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Procari Lexikon Verzinken / Galvanik
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Verzinken / Galvanik

Verzinken / Galvanik

Verzinken ist das gebräuchlichste Oberflächenverfahren für Korrosionsschutz auf Stahl, wobei Zink kathodisch wirkt und das Grundmaterial selbst dann schützt, wenn die Schicht örtlich verletzt ist. Im DACH-Markt dominieren zwei Verfahren: Feuerverzinken nach DIN EN ISO 1461 (Schmelztauchverzinken bei 450 °C, Schichtdicken 50 bis 150 µm) und galvanisches Verzinken nach DIN 50961 (elektrochemisches Verfahren, 5 bis 25 µm). Die Wahl bestimmt Lebensdauer, Maßhaltigkeit und Stückpreis.

Detaillierte Erklärung

Beim Feuerverzinken wird der gereinigte und gefluxte Stahl in eine Zinkschmelze getaucht. Die Norm DIN EN ISO 1461 (aktuelle Ausgabe Dezember 2022) regelt Mindestschichtdicken in Abhängigkeit der Materialdicke: Für Werkstücke über 6 mm Wandstärke werden im Mittel mindestens 85 µm Zink gefordert, für 3 bis 6 mm mindestens 70 µm und für 1,5 bis 3 mm mindestens 55 µm. Die Schicht ist eisen-zink-legiert und mechanisch über 250 HV (Vickers-Härte der Zeta-Phase) belastbar. Lebensdauer in Korrosivitätsklasse C3 nach DIN EN ISO 12944 beträgt 40 bis 100 Jahre, ohne dass eine zusätzliche Beschichtung erforderlich ist.

Galvanisches Verzinken (auch elektrolytisches Verzinken genannt) wird in Trommel- oder Gestellanlagen ausgeführt. DIN 50961 (Ausgabe 2018) klassifiziert Schichtdicken Fe/Zn5 bis Fe/Zn25 sowie Passivierungen (transparent, blau, gelb, schwarz, oliv). Cr(VI)-Gelbchromatierung unterliegt seit 2017 der REACH-Anhang-XIV-Beschränkung; der Markt ist auf Cr(III)-Passivierungen umgestiegen, die im Salzsprühnebeltest nach DIN EN ISO 9227 typisch 240 bis 720 Stunden Weißrostbeständigkeit erreichen. Der Industrieverband Feuerverzinken (Düsseldorf) und der Zentralverband Oberflächentechnik (ZVO, Hilden) führen die deutschen Anlagenbetreiber, deren Zahl bei rund 175 Feuerverzinkereien und über 600 Galvanikbetrieben liegt (Stand 2024).

Zink-Nickel-Legierungen mit 12 bis 15 Prozent Nickelanteil bilden die Premiumvariante für die Automobilindustrie und erreichen bis zu 1.000 Stunden Rotrostbeständigkeit. Spitzpunkt der Verfahrenswahl ist die Wasserstoffversprödung: Hochfeste Stahlteile über 1.000 MPa Zugfestigkeit müssen nach galvanischem Verzinken thermisch entsprödet werden (4 Stunden bei 200 °C), Feuerverzinken ist hier ohne Zusatzschritt sicher.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Stahlbauer aus Niedersachsen beschafft die Beschichtung von 320 t Konstruktionsbauteilen pro Quartal für eine Industriehalle in Korrosivitätsklasse C4. Anforderung: Feuerverzinken nach DIN EN ISO 1461, Mindestschichtdicke 85 µm, anschließend Duplex-Beschichtung. Drei Verzinkereien legen Angebote vor: 0,82, 0,95 und 1,10 EUR pro Kilogramm Stahl bei Mengen ab 2.500 kg pro Anlieferung. Bei Kleinmengen unter 500 kg steigen die Stückpreise auf 1,60 bis 1,90 EUR pro Kilogramm. Der Einkauf wertet zusätzlich Durchlaufzeit (3 versus 7 Werktage), Anlieferungslogistik und Beizverhalten der Schweißnahtbereiche aus. Vergeben wird mit Rahmenvertrag über 12 Monate, Preisbindung an den LME-Zinkpreis 3M plus 0,28 EUR pro Kilogramm Umarbeitung; bei Schwankungen über 8 Prozent erfolgt Quartalsanpassung.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Erster Fehler ist die Verwechslung von Feuerverzinken und galvanischem Verzinken im Lastenheft, was zu Falschangeboten mit Faktor 4 Preisdifferenz führt. Zweiter Fehler: Konstruktionsregeln nach DIN EN ISO 14713-2 (Entlüftungs- und Ablauflochungen, einseitige Schweißnähte, Schraublöcher mit 3 mm Aufmaß) werden nicht eingehalten, was zu Ausschuss oder Nachbearbeitung führt. Dritter Fehler ist die fehlende Spezifikation der Passivierung; ohne Festlegung erhält der Einkäufer Cr(VI)-freie Basispassivierung, die für Außenanwendungen ungenügend sein kann. Verhandlungshebel sind Tonnenstaffel, Anlieferung in Vollchargen versus Sammelladung, Bindung an die LME-Zinknotierung und feste Durchlaufzeitfenster.

Verwandte Begriffe

Verzinken ist Schwerpunkt der [[oberflaechenbehandlung]] und konkurriert mit [[lackierungen]], [[pulverbeschichtung]] und [[eloxieren]]. Vorgelagert sind [[stahl-einkauf]], [[stanztechnik]], [[schmiedeteile]] und [[schweissbaugruppen]]. Vertraglich relevant sind [[werkspruefzeugnis-3-1]] und [[reach-verordnung]]. Qualitätsseitig greifen [[werkstoffpruefung]] und [[wareneingangspruefung]].

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