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Procari Lexikon Stückliste (BOM)
Einkaufslexikon

Stückliste (BOM)

Stückliste (BOM)

Eine Stückliste (englisch Bill of Materials, kurz BOM) listet alle Komponenten, Baugruppen und Rohstoffe auf, die zur Herstellung eines Endproduktes benötigt werden. Sie ist nach Aussage des Fraunhofer-Instituts eine der wichtigsten Datenstrukturen jedes Fertigungsunternehmens und verknüpft Konstruktion, Produktion, Service und Einkauf über einen gemeinsamen Materialstamm.

Detaillierte Erklärung

In der Praxis unterscheiden Anwender drei Hauptvarianten. Die Konstruktionsstückliste (E-BOM, engineering BOM) entsteht im CAD-System bei Siemens NX, PTC Creo oder Solidworks und beschreibt die geometrische Struktur des Produkts. Die Fertigungsstückliste (M-BOM, manufacturing BOM) wird daraus abgeleitet und ergänzt um Arbeitsanweisungen, Fertigungszeiten, Lagerorte sowie Verpackungsmaterial. Die Service-BOM enthält schließlich nur jene Komponenten, die im Feldeinsatz austauschbar sind, und steuert das Ersatzteilgeschäft.

In SAP S/4HANA verwalten die Module PP (Production Planning) und MM (Materials Management) Stücklisten gemeinsam in der Tabelle MAST, die den Materialstamm mit der jeweiligen Stücklistenposition verbindet. Jede Position trägt eine Mengenangabe, eine Positionsnummer und einen Verwendungsschlüssel — beispielsweise 1 für Konstruktion, 3 für Fertigung, 5 für Instandhaltung. Die Norm DIN 199-1 (Begriffe für Technische Produktdokumentation) regelt seit Jahrzehnten die formale Struktur deutscher Stücklisten und bildet zusammen mit ISO 10303 die methodische Klammer.

Für den strategischen Einkauf wird die Stückliste interessant, sobald sie mit Klassifizierungsstandards verknüpft ist. Über eClass (28 000 Klassen, 14 000 Merkmale) oder UNSPSC lässt sich jede Position einer Warengruppe zuordnen, sodass Spend-Analyse, Lieferantenkonsolidierung und Should-Cost-Modelle datenbasiert funktionieren. Ohne saubere BOM-Pflege bleibt die [[spend-analyse]] eine Schätzung.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Maschinenbauunternehmen aus dem Schwarzwald mit 380 Mitarbeitern produziert hydraulische Pressen in Stückzahlen von 240 pro Jahr. Die Fertigungsstückliste einer Standardpresse umfasst 1 847 Positionen, davon entfallen 62 Prozent auf Zukaufteile. Der zuständige Lead Buyer importiert die BOM aus SAP S/4HANA über die Tabelle STPO und reichert sie mit eClass-8.1-Codes an.

Das Ergebnis: 73 Prozent des Beschaffungswertes liegen in nur 14 Warengruppen. Vier davon — Hydraulikzylinder, Servomotoren, Frequenzumrichter, Stahlguss — werden nach der Analyse von vier auf zwei Lieferanten konsolidiert, wodurch der Einkauf 11,4 Prozent Cost-Avoidance pro Maschine realisiert. Die saubere Verknüpfung zwischen E-BOM und M-BOM verhindert dabei, dass Konstruktionsänderungen ungeprüft in die Fertigung wandern.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Häufigster Fehler ist die Pflege paralleler Stücklisten in CAD und ERP ohne automatisierten Abgleich, was bei Konstruktionsänderungen zu Phantomteilen und Fehlbestellungen führt. Zweitens werden Service-BOMs oft vernachlässigt, sodass der Ersatzteileinkauf auf Erfahrungswerten statt auf Daten beruht. Drittens fehlt häufig die Klassifizierung nach eClass oder UNSPSC, wodurch Verhandlungshebel über Warengruppen unsichtbar bleiben. Im Verhandlungsgespräch ist die BOM die Faktenbasis für [[open-book-kalkulation]] und [[target-costing]].

Verwandte Begriffe

Die Stückliste bildet die Datengrundlage für [[norm-teile]], [[oem-teile]] und [[halbzeug]]-Beschaffung. Sie verbindet [[strategic-sourcing]] mit operativer [[disposition]] und liefert die Inputs für [[abc-analyse]], [[wertanalyse]] und [[should-cost-modell]].

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