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Procari Lexikon Seltene Erden
Einkaufslexikon

Seltene Erden

Seltene Erden

Seltene Erden sind die 17 Elemente der Lanthanoidenreihe plus Scandium und Yttrium, die als Permanentmagnete (NdFeB), Phosphorverbindungen, Polierpulver und Hochleistungslegierungen in Elektromotoren, Windkraftgeneratoren, MRT-Scannern und Halbleiterfertigung eingesetzt werden. Im Einkauf gelten sie wegen China-Anteilen von 70 Prozent am Bergbau und über 90 Prozent an der Raffination als kritische Rohstoffe mit hohem geopolitischen Risiko.

Detaillierte Erklärung

Die Gruppe umfasst die leichten Seltenen Erden (LREE: Lanthan, Cer, Praseodym, Neodym, Promethium, Samarium, Europium) und die schweren Seltenen Erden (HREE: Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Holmium, Erbium, Thulium, Ytterbium, Lutetium). Vier davon sind für gesinterte Hochleistungs-Neodym-Eisen-Bor-Magnete (NdFeB) zwingend: Neodym und Praseodym als Hauptphase, Dysprosium und Terbium zur Stabilisierung der Curie-Temperatur über 180 Grad Celsius. Ein 3-MW-Direktantrieb-Windgenerator enthält rund 600 kg NdFeB-Magnet, ein E-Auto-Permanentmagnet-Motor rund 1 bis 2 kg.

Die Marktstruktur ist asymmetrisch. Nach Angaben der NZZ und des Elektroniknet-Branchenüberblicks finden 70 Prozent des globalen Bergbaus und mehr als 90 Prozent der Raffination in China statt; Hauptproduzenten sind China Northern Rare Earth Group und Shenghe Resources. Außerhalb Chinas dominieren Lynas Rare Earths (Australien, Anlage in Malaysia) als lange einziger westlicher Großproduzent und MP Materials (Mountain Pass, Kalifornien) als einziger US-Produzent mit eigener NdFeB-Magnetfertigung im Aufbau. Lynas startete 2025 die Produktion schwerer Seltener Erden (Dysprosium und Terbium) und plant für April 2026 die Samarium-Produktion. Der EU Critical Raw Materials Act trat am 23. Mai 2024 in Kraft und nennt Seltene Erden in Anhang I als strategische Rohstoffe; das Ziel: bis 2030 mindestens 10 Prozent EU-Förderung, 40 Prozent EU-Verarbeitung und 25 Prozent aus Kreislaufwirtschaft.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Antriebshersteller aus Sachsen produziert jährlich 90.000 Permanentmagnet-Synchronmotoren für Industrieanwendungen mit je 1,4 kg NdFeB-Magnet, also rund 126 t Magnet pro Jahr. Davon entfallen rund 38 t auf Neodym, 12 t auf Praseodym, 5 t auf Dysprosium und 1,5 t auf Terbium. Der Einkauf bezieht 70 Prozent aus China (Magnete fertig), 20 Prozent aus einem Lynas-Partnerwerk in Estland und 10 Prozent aus Magnetschrott-Recycling über einen niederländischen Aufbereiter. Bei einem chinesischen Exportstopp für Dysprosium im Q3 2025 (analog zu früheren Maßnahmen 2010 und 2023) springt der Spotpreis für Dy-Oxid um 180 Prozent von 230 USD/kg auf 644 USD/kg; die Lynas-Tranche und der Recyclinganteil decken sechs bis acht Wochen Produktion ab und schaffen Verhandlungspuffer.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Erster Fehler ist die fehlende Trennung zwischen Magnetkauf und Rohstoff-Hedge; wer nur fertige Magnete einkauft, sieht den Dysprosium-Anteil nie als eigenen Preis und kann ihn nicht absichern. Zweiter Fehler: Recyclingfähigkeit wird nicht im Magnet-Lastenheft verankert, obwohl gesinterte NdFeB-Magnete heute mit Wasserstoffdekrepitation zu rund 85 Prozent rückgewinnbar sind. Dritter Fehler ist Single-Sourcing aus China ohne strategische Reserve. Verhandlungshebel sind Magnetstückliste-Transparenz, mehrjährige Lynas-Mengen, Recycling-Quote im Vertrag und CRMA-Strategieprojekt-Anbindung.

Verwandte Begriffe

[[lithium-einkauf]], [[kupfer-einkauf]] und [[edelmetalle-einkauf]] sind die parallelen Energiewende-Rohstoffe. Übergeordnet greifen [[kritische-rohstoffe]] nach CRMA und [[geopolitisches-risiko]]. Im Einkaufskontext zählen [[indexkopplung-rohstoffe]], [[materialsubstitution]] und [[commodity-hedging]] zu den Hebeln; der [[spotmarkt]] dient als Frühindikator.

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