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Procari Lexikon Savings
Einkaufslexikon

Savings

Savings

Savings — auf Deutsch Einkaufseinsparungen — bezeichnen die messbare Kostensenkung, die durch Maßnahmen des Einkaufs gegenüber einem definierten Referenzwert erzielt wird. Im DACH-Einkaufscontrolling sind Savings die zentrale Steuerungsgröße für den Wertbeitrag des Einkaufs und Grundlage für Zielvereinbarungen, Budgetplanung und Erfolgsberichte an die Geschäftsführung.

Detaillierte Erklärung

Der Begriff Savings ist im deutschen Einkaufsumfeld als englisches Lehnwort vollständig etabliert und wird meist ohne Übersetzung verwendet. Die präzise Definition und Abgrenzung verschiedener Savings-Typen ist jedoch einer der häufigsten Streitpunkte zwischen Einkauf und Controlling in DACH-Unternehmen.

BME-Definition und Systematik

Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) hat eine anerkannte Savings-Systematik veröffentlicht, die im DACH-Raum als Quasi-Standard gilt. Sie unterscheidet drei Hauptkategorien:

1. Hard Savings ([[hard-savings]])
Cashwirksame, GuV-relevante Einsparungen. Sie reduzieren direkt die tatsächlichen Ausgaben im Vergleich zur Vorperiode oder einem genehmigten Budget. Hard Savings sind die "härteste" Währung des Einkaufs — das Controlling akzeptiert sie ohne Diskussion als Leistungsnachweis.

Typische Beispiele:

  • Verhandlter Preisnachlass gegenüber geltendem Vertragspreis
  • Wechsel zu einem günstigeren Lieferanten bei gleicher Spezifikation
  • Bedarfsreduktion durch Spezifikationsoptimierung mit technischer Freigabe
  • Volumenkonsolidierung mit quantifizierbarem Preiseffekt

2. Soft Savings ([[soft-savings]])
Nicht unmittelbar cashwirksam, aber wirtschaftlich relevant. Sie verbessern Prozesse, Qualität, Liefersicherheit oder reduzieren Risiken, ohne direkt in der GuV zu erscheinen.

Typische Beispiele:

  • Reduzierung der Bestellabwicklungskosten durch Digitalisierung
  • Senkung der Fehlerquote bei Eingangslieferungen
  • Verkürzung von Durchlaufzeiten
  • Risikoreduktion durch Lieferantendiversifikation

3. Cost Avoidance ([[cost-avoidance]])
Verhinderte Preissteigerungen: Der Einkauf hat eine angekündigte Preiserhöhung abgewendet oder abgemildert. Die Ausgabe bleibt konstant, obwohl sie ohne Einkaufsintervention gestiegen wäre. Cost Avoidance ist kein Savings im klassischen Sinne — es gibt keine Reduktion gegenüber dem Status quo — wird aber häufig in die Savings-Berichterstattung aufgenommen.

Referenzwert-Problematik

Jede Savings-Berechnung braucht einen Referenzwert. Die Wahl des Referenzwerts bestimmt maßgeblich die ausgewiesene Savings-Höhe und ist die häufigste Ursache für Controlling-Diskussionen:

ReferenzwertVerwendungRisiko
VorjahrespreisStandard bei laufenden BeschaffungenKonservativ; gibt Preissteigerungen nicht korrekt wieder
BudgetpreisSteuerungsrelevant für GuVKann durch guten Einkauf in der Budgetplanung beeinflusst werden
ErstangebotTransparent und nachvollziehbarErstangebote sind oft strategisch hoch angesetzt
Marktpreis / BenchmarkAussagekräftigErfordert belastbare Marktdaten
[[should-cost-analyse]]Methodisch sauberste BasisAufwendig; erfordert Kostenstrukturanalyse

Der BME empfiehlt, den Referenzwert jeweils zu Beginn eines Beschaffungsprojekts festzulegen und zu dokumentieren, bevor Verhandlungen beginnen. Nachträgliche Anpassungen des Referenzwerts sind ein häufiges Manipulationsrisiko im Savings-Reporting.

Savings-Realisierungsquote

Identifiziertes [[einsparpotenzial]] und realisierte Savings sind nicht identisch. Die [[savings-realisierungsquote]] misst das Verhältnis. Typische Gründe für Realisierungslücken:

  • Lieferantenwechsel aus Qualitäts- oder Risikoerwägungen doch nicht durchgeführt
  • Technische Freigabe für Alternativmaterial verweigert
  • Verbrauchsmengen haben sich geändert (Savings-Wert daher kleiner als geplant)
  • Marktpreise sind zwischen Planung und Vertragsabschluss gestiegen

Savings im GuV-Kontext

Nur Hard Savings, die im gleichen Geschäftsjahr durch verringerte Zahlungsausgänge sichtbar werden, sind unmittelbar GuV-wirksam. Savings auf Basis von Rahmenverträgen — wo Preise zwar verhandelt sind, die Abrufe aber erst in Folgejahren stattfinden — erscheinen erst zeitversetzt. Einkaufsleiter müssen zwischen "verhandelten Savings" und "gebuchten Savings" unterscheiden.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Einkäufer eines Kunststoffverarbeiters in Österreich verhandelt für die Warengruppe "Technische Kunststoffe" (Jahresvolumen 2,8 Mio. EUR):

Ausgangslage:

  • Aktueller Jahresvertragspreis: 8,40 EUR/kg
  • Aktuelles Volumen: 340 Tonnen/Jahr
  • Lieferant kündigt Preiserhöhung auf 9,10 EUR/kg (+8,3 %) an

Verhandlungsergebnis:

  • Verhandelter neuer Preis: 8,55 EUR/kg
  • Preissteigerung auf 0,15 EUR/kg begrenzt (+1,8 %)

Savings-Berechnung:

KategorieBerechnungBetrag
Hard Savings(8,55 – 8,40) × 340.000 kg = -51.000 EURKeine Hard Savings (Preis gestiegen)
Cost Avoidance(9,10 – 8,55) × 340.000 kg+187.000 EUR
GuV-EffektPreis gestiegen, aber weniger als geplant-51.000 EUR vs. Budget

Der Einkäufer hat keine Hard Savings erzielt, aber eine Cost Avoidance von 187.000 EUR realisiert. Für die interne Berichterstattung ist die Unterscheidung entscheidend: Das Controlling bucht -51.000 EUR als Mehraufwand, das Einkaufs-Reporting weist +187.000 EUR verhinderte Kostensteigerung aus. Beide Darstellungen sind korrekt — sie messen unterschiedliche Referenzwerte.

Dieses Beispiel zeigt, warum vor jedem Projekt die Savings-Messmethodik mit dem Controlling vereinbart werden muss.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Fehler 1: Cost Avoidance als Hard Savings ausweisen
Der häufigste Berichterstattungsfehler im Einkaufscontrolling. Cost Avoidance ist valide und wichtig — aber wer sie als Hard Savings deklariert, verliert das Vertrauen des Controllings. Konsequente Trennung ist eine Frage der Glaubwürdigkeit.

Fehler 2: Savings ohne Volumengewichtung
Wenn Savings-Prozente kommuniziert werden, ohne das zugrunde liegende Beschaffungsvolumen zu nennen, fehlt jeder Kontext. 15 % Savings auf 50.000 EUR sind weniger relevant als 2 % auf 3 Mio. EUR.

Fehler 3: Nachträgliche Referenzwert-Verschiebung
Der Referenzwert darf nicht nach Abschluss der Verhandlung rückwirkend angepasst werden, um die Savings-Quote zu optimieren. Ein solches Vorgehen untergräbt die Integrität des Einkaufs-Reportings.

Verhandlungskontext
Ein solides Savings-Tracking erhöht den internen Status des Einkaufs und seine Ressourcenausstattung. Einkaufsleiter, die jährlich messbare Hard Savings berichten können, erhalten typischerweise höhere Verhandlungsbudgets, mehr Reiseerlaubnis für Lieferantenbesuche und Zugang zu Digitalisierungsbudgets. Die [[preisentwicklung]]-Dokumentation ist dabei der Schlüssel: Nur wer Marktpreistrends systematisch trackt, kann Savings-Referenzwerte glaubwürdig verteidigen.

Verwandte Begriffe

  • [[hard-savings]] — cashwirksame, GuV-direkt-relevante Savings; die "härteste" Savings-Kategorie
  • [[soft-savings]] — nicht cashwirksame Verbesserungen; prozess- und qualitätsbezogen
  • [[cost-avoidance]] — verhinderte Kostensteigerung; kein Savings-Rückgang, aber einkaufsseitig erzielter Wertbeitrag
  • [[cost-avoidance-rate]] — Kennzahl: Anteil abgewendeter Kostensteigerungen am adressierbaren Spend
  • [[savings-realisierungsquote]] — Verhältnis von realisierter Einsparung zu identifiziertem Einsparpotenzial
  • [[einsparpotenzial]] — theoretisch erreichbarer Wert vor Realisierung
  • [[einkaufscontrolling]] — institutioneller Rahmen für Savings-Definition, -Messung und -Reporting

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