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Procari Lexikon Akkreditiv (Letter of Credit)
Einkaufslexikon

Akkreditiv (Letter of Credit)

Akkreditiv (Letter of Credit)

Das Akkreditiv (Letter of Credit) ist eine bedingte, abstrakte Zahlungszusage einer Bank zugunsten eines Lieferanten — sie wird ausgelöst, sobald der Begünstigte die im Akkreditiv aufgeführten Dokumente fristgerecht und konform vorlegt. Im internationalen Einkauf entkoppelt das Akkreditiv das Liefer- vom Zahlungsrisiko, bindet aber Liquidität und Bearbeitungskapazität — weshalb es vor allem bei Erstgeschäften, Hochrisikoländern und Auftragsvolumen ab sechsstelliger Höhe eingesetzt wird.

Detaillierte Erklärung

Das Akkreditiv folgt den Uniform Customs and Practice for Documentary Credits, einem privatrechtlichen Regelwerk der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris. Die aktuell gültige Fassung UCP 600 trat am 1. Juli 2007 in Kraft und besteht aus 39 Artikeln. Sie wird ergänzt durch die International Standard Banking Practice ISBP 745 (2013) und das eUCP 2.1 (2019), das elektronische Dokumentvorlagen regelt. Ergänzend definiert das deutsche Handelsgesetzbuch (HGB) keine spezifischen Akkreditivnormen — die Praxis stützt sich vollständig auf UCP 600 und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der eröffnenden Banken.

Das Dokumentenakkreditiv kennt drei Hauptformen: das unwiderrufliche Akkreditiv (Default seit UCP 600, eine Änderung ist nur mit Zustimmung aller Parteien möglich), das unbestätigte Akkreditiv (nur die eröffnende Bank haftet, typischerweise die Hausbank des Importeurs) und das bestätigte unwiderrufliche Akkreditiv, bei dem eine zweite Bank — meist im Land des Exporteurs — eine eigene Zahlungsverpflichtung hinzufügt. Letzteres bietet die höchste Zahlungssicherung bei Geschäften mit politisch oder wirtschaftlich instabilen Importländern. Sonderformen sind das Standby Letter of Credit (Garantieersatz, in den USA verbreitet) und das Revolving-Akkreditiv für wiederkehrende Lieferungen.

Die Bankgebühren bewegen sich typischerweise zwischen 0,15 und 0,3 Prozent des Akkreditivwerts pro Quartal Laufzeit für die Eröffnungsprovision, plus 0,1 bis 0,2 Prozent Bestätigungsprovision pro Quartal sowie pauschale Bearbeitungsgebühren von 80 bis 250 EUR je Dokumentenprüfung. Bei einem 12-monatigen Akkreditiv über 500.000 EUR liegen die Gesamtkosten oft bei 1,2 bis 1,8 Prozent — Kosten, die zwischen Importeur und Exporteur verhandelbar sind und in der Akkreditiveröffnung explizit zugewiesen werden müssen.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein bayerischer Maschinenbauer beschafft erstmals eine CNC-Hochleistungsspindel im Wert von 380.000 EUR von einem südkoreanischen Hersteller. Da kein Lieferantenverhältnis besteht, fordert der Verkäufer Vorkasse, der Käufer lehnt ab. Die Parteien einigen sich auf ein bestätigtes unwiderrufliches Akkreditiv mit 90 Tagen Laufzeit. Die Hausbank des Importeurs eröffnet das Akkreditiv für 0,25 Prozent pro Quartal (950 EUR), die koreanische Bank fügt eine Bestätigung für 0,15 Prozent hinzu (570 EUR), Bearbeitungspauschalen 420 EUR — Gesamtkosten 1.940 EUR. Bei Einreichung von Handelsrechnung, Bill of Lading, Versicherungspolice und Inspektionszertifikat eines benannten Prüfdienstleisters wird die Zahlung 5 Bankarbeitstage nach konformer Dokumentenvorlage ausgelöst. Der Käufer entgeht dem Vorkasse-Risiko, der Verkäufer hat eine Bankenzahlungszusage statt eines Firmenrisikos.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Der erste Fehler liegt in der unklaren Dokumentenliste — fehlt etwa die Spezifikation der Inspektionsstelle, prüft die Bank nach UCP 600 nur formal, nicht inhaltlich. Der zweite Fehler ist die zu kurze Laufzeit, die zu Diskrepanzen und Nachverhandlung führt; jede Diskrepanzbearbeitung kostet zwischen 80 und 150 EUR. Der dritte Fehler liegt in der Gebührenverteilung: Standardklausel "all bank charges outside opening country for account of beneficiary" verschiebt unbemerkt erhebliche Kosten zum Exporteur — besser ist eine explizite Aufstellung. In Verhandlungen lässt sich oft erreichen, dass bei wiederholten Lieferungen das bestätigte Akkreditiv nach drei reibungslosen Vorgängen auf ein unbestätigtes herabgestuft wird, was die Kosten halbiert.

Verwandte Begriffe

Das Akkreditiv ist Teil eines breiteren Risiko-Frameworks zusammen mit den [[incoterms]] (sie bestimmen, wann der Gefahrübergang stattfindet) und der [[buergschaft]] (alternative Sicherheit bei kleineren Volumina). In der Gesamtkostenrechnung nach [[total-cost-of-ownership]] werden Akkreditivkosten als Bestandteil der Beschaffungskosten erfasst. Bei wiederkehrenden Akkreditiv-Geschäften mit demselben Lieferanten lohnt eine [[supplier-relationship-management]]-Perspektive — wer den Lieferanten qualifiziert, kann zu offenem Zahlungsziel zurückkehren.

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