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Procari Lexikon VDA 6.3
Einkaufslexikon

VDA 6.3

VDA 6.3

VDA 6.3 ist der etablierte Standard für Prozessaudits in der Automobilindustrie und wird vom Verband der Automobilindustrie (VDA) herausgegeben. Im Einkauf nutzen Sie VDA 6.3, um die Prozessfähigkeit eines neuen oder bestehenden Lieferanten objektiv zu messen — von der Potenzialanalyse vor Auftragsvergabe bis zum Audit am Serienanlauf (SoP).

Detaillierte Erklärung

Die aktuelle Fassung VDA 6.3:2023 ist die vierte überarbeitete Auflage und wurde im Januar 2023 vom VDA Qualitäts Management Center (VDA QMC) in Oberursel veröffentlicht. Sie ergänzt die Anforderungen von IATF 16949:2016 um eine konkrete Audit-Methodik. Während IATF 16949 vorschreibt, dass ein QMS vorhanden sein muss, prüft VDA 6.3 anhand standardisierter Fragebögen, ob die einzelnen Prozesse tatsächlich beherrscht werden.

Das Audit gliedert sich in sieben Prozesselemente. P1 Potenzialanalyse für neue Lieferanten oder Technologien, P2 Projektmanagement, P3 Produkt- und Prozessentwicklung, P4 Serienproduktion und Prozessüberwachung, P5 Lieferantenmanagement und Logistik, P6 Kundenservice und Reklamationsmanagement, P7 Kundenzufriedenheit und Nachhaltigkeit. Je nach Audit-Anlass werden alle oder nur ausgewählte Module geprüft.

Die Bewertung jeder Frage erfolgt auf der Skala 0, 4, 6, 8, 10 Punkte. Daraus berechnet sich ein Erfüllungsgrad in Prozent, der in eine Gesamteinstufung A, B oder C übersetzt wird. A bedeutet freigegeben mit einem Erfüllungsgrad von 90 Prozent oder mehr, B bedingt freigegeben zwischen 80 und unter 90 Prozent und C nicht freigegeben unter 80 Prozent. Sogenannte Sternchenfragen mit besonders hoher Sicherheits- oder Qualitätsrelevanz haben eine höhere Gewichtung. Werden sie mit weniger als 4 Punkten bewertet, kann das gesamte Audit als nicht bestanden gelten, unabhängig vom rechnerischen Gesamtergebnis. Die Revision 2023 erweitert den Fokus auf Risikomanagement, Software-Aspekte und Beschaffungsaktivitäten und lässt erstmals Remote-Audits unter definierten Bedingungen zu.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Automotive-Tier-1 plant den Wechsel des Stanzteile-Lieferanten für ein Türblech mit Jahresvolumen 1,8 Millionen Euro. Vor der Vergabe führt der SQE ein P1-Potenzialaudit über 1,5 Tage beim Bewerber durch. Auditkosten 4 200 Euro, Reisekosten 600 Euro.

Der Lieferant erreicht 78 Prozent Erfüllungsgrad und damit C-Einstufung. Drei Sternchenfragen wurden mit 4 Punkten bewertet, davon zwei in P1.6 (FMEA-Reife) und eine in P1.5 (Lieferkettentransparenz). Im Maßnahmenplan vereinbaren beide Seiten 9 Korrekturmaßnahmen mit Frist 90 Tage. Re-Audit nach 4 Monaten ergibt 87 Prozent und B-Einstufung. Vergabe erfolgt unter Auflagen, dazu gehören monatliche Liefer-KPIs, vierteljährliche Q-Reviews und ein P4-Folgeaudit nach 6 Monaten Serienlauf.

Im Einkaufscontrolling rechnet sich das Audit-Investment von rund 5 000 Euro gegen das Risiko von Bandstillstand-Kosten von 30 000 bis 80 000 Euro pro Stunde beim OEM um Faktor 60.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Ein klassischer Fehler ist die Auditierung durch nicht qualifiziertes Personal. VDA 6.3 darf formal nur durch beim VDA QMC qualifizierte Prozessauditoren durchgeführt werden, das Zertifikat ist 3 Jahre gültig. Ergebnisse interner Quasi-Audits ohne Qualifikationsnachweis sind in OEM-Reviews wertlos und führen bei Reklamationen zu Argumentationsproblemen.

Der zweite Fehler liegt im Umgang mit der C-Einstufung. Statt den Lieferanten zu disqualifizieren, lohnt häufig die Investition in einen strukturierten Maßnahmenplan, weil Wechselkosten (PPAP, Werkzeugumzug, Validierung) leicht 80 000 bis 250 000 Euro betragen. Die C-Einstufung wird zum Verhandlungshebel für Preiszugeständnisse oder Lieferantenentwicklungs-Beiträge.

Drittens werden Sternchenfragen häufig unterschätzt. Eine 100-prozentig erfüllte Mehrzahl von Standardfragen kompensiert keinen 0-Punkt-Treffer auf einer Sternchenfrage. Lieferantenseitig ist die Vorbereitung auf diese 17 hochgewichteten Fragen entscheidend.

Verwandte Begriffe

Methodisch verzahnt mit [[iatf-16949]] und [[iso-9001]] als QMS-Basis, Schwester-Norm zu [[erstmusterpruefbericht-empb]] aus VDA Band 2. Im Einkaufsworkflow flankiert von [[lieferantenbewertung]] und [[supplier-relationship-management]].

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