Bedarfsanforderung (BANF)
Bedarfsanforderung (BANF)
Eine Bedarfsanforderung, im SAP-Umfeld kurz BANF und synonym Bestellanforderung genannt, ist das interne Dokument, mit dem ein Bedarfsträger den Einkauf auffordert, ein Material oder eine Dienstleistung in einer bestimmten Menge zu einem bestimmten Termin zu beschaffen. Die BANF ist der formale Auslöser des operativen Beschaffungsprozesses und steht damit am Anfang jedes Procure-to-Pay-Zyklus.
Detaillierte Erklärung
Im SAP-MM-Standardprozess wird die BANF in den Transaktionen ME51N (Anlegen), ME52N (Ändern) und ME53N (Anzeigen) verwaltet; aus einer freigegebenen BANF entsteht über ME21N die Bestellung an den Lieferanten. SAP unterscheidet zwei Entstehungswege: die manuelle BANF, die ein Bedarfsträger direkt erfasst, und die automatische BANF, die aus dem Materialbedarfsplanungslauf (MRP, deutsch Plandeckung) heraus generiert wird, wenn der Mindestbestand unterschritten oder ein Plan-Auftrag in eine Beschaffungsanforderung umgesetzt wird. Eine BANF durchläuft typischerweise die Status "in Erstellung", "eingereicht", "freigegeben" beziehungsweise "abgelehnt" und schließlich "in Bestellung" oder "abgeschlossen". Pflichtangaben sind Materialnummer oder Kurztext, Menge, Lieferdatum, Kontierung (Kostenstelle, Auftrag, Anlage) sowie Werk und Lagerort. Über die Klassifizierung lassen sich Strategien für die [[disposition]] hinterlegen. Die BANF ist außerdem das primäre Eingangsobjekt für Genehmigungsworkflows nach Wertgrenzen — die Freigabestrategie wird im Customizing über Freigabegruppe, Freigabecode und Freigabeklasse definiert. SAP dokumentiert das Verfahren seit den frühen R/3-Versionen und führt es in S/4HANA seit 2015 mit erweiterter Fiori-Oberfläche und mobiler Genehmigung fort. Die ISO 9001:2015 verlangt in Klausel 8.4 eine dokumentierte Beschaffungsanforderung — die BANF erfüllt diesen Nachweis im SAP-Kontext.
Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)
Ein Maschinenbauer mit Werk in Sachsen, 620 Mitarbeitenden und 145 Mio. EUR Umsatz erzeugt pro Monat rund 4.200 BANFs, davon 73 Prozent automatisch aus dem MRP-Lauf für Produktionsmaterial und 27 Prozent manuell für indirekten Bedarf. Eine konkrete BANF läuft folgendermaßen: Der Instandhalter benötigt 8 Lagerböcke für eine geplante Wartung in 14 Tagen, legt am Montagmorgen um 9:42 Uhr in ME51N eine BANF mit Materialnummer 700-4421, Menge 8 Stück, Kontierung Kostenstelle 4310, Lieferdatum +12 Tage an. Auftragswert 1.840 EUR, daher Freigabestufe 1 (bis 5.000 EUR Kostenstellenleitung). Die Genehmigung erfolgt mobil über Fiori innerhalb von 26 Minuten. Der strategische Einkäufer wandelt die BANF um 11:15 Uhr in eine Bestellung gegen einen bestehenden Rahmenvertrag um, die Auftragsbestätigung des Lieferanten kommt bis 13:50 Uhr per [[edi-electronic-data-interchange]], Wareneingang 11 Tage später. Im Soll-Prozess sind so 92 Prozent der BANFs innerhalb von 8 Bürostunden freigegeben und in 24 Stunden bestellt. Vor der Einführung digitaler Freigaben lag der Median bei 3,6 Tagen.
Typische Fehler & Verhandlungskontext
Ein verbreiteter Fehler ist die Umgehung der BANF durch sogenannte Schatten-Bestellungen per E-Mail oder Telefon. Das produziert [[maverick-buying]], reduziert die Datenqualität in der [[spend-analyse]] und untergräbt Rahmenverträge. Der zweite klassische Fehler ist die zu späte Anlage: Wer die BANF erst kurz vor dem Bedarfstermin erfasst, zwingt den Einkauf zu Spotbeschaffung statt strategischer Bündelung — Bedarfsanforderungen sollten Lieferzeiten plus Genehmigungslaufzeit plus Sicherheitspuffer abbilden.
In der Verhandlungspraxis zwischen Einkauf und Bedarfsträgern lohnt der Blick auf die Datentiefe der BANF. Eine vollständige Spezifikation mit Zeichnungsstand, Toleranzen und Liefertermin ermöglicht eine echte [[request-for-quotation]]-Logik mit drei bis fünf Bietern; eine BANF mit dem Text "wie letztes Mal" zwingt zur Einzelvergabe an den Bestandslieferanten und vergibt jeden Wettbewerbsvorteil. Im Verhältnis zum Lieferanten ist die BANF nicht rechtsverbindlich — verbindlich wird erst die daraus erzeugte Bestellung beziehungsweise der Abruf gegen einen [[rahmenvertrag]].
Verwandte Begriffe
Die BANF ist der Eingang in den [[procure-to-pay]]-Prozess und folgt der [[disposition]] beziehungsweise dem MRP-Lauf. Im allgemeineren ERP-Sprachgebrauch ist sie deckungsgleich mit der [[bestellanforderung]]. Sie wird in ein [[request-for-quotation]] oder direkt in eine Bestellung gegen [[rahmenvertrag]] umgesetzt und durchläuft typischerweise einen [[genehmigungsworkflow-im-einkauf]].