Single-Sourcing-Quote
Single-Sourcing-Quote
Die Single-Sourcing-Quote misst den Anteil des Beschaffungsvolumens, der aus strukturellen Gründen über genau einen Lieferanten beschafft wird, sei es technisch, kommerziell oder marktbedingt. Sie ist die schärfste Risikokennzahl im Lieferantenportfolio und wird seit der Corona-Krise 2020 vom BME als Pflicht-KPI im Resilienz-Reporting geführt. Eine Pauschalquote ohne Ursachensegmentierung verdeckt regelmäßig, ob es sich um beeinflussbares oder unbeeinflussbares Single Sourcing handelt.
Detaillierte Erklärung
Berechnet wird die Quote als Spend-Anteil derjenigen Materialien, für die in den letzten 24 Monaten kein zweiter aktiver Lieferant in der Lieferanten-Stammdatenbank geführt wurde. Davon abzugrenzen ist Sole Sourcing als bewusste, alternativ aufgegebene Konzentration auf einen Lieferanten trotz Marktverfügbarkeit; Single Sourcing dagegen beschreibt die strukturelle Alternativlosigkeit, sei es technisch durch Spezifikation, Werkzeug oder Zertifizierung, kommerziell durch Exklusivvertrag oder Kundenvorgabe oder marktbedingt durch Monopolsituation.
Im DACH-Mittelstand liegt die Quote in reifen Industriebranchen typischerweise zwischen 10 und 25 Prozent; in der Automobilzulieferung und der Medizintechnik können Werte über 35 Prozent vorkommen, weil Kunden- oder Zulassungsbindungen an einzelne Lieferanten erzwungen werden. Der BME (Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik) thematisiert die Kennzahl seit der Corona-Krise 2020 verstärkt; eine Auswertung im RiskNET-Kontext ordnet Single Sourcing als einen der vier wichtigsten Treiber von Versorgungsunterbrechungen ein. Die Kennzahl wird meist quartalsweise berichtet und je Warengruppe gegen die strategische Ziel-Quote gespiegelt. Saubere Praxis ist die Aufschlüsselung nach Ursache: kundenbedingt, zulassungsbedingt, technisch ablösbar.
Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)
Ein hessischer Hersteller medizintechnischer Geräte mit 95 Mio. EUR Material-Spend ermittelt im April 2026 eine Single-Sourcing-Quote von 28,4 Prozent über alle Warengruppen. Eine Aufschlüsselung zeigt: 14,1 Prozent sind kundenbedingtes Single Sourcing aus Eigenfertigungsteilen mit OEM-Vorgaben, 9,8 Prozent sind zulassungsbedingt durch MDR-zertifizierte Komponenten ohne Zweitqualifizierung, 4,5 Prozent sind technisch ablösbar, aber bisher nicht qualifiziert. Der Einkaufsleiter priorisiert die letzte Kategorie für Multi-Sourcing-Initiativen mit einem Volumen von 4,28 Mio. EUR. Sein Business Case rechnet mit einer Zweitlieferanten-Qualifizierung über 9 bis 14 Monate je Material und einem erwarteten Hard-Cost-Reduction-Effekt von 3 bis 6 Prozent durch Wettbewerb. Ziel-Quote für Q4 2027: 23 Prozent gesamt, davon maximal 1,5 Prozent technisch ablösbar.
Typische Fehler & Verhandlungskontext
Erster Fehler: Single-Sourcing-Quote nicht nach Ursache segmentieren. Eine Pauschalquote von 28 Prozent verschleiert, ob es sich um nicht beeinflussbares Kunden-Sourcing oder um Versäumnisse der eigenen Lieferantenentwicklung handelt. Zweiter Fehler: Die Kennzahl als isolierter Risikoindikator. Single Sourcing ohne Sicherheitsbestand und ohne Notfall-Lieferantenliste ist ein materielles Risiko; Single Sourcing mit 16 Wochen Bestand und qualifizierter Backup-Quelle in der Schublade ist betriebswirtschaftlich oft optimal.
Dritter Fehler: Verhandlungen mit dem Single-Source-Lieferanten unter Druck führen. Sobald der Lieferant um die Single-Source-Position weiß, ist der wahrgenommene Bargaining-Power-Vorteil häufig hoch; saubere Praxis ist es, parallel still eine Zweitqualifizierung anzustoßen und die Verhandlungsposition durch nachgewiesene Optionalität zu stärken. Im Beiratsbericht ist die 36-Monats-Trendlinie der Quote, getrennt nach Ursache, der relevante Sichtwinkel.
Verwandte Begriffe
Die Single-Sourcing-Quote ist die Mess-Variante des [[single-sourcing]] und steht im engen Zusammenhang mit dem [[supplier-concentration-risk]] sowie dem [[spend-concentration-index]] als ergänzende Konzentrationskennzahlen. Risikoseitig verzahnt sie sich mit [[single-source-risiko]], [[klumpenrisiko-einkauf]] und [[lieferantenausfallrisiko]]. Strategisch wird sie über die [[kraljic-matrix]] und [[dual-sourcing]] gerahmt und operativ durch [[lieferantenentwicklung]] und [[notfallplan-lieferant]] gesteuert.