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Procari Lexikon Supplier Concentration Risk
Einkaufslexikon

Supplier Concentration Risk

Supplier Concentration Risk

Supplier Concentration Risk bezeichnet die quantifizierte Form des Klumpenrisikos: das Ausfallrisiko, das aus einer ungleichen Verteilung des Beschaffungsvolumens auf wenige Lieferanten resultiert. Es wird typischerweise über drei Top-N-Kennzahlen operationalisiert und ergänzt um die strategische Quadrantenlogik der Kraljic-Matrix bewertet. Der BME stuft Konzentrationsrisiko als eine der drei häufigsten Ursachen für ungeplante Versorgungsunterbrechungen ein.

Detaillierte Erklärung

Operationalisiert wird Supplier Concentration Risk typischerweise über drei aufeinander aufbauende Kennzahlen, gerechnet auf rollierenden 12-Monats-Spend: den Anteil des Top-1-Lieferanten, den kumulierten Anteil der Top-5-Lieferanten und den kumulierten Anteil der Top-10-Lieferanten. Im DACH-Mittelstand gelten ein Top-1-Anteil über 30 Prozent, ein Top-5-Anteil über 70 Prozent und ein Top-10-Anteil über 85 Prozent als Schwellen, ab denen die Warengruppe in das aktive Risikomonitoring überführt werden sollte.

Methodisch ergänzt wird die Top-N-Sicht durch die Kraljic-Matrix von 1983, die Beschaffungsobjekte nach Versorgungsrisiko und Ergebnis-Impact in vier Quadranten teilt; im strategischen Quadranten ist eine hohe Konzentration tolerabel, im Engpass-Quadranten ein KO-Kriterium. Der BME (Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik) stuft Supplier Concentration Risk in seiner Logistik- und Resilienz-Umfrage 2024 als eine der drei häufigsten Ursachen für ungeplante Versorgungsunterbrechungen ein. Die Kennzahlen werden meist je Warengruppe, je geografischer Region und je Single-Source-Kennzeichen ausgewiesen. Die ProcureCon Europe CPO Studie 2025 dokumentiert, dass nur 16 Prozent der Einkaufsorganisationen einen Schlüssellieferanten innerhalb einer Woche ersetzen können.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein bayerischer Steuerungselektronik-Hersteller mit 220 Mio. EUR Materialaufwand bewertet im Mai 2026 das Klumpenrisiko der Warengruppe Mikrocontroller. Top-1, ein Lieferant aus Taiwan, hält 47 Prozent, Top-5 kumuliert 91 Prozent, Top-10 sind 100 Prozent, weil es nur acht qualifizierte Quellen gibt. Im Kraljic-Quadrant liegt die Warengruppe im strategischen Bereich mit hohem Impact und hohem Versorgungsrisiko. Eine Szenario-Rechnung nach Vorbild der BME-Logistikumfrage 2020 zeigt: Ein 60-tägiger Ausfall des Top-1-Lieferanten würde einen Produktionsstillstand von rund 28 Tagen verursachen mit einem Umsatzverlust um 14 Mio. EUR. Der Einkaufsleiter qualifiziert daraufhin zwei zusätzliche Quellen in Südkorea und in der EU; das Ziel-Profil bis Q2 2027 ist Top-1 unter 35 Prozent, Top-5 unter 80 Prozent. Parallel wird ein Sicherheitsbestand von 14 Wochen für die kritischsten 12 Mikrocontroller-Typen aufgebaut.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Erster Fehler: Konzentration nur monetär messen, nicht technologisch. Zwei Lieferanten, die beide Wafer aus derselben taiwanischen Fab beziehen, sind effektiv ein Risiko-Cluster. Zweiter Fehler: Die Kennzahl als Verhandlungs-Hebel ausschließlich gegen den Top-Lieferanten einsetzen; das treibt diesen oft in eine Eskalationsspirale. Saubere Praxis ist es, Konzentration als gemeinsames Risikobild mit dem Top-Lieferanten zu rahmen und Liefer- und Vorhaltevereinbarungen wie Sicherheitsbestand, Konsignationslager oder Capacity Reservation zu verhandeln.

Dritter Fehler: Single-Source-Lieferanten nicht separat ausweisen. Ein Lieferant mit 22 Prozent Spend-Anteil, der gleichzeitig Single Source für drei Schlüsselbauteile ist, ist riskanter als ein 35-Prozent-Lieferant mit drei verfügbaren Alternativen. Im Beirats- und Bankgespräch ist die Top-N-Trendlinie über 36 Monate, fallend, stabil oder steigend, aussagekräftiger als der Stichtagswert.

Verwandte Begriffe

Supplier Concentration Risk verzahnt sich eng mit dem [[spend-concentration-index]] als quantitative Verteilungskennzahl und mit [[single-sourcing-quote]] als ergänzende Single-Source-Sicht. Strategisch wird es über die [[kraljic-matrix]] und [[klumpenrisiko-einkauf]] gerahmt und operativ über [[dual-sourcing]] sowie [[diversifizierungsstrategie-einkauf]] adressiert. Im Risikokontext steht die Kennzahl direkt neben [[lieferantenausfallrisiko]], [[lieferantenrisikomanagement]] und [[supply-chain-resilience]] als gemeinsamer Steuerungsrahmen.

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