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Procari Lexikon Aluminium-Einkauf
Einkaufslexikon

Aluminium-Einkauf

Aluminium-Einkauf

Der Aluminium-Einkauf beschafft Primär- und Sekundärbarren, Pressbolzen, Walzhalbzeuge und Profile auf Basis der LME-3M-Notierung plus Hütten- und Umarbeitungsaufschlag. Aluminium ist nach Stahl das zweitwichtigste Konstruktionsmetall im DACH-Maschinen- und Fahrzeugbau, mit ausgeprägter Strompreis-Korrelation und einer chinesischen Marktdominanz von rund 60 Prozent der globalen Primärproduktion.

Detaillierte Erklärung

Aluminium wird global an der London Metal Exchange als LME Aluminium gehandelt; die 3M-Notierung (drei Monate Forward) ist der Industriestandard für Einkaufskontrakte. Im Jahresverlauf 2024-25 bewegte sich die LME-3M zwischen rund 2.300 und 2.700 USD/t, mit Spitzen bei der Aluminium-Alloy-Notierung von 2.531 USD/t im Monatsdurchschnitt nach US-Strafzöllen im März. Auf den Börsenpreis kommen regional unterschiedliche physische Prämien (Rotterdam-, Midwest-, Japan-Premium), die das Knappheitsverhältnis vor Ort abbilden.

Die Energieintensität ist der dominante Kostentreiber: Für eine Tonne Primäraluminium aus dem Hall-Héroult-Elektrolyseprozess werden rund 14 bis 15 MWh elektrische Energie benötigt; allein der Strompreis machte 2022 bis zu 6.500 EUR der Tonnenkosten aus. Dadurch korreliert der Aluminiumpreis stark mit den europäischen und chinesischen Strommärkten. China stellt rund 58 Prozent seiner Stromproduktion aus Kohle und produziert etwa 60 Prozent des globalen Primäraluminiums. In Deutschland betreibt die Trimet Aluminium SE die Hütte Hamburg mit jährlich rund 135.000 t und versorgt das angeschlossene Walzwerk von Norsk Hydro. Sekundäraluminium aus Schrottrecycling benötigt nur etwa fünf Prozent der Primärenergie und liefert seit der EU-Taxonomie-Verordnung 2024 zunehmend bevorzugtes Material für Premium-OEMs.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Automobilzulieferer aus Bayern beschafft jährlich 2.800 t EN AW-6082-Pressbolzen für Strangpressprofile. Der Einkauf koppelt den Kontraktpreis an LME 3M plus Hüttenprämie plus Umarbeitung. Bei LME 3M von 2.450 USD/t, EUR/USD von 1,07, einer Rotterdam-Duty-Paid-Prämie von 285 USD/t und einer Umarbeitung von 480 EUR/t ergibt sich ein Bolzenpreis von 480 + (2.450 + 285) / 1,07 = 480 + 2.556 = 3.036 EUR/t. Der Käufer sichert 60 Prozent über 6-Monats-Hedge an der LME ab, lässt 25 Prozent als Spotanteil zur Marktnutzung offen und verlagert 15 Prozent auf Sekundäraluminium EN AW-6060 mit zertifiziertem CO2-Fußabdruck unter 4 t CO2/t. Damit reduziert sich die Scope-3-Emission der Bauteilflotte um etwa 1.100 t CO2 pro Jahr.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Erster Fehler ist das Verhandeln eines Festpreises in fallenden Märkten ohne Cap, weil Hütten dann lange Laufzeiten anbieten und der Käufer die spätere Tiefphase verpasst. Zweiter Fehler: Die Hüttenprämie wird oft als Konstante akzeptiert, obwohl sie sich quartalsweise um 40 bis 90 USD/t verschiebt und als eigene Verhandlungsachse taugt. Dritter Fehler ist die fehlende Recyclingquote im Lastenheft; ohne Vorgabe liefert der Hüttenmix automatisch Primärware. Verhandlungshebel sind Volumenstaffel, Hedge-Übernahme, Prämienkappung und CO2-Klausel.

Verwandte Begriffe

[[stahl-einkauf]] und [[kupfer-einkauf]] sind die wichtigsten Nachbarmetalle. Preisabsicherung läuft über [[commodity-hedging]] und den [[terminmarkt]] mit [[futures-einkauf]]. Vertraglich relevant sind [[indexkopplung-rohstoffe]] und [[preisgleitklausel]]; CO2-seitig greift die [[cbam-carbon-border-adjustment-mechanism]]. Wer Substitution prüft, geht in [[materialsubstitution]].

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