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Procari Lexikon Sendungsverfolgung (Track & Trace)
Einkaufslexikon

Sendungsverfolgung (Track & Trace)

Sendungsverfolgung (Track & Trace)

Sendungsverfolgung — englisch Track & Trace — bezeichnet die durchgängige Erfassung und Abfrage von Standort und Status einer Sendung entlang der Lieferkette. „Track" steht für Echtzeit-Standort, „Trace" für die Rückverfolgung der Historie. Beides zusammen erlaubt Lieferzeit-Prognose, Fehlmengen-Analyse und gesetzliche Rückrufe.

Detaillierte Erklärung

Die technische Grundlage moderner Sendungsverfolgung bildet der Ende der 1980er Jahre durch die GS1-Vorgängerorganisation EAN International eingeführte Serial Shipping Container Code (SSCC). Der SSCC ist eine 18-stellige, weltweit eindeutige Identifikation einer Versandeinheit (Palette, Karton, Behälter) und wird als Strichcode GS1-128 oder als 2D-DataMatrix auf das NVE-Label gedruckt. Die Statusmeldung erfolgt klassisch über EDI nach UN/EDIFACT-Norm, konkret die Nachrichten IFTSTA (International Forwarding And Transport Status) und IFTMIN (Instruction Message). Ein IFTSTA-Datensatz enthält SSCC, Statuscode (z. B. „abgeholt", „im Hub", „in Zustellung"), Zeitstempel und Geokoordinaten — Verarbeitungszeit pro Nachricht 0,3 bis 1,2 Sekunden in zertifizierten EDIFACT-Konvertern. Die Bundesvereinigung Logistik (BVL) und der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) berichten in einer Branchenerhebung 2023, dass 78 Prozent aller B2B-Sendungen in Deutschland EDIFACT-basiertes Track & Trace nutzen. IoT-Tracking ergänzt seit etwa 2018 die Standortverfolgung um Sensorik: Temperatur, Schock, Feuchte, Lichteinfall — Anbieter wie Bosch (TraQ-IoT-Logger), Siemens (Sentron) und Sigfox-Netzwerke senden Messwerte alle 15 bis 60 Minuten via Mobilfunk oder LPWAN. Eine besondere Form der Serialisierung verlangt die EU-Fälschungsschutz-Richtlinie 2011/62/EU mit der Delegierten Verordnung 2016/161, in Kraft seit dem 9. Februar 2019: Jede einzelne Pharma-Verpackung trägt eine eindeutige Seriennummer im DataMatrix (Produktcode, Seriennummer, Charge, Verfallsdatum) und wird vor Abgabe gegen das European Medicines Verification System (EMVS) — in Deutschland securPharm — verifiziert. Die jüngere Verordnung (EU) 2019/6 (Tierarzneimittel) hat die Logik 2022 auf den Veterinärbereich erweitert. Über Pharma hinaus nutzen Konsumgüterhersteller die Sendungsverfolgung zur [[lieferantenbewertung]] und zur Belegführung bei Reklamationen.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein DACH-Pharmagroßhändler bezieht jährlich rund 4,2 Millionen Einzelpackungen rezeptpflichtiger Arzneimittel von 38 Lieferanten. Vor Februar 2019 erfolgte Track & Trace nur auf Palettenebene — bei einem Verdachtsfall mussten 1.200 bis 1.800 Packungen einer Charge manuell zurückgerufen werden. Seit Inkrafttreten der EU-Fälschungsschutz-Verordnung wird jede Packung beim Wareneingang über den 2D-DataMatrix gegen securPharm geprüft. Der Wareneingangsprozess je Packung dauert 0,8 Sekunden, die Investition in Scanner-Infrastruktur lag bei 165.000 Euro einmalig plus 28.000 Euro Wartung pro Jahr. Im Gegenzug konnte der Großhändler 2023 zwei verdächtige Chargen innerhalb von 14 Minuten nach Hinweis aussortieren — vor 2019 hätte dies 8 bis 12 Stunden gedauert. Die Rückverfolgbarkeit reduzierte zusätzlich Reklamations-Streitfälle: bei dokumentiertem Temperatur-Verlauf einer kühlpflichtigen Sendung entfiel der „Wer-war-Schuld"-Disput zwischen Spediteur und Hersteller bei 92 Prozent der 47 Reklamationen 2023.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Erstens: Track & Trace nur als Reporting-Funktion sehen statt als operativen Prozess. Wer die Statusmeldungen nicht in das Warenwirtschaftssystem rückspielt, gewinnt keine Reaktionszeit. Zweitens: Sensor-Toleranzgrenzen nicht im Vertrag fixieren. Ein Temperaturlogger meldet Werte, aber ohne vereinbarte Schwellenwerte (z. B. „2 bis 8 Grad Celsius über mehr als 30 Minuten überschritten") sind die Daten in Reklamationsverfahren wertlos. Dritter Fehler: SSCC-Etiketten ohne Plausibilitätsprüfung akzeptieren — fehlerhafte Prüfziffern bremsen den Wareneingang aus. Verhandlungskontext: Im [[rahmenvertrag]] gehört eine Klausel zur Track-&-Trace-Pflicht inklusive Datenformat (EDIFACT D.96A oder neuer), Aktualisierungs-Frequenz (mindestens vier Statussprünge pro Sendung) und IoT-Sensor-Bereitstellung bei Gefahrgut oder Kühlware. Auch die DSGVO-konforme Verarbeitung der Telematik-Daten muss klar geregelt sein — Standortdaten von Berufskraftfahrern unterliegen [[auftragsverarbeitungsvertrag-avv]]-Pflichten.

Verwandte Begriffe

Die Sendungsverfolgung verzahnt sich mit [[supply-chain-management]], [[incoterms]] und [[lieferantenbewertung]] und liefert Belege für Reklamationen nach [[gewaehrleistung]] sowie für Audit-Pflichten aus dem [[lieferkettensorgfaltspflichtengesetz]].

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