsrecht des Belasteten verbunden ist. Im B2B-Kontext gilt §310 Abs. 1 BGB, der zwar die Klauselverbote der §§308 und 309 BGB ausschließt, die generelle Inhaltskontrolle nach §307 BGB jedoch in vollem Umfang erhält. Eine reine Ratchet ohne sachlichen Anker ist daher auch im B2B regelmäßig unwirksam.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein süddeutscher Hausgerätehersteller in Stuttgart legt seinen Tier-1-Stanzteilelieferanten 2025 einen 4-Jahres-Rahmenvertrag mit einer Preis-Ratchet vor: Der Stückpreis von 3,42 Euro pro Halterung sinkt automatisch um 0,5 Prozent pro Quartal, wenn der MEPS-Stahl-Coil-Index um mehr als 4 Prozent fällt, steigt jedoch nicht, wenn der Index um mehr als 4 Prozent ansteigt. Bei einem MEPS-Sprung im Q1 2026 von plus 14,2 Prozent versucht der Lieferant eine Anpassung; der Käufer beruft sich auf die Klausel. Nach Konsultation der Kanzlei stellt sich heraus, dass die Klausel die BGH-Voraussetzungen verfehlt, weil kein Lösungsrecht und keine Transparenz hinsichtlich der zulässigen Indexbewegung definiert sind. Eine außergerichtliche Einigung führt zu einer Klausel-Neuformulierung mit symmetrischer Indexbindung an MEPS HRC, Anpassungstakt halbjährlich, Schwellenwert 5 Prozent, Cap bei plus/minus 12 Prozent, sowie einem Sonderkündigungsrecht bei kumulativ über 18 Prozent Bewegung. Die Anpassung wird in der Vertragsakte unter Versionsstand 7 dokumentiert.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Drei Muster führen wiederholt in die Unwirksamkeit. Erstens platziert die Käuferseite die Ratchet als unscheinbaren Annex zum 32-seitigen Rahmenvertrag, ohne sachlichen Begründungsbezug, und produziert damit eine sofortige Inhaltskontrolle-Schwäche. Zweitens fehlt das Lösungsrecht des Lieferanten: Wenn die Klausel nur trifft, aber kein Sonderkündigungsrecht oder keine Verhandlungsöffnung vorsieht, ist sie nach §307 Abs. 1 BGB unwirksam. Drittens werden Ratchets ohne Cap formuliert, womit die Klausel auch in extremen Marktphasen wirkt und eine Existenzbedrohung des Lieferanten konstruiert wird, was die Inhaltskontrolle verschärft. Im Verhandlungskontext akzeptieren Sie als Lieferant nur eine Ratchet mit drei Sicherungen: symmetrischer Indexanker, prozentualer Cap je Anpassungsschritt, und einseitiges Lösungsrecht bei kumulativer Auswirkung über 10 Prozent über 18 Monate. Als Käufer formulieren Sie die Klausel so transparent, dass sie eine §307-Prüfung übersteht, statt sich auf Verhandlungs-Asymmetrie zu verlassen.

Verwandte Begriffe

Vertragsrechtlich verwandt mit [[preisgleitklausel]], [[verlaengerungsklausel]] und [[force-majeure-klausel]]. AGB-rechtlich kontrolliert über [[agb-allgemeine-geschaeftsbedingungen]] und [[aeb-allgemeine-einkaufsbedingungen]]. Wirkungsverwandt mit [[liability-cap-automotive]] und [[indexbindung-detail]]. Häufig kombiniert mit [[yoy-productivity-automotive]] und [[re-negotiation-cycle]].

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