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Procari Lexikon Three-Way Match
Einkaufslexikon

Three-Way Match

Three-Way Match

Three-Way Match ist der automatisierte Abgleich von Bestellung (PO), Wareneingang (WE) und Eingangsrechnung (RE) als Voraussetzung für die Zahlungsfreigabe. Im DACH-B2B-Einkauf bildet das Verfahren die Compliance-Basis nach GoBD §§238 und 257 HGB sowie §§201/202 GAAP und ist der häufigste Engpass-Prozess der Kreditorenbuchhaltung.

Detaillierte Erklärung

Three-Way Match folgt der einfachen Logik: PO + WE + RE müssen in den drei Dimensionen Material, Menge und Preis übereinstimmen, sonst keine Zahlung. Mathematisch ist das ein dreidimensionaler Konsistenz-Check pro Bestellposition, der im ERP-System automatisiert erfolgt. Erst bei vollständiger Übereinstimmung wird die Rechnung in den Zahlungsworkflow übergeben.

Die drei Dokumente und ihre Rollen:

  1. Purchase Order (PO): der vom Einkäufer freigegebene und vom Lieferanten in der Auftragsbestätigung akzeptierte Vertrag. Definiert Material, Menge, Preis, Liefertermin, Lieferadresse, Konditionen.
  2. Wareneingang (WE): die im Wareneingangslager erfasste tatsächlich gelieferte Menge mit Prüfergebnis (siehe [[wareneingangspruefung]]). Materialnummer und Menge werden gegen die PO gematcht.
  3. Eingangsrechnung (RE): die vom Lieferanten ausgestellte Rechnung mit Material, Menge und Preis. Wird gegen PO und WE gematcht.

Der Abgleich erfolgt in drei Prüfungen:

  • PO ↔ WE: Stimmen Material und Menge überein? Toleranzband typisch ±2 % bei Mengen, taggenau bei Materialnummer
  • WE ↔ RE: Stimmen die fakturierten Mengen mit dem eingebuchten Wareneingang überein? Toleranz typisch ±0 (jede Mengen-Differenz ist klärungspflichtig)
  • PO ↔ RE: Stimmt der fakturierte Preis mit dem PO-Preis überein? Hier greift die [[preisabweichung-bestellung]] mit prozentualer und absoluter Toleranz

Erst wenn alle drei Prüfungen "grün" sind, gilt die Rechnung als zahlungsfreigabe-fähig. Fällt eine Prüfung durch, wird die Rechnung gesperrt und ein Klärungs-Workflow angestossen — der Disponent oder Einkäufer muss die Diskrepanz erklären und entweder durch Belastungsanzeige, Gutschriftsanforderung, PO-Änderung oder WE-Korrektur auflösen.

GoBD §§238/257 HGB verlangen, dass der gesamte Vorgang revisionssicher dokumentiert ist: jede Prüfung mit Zeitstempel, jedes Klärungs-Ergebnis mit User-ID und Begründung, mindestens zehn Jahre aufbewahrt. §§201/202 GAAP-Äquivalente in den US-GAAP-Reporting-Anforderungen DACH-Töchter US-amerikanischer Konzerne verlangen zusätzlich einen "audit trail" mit unveränderlichem Zeitstempel.

Two-Way Match (nur PO + RE) ist die schwächere Variante und nur bei Dienstleistungen ohne Wareneingang oder bei Rahmenverträgen ohne PO-Bezug zulässig. Vier- oder Five-Way-Match (zusätzlich Vertragsabgleich oder Quality-Inspection-Report) sind im automotive Umfeld bei sicherheitskritischen Bauteilen üblich.

Die [[touchless-invoice-rate]] ist die Schlüsselkennzahl für Three-Way-Match-Effizienz: sie misst den Anteil der Rechnungen, die ohne manuellen Eingriff durchlaufen. DACH-Mittelstand-Benchmark BME-Kennzahlen: 65-78 %, Best-in-class über 85 %.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein nordrhein-westfälischer Hersteller von Industriearmaturen (640 Mitarbeiter) verarbeitet monatlich etwa 2.400 Eingangsrechnungen. Der ERP-Workflow durchläuft den Three-Way Match vollautomatisch.

PO 4500238910 vom 15. April: 200 Stück Edelstahl-Flansche DN50 zu 47,80 Euro/Stück = 9.560 Euro netto. AB des Lieferanten bestätigt PO. Wareneingang am 28. April: 198 Stück (Mengen-Toleranz von ±2 % gerade noch eingehalten, da 99 % statt 100 %). Prüfer setzt WE-Buchung auf 198 Stück mit Prüfvermerk "Mengenfehlbetrag 2 Stück, Lieferanten-Akzeptanz dokumentiert".

Eingangsrechnung am 5. Mai: 200 Stück zu 47,80 Euro/Stück = 9.560 Euro netto. Three-Way Match:

  • PO ↔ WE: 200 Stück PO, 198 Stück WE = ok (innerhalb ±2 %)
  • WE ↔ RE: 198 Stück WE, 200 Stück RE = NICHT ok (Differenz 2 Stück)
  • PO ↔ RE: 47,80 Euro PO, 47,80 Euro RE = ok

Rechnung wird automatisch gesperrt mit Sperrgrund "Mengen-Differenz WE/RE: 2 Stück Mehrforderung". Klärungs-Workflow: der zuständige Disponent erhält eine Aufgabe im ERP-Workflow. Prüfung ergibt: die fehlenden 2 Stück wurden vom Lieferanten faktisch nicht geliefert (Versandfehler im Lager). Korrekte Auflösung: Belastungsanzeige an den Lieferanten über 95,60 Euro netto; Rechnung wird auf 198 Stück × 47,80 Euro = 9.464,40 Euro netto reduziert; Gutschrift des Lieferanten über 95,60 Euro wird abgewartet und gegen die Rechnung verrechnet.

Alternative Auflösung: der Lieferant insistiert, dass 200 Stück versandt wurden. In dem Fall wird der Wareneingang nochmals geprüft (Lager-Inventur der Position), das Prüfprotokoll mit Foto und Prüfer-Unterschrift hochgeladen. Wenn der Prüfbeleg die 198-Stück-Buchung bestätigt, geht eine formelle Reklamation an den Lieferanten — die Rechnung bleibt gesperrt bis zur Klärung, die Zahlungsfrist (siehe [[payment-cycle-time]]) wird formell gestoppt.

GoBD-Audit-Spur: Der Klärungsfall wird im ERP mit Zeitstempel "2026-05-06 14:32 — Disponent K. Müller — Sperrgrund ‘Mengen-Differenz’ — Aktion ‘Belastungsanzeige 95,60 Euro’ — Vier-Augen-Freigabe durch Einkaufsleiter Schmidt" gespeichert. Bei einer GoBD-Prüfung in 2030 ist dieser Datensatz unveränderlich abrufbar. Löschung oder Änderung des Datensatzes ist im ERP technisch unterbunden.

Effekt auf [[touchless-invoice-rate]]: Die Rechnung zählt als nicht-touchless. Der Disponent benötigt etwa 12 Minuten für die Klärung. Bei monatlich 2.400 Rechnungen und einer touchless-Rate von 72 % entstehen 672 Klärungsfälle, die etwa 134 Personenstunden binden — was bei einem Stundensatz von 65 Euro etwa 8.700 Euro Personalkosten pro Monat verursacht.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Erster Fehler: Three-Way Match wird durch zu weite Toleranzbänder entwertet. Wenn Mengen-Toleranz auf ±5 % und Preis-Toleranz auf ±5 % steht, geht ein Lieferanten-"Schmiergeld" von 4 % Mehrforderung bei 4 % Mengen-Reduktion vollkommen unbemerkt durch — kombiniert ein Verlust von etwa 8 % auf der Position. Disziplin: Toleranzbänder so eng wie operativ möglich, lieber mehr Klärungsfälle als systematische Vertragsbruch-Toleranz.

Zweiter Fehler: Klärung durch den Falschen. Im Idealfall klärt der originäre Bestelle-Disponent oder Einkäufer — er kennt die Hintergrundinformationen, die Vertragslage und die Lieferanten-Historie. In der Praxis wird Klärung häufig an die Kreditorenbuchhaltung delegiert, die die fachliche Tiefe nicht hat und im Zweifelsfall durchwinkt, "weil der Disponent ja Bescheid wusste". Korrekt: Three-Way-Match-Sperren MUESSEN beim Einkaufs-Verantwortlichen klären, nicht in der Buchhaltung.

Dritter Fehler: WE-Buchung "auf Erwartung". Wenn die Wareneingangs-Buchung nicht gegen den realen Eingang, sondern gegen den Lieferschein gebucht wird (also die Mengen-Prüfung übersprungen wird), entwertet sich die mittlere Prüfung des Three-Way Match komplett — WE und RE matchen dann immer, und die Mengen-Diskrepanz wird erst beim physischen Inventarcheck (oft monatelang später) entdeckt. Disziplin: WE-Buchung erst nach physischer Prüfung.

Im Verhandlungskontext ist der Three-Way-Match-Track-Record eines Lieferanten ein wichtiges Faktum. Ein Lieferant mit 92 % First-Time-Right (also Anteil der Rechnungen, die ohne Klärung durchlaufen) ist objektiv weniger Klärungsaufwand als einer mit 76 % — dieser Effizienzvorteil ist quantifizierbar und kann in Bonus-Klauseln einfliessen ("Wenn First-Time-Right > 95 % im Jahresdurchschnitt, Bonus 0,3 %").

GAAP §§201/202 (US-GAAP-Äquivalent zu HGB-Compliance) ist für DACH-Töchter US-amerikanischer Konzerne häufig der bindende Standard und verlangt eine stärkere Trennung von Funktion und Kontrolle: der Klärer der Diskrepanz darf nicht der Freigeber der Zahlung sein. Vier-Augen-Prinzip ist Standard, in sicherheitskritischen Bereichen Sechs-Augen-Prinzip mit zusätzlicher Compliance-Prüfung.

ISO 28001 Supply Chain Security verlangt zusätzlich, dass Three-Way-Match-Daten über die gesamte Supply Chain konsistent sind — bei mehrstufigen Lieferketten wird das Verfahren auf jeder Stufe durchgeführt, mit Cross-Reference auf die jeweiligen PO-Nummern der vorgelagerten Stufen. Im Mittelstand selten, in Tier-1-Automotive-Strukturen Standard.

Verwandte Begriffe

  • [[preisabweichung-bestellung]]
  • [[wareneingangspruefung]]
  • [[touchless-invoice-rate]]
  • [[invoice-cycle-time]]
  • [[payment-cycle-time]]

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