Toleranzen (DIN ISO 2768)
Toleranzen (DIN ISO 2768)
Toleranzen nach DIN ISO 2768 sind Allgemeintoleranzen für Längen-, Winkel-, Form- und Lagemaße, die ohne individuelle Eintragung in der technischen Zeichnung gelten. Die Norm besteht aus zwei Teilen: Teil 1 (Ausgabe 1991) regelt Längen- und Winkelmaße mit den Toleranzklassen f (fein), m (mittel), c (grob) und v (sehr grob); Teil 2 (Ausgabe 1991) regelte Form- und Lagetoleranzen mit den Klassen H, K und L, wurde aber 2021 durch DIN EN ISO 22081 abgelöst.
Detaillierte Erklärung
Allgemeintoleranzen entlasten die Zeichnungserstellung, weil nicht jedes Maß mit einem expliziten Toleranzfeld versehen werden muss. Stattdessen wird im Schriftfeld eine pauschale Toleranzklasse angegeben, etwa "DIN ISO 2768-mK" für mittlere Längentoleranz und mittlere Form- und Lagetoleranz. Die Toleranzwerte selbst staffeln sich nach Nennmaßbereichen: Für Klasse m gilt bei 0,5 bis 3 mm eine Toleranz von ±0,1 mm, bei 30 bis 120 mm ±0,3 mm und bei 1.000 bis 2.000 mm ±1,2 mm. Klasse f reduziert diese Werte auf etwa die Hälfte, Klasse c verdoppelt und Klasse v vervierfacht sie.
Die Auswahl der Klasse ist eine Wirtschaftlichkeitsentscheidung. Klasse m ist die in der International Automotive Task Force (IATF, Brackley) und im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA, Frankfurt am Main) empfohlene Werkseinstellung für mittelmäßig präzise CNC-Bearbeitung; Klasse f wird im Werkzeug-, Formen- und Vorrichtungsbau eingesetzt; Klasse c ist im Stahlbau und in der Lohnschweißtechnik verbreitet; Klasse v genügt für Brennschnitte und Gussrohteile. Eine Verschärfung von m auf f erhöht die Fertigungskosten je nach Verfahren um 15 bis 35 Prozent, ohne dass die Funktion zwingend gewinnt; eine Lockerung von m auf c senkt sie um 8 bis 18 Prozent.
Mit der Ablösung von DIN ISO 2768-2 durch DIN EN ISO 22081 (Ausgabe 2021) hat sich die Praxis für Form- und Lagetoleranzen geändert: Die neue Norm fordert eine explizite Allgemein-Geometrietoleranz im Zeichnungskopf, etwa "ISO 22081 0,3 mm/100 mm". Reine Verweise auf "ISO 2768-mK" sind in Neuzeichnungen nicht mehr regelkonform; in Bestandszeichnungen bleiben sie weiterhin gültig. Das Deutsche Institut für Normung (DIN, Berlin) und die Internationale Normungsorganisation (ISO, Genf) verantworten die Aktualisierung im sechsjährigen Prüfzyklus.
Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)
Ein Werkzeugbauer aus Sachsen beschafft 480 Stück Präzisionsplatten aus C45 mit Außenabmessungen 220 × 180 × 25 mm pro Quartal. Auf der Zeichnung steht "DIN ISO 2768-mK". Drei CNC-Lohnfertiger legen Angebote vor: 38, 46 und 58 EUR pro Stück. Der Einkauf lässt Klasse f gegenprüfen und erhält 54, 61 und 78 EUR; Klasse c senkt auf 32, 38 und 49 EUR. Funktional reicht m, weil die Platten als Auflagebasis für Tiefziehwerkzeuge dienen und über Passstifte mit H7-Bohrungen ausgerichtet werden. Vergabe geht an den 38-EUR-Anbieter mit dokumentierter Cpk von 1,67 für Längenmaße und vier Tagen Durchlaufzeit. Bei einer Loserhöhung auf 800 Stück pro Quartal sinkt der Stückpreis um weitere 11 Prozent.
Typische Fehler & Verhandlungskontext
Erster Fehler ist das Aufdrucken von Klasse f auf alle Zeichnungen "zur Sicherheit", was die Bearbeitungskosten ohne Funktionsbezug treibt. Zweiter Fehler: Form- und Lagetoleranzen werden nicht angegeben oder es bleibt beim alten "DIN ISO 2768-mK" auf Neuzeichnungen, was bei strittigen Reklamationen zu Auslegungsfragen mit dem Lieferanten führt. Dritter Fehler ist die fehlende Prüfung der Prüfbarkeit: engere Klassen erfordern Messmittel mit kleinerem Messunsicherheitsbeitrag (Faustregel 1 zu 10 nach VDA 5), die der Lieferant nicht zwingend besitzt. Verhandlungshebel sind klassendifferenzierte Lastenhefte, gemeinsame Messmittelfähigkeitsstudie nach VDA 5 oder MSA und mengenabhängige Cpk-Vereinbarungen im Rahmenvertrag.
Verwandte Begriffe
DIN ISO 2768 wirkt zusammen mit [[werkstoffpruefung]] in der Eingangskontrolle und der [[wareneingangspruefung]]. Anwendungsfelder sind [[cnc-bearbeitung]], [[stanztechnik]], [[druckgussteile]], [[spritzgussteile]], [[schmiedeteile]] und [[additive-manufacturing]]. Vertraglich relevant sind [[werkspruefzeugnis-3-1]], [[erstmusterpruefung]] und [[ppap-production-part-approval-process]]. Qualitätsseitig grenzen [[cpk-wert]] und [[spc-statistische-prozesskontrolle]] die Fähigkeitsbeurteilung an.