Zum Inhalt springen
Procari Lexikon Beschaffungslogistik
Einkaufslexikon

Beschaffungslogistik

Beschaffungslogistik

Beschaffungslogistik ist nach der Definition der Bundesvereinigung Logistik (BVL) das Bindeglied zwischen der Distributionslogistik des Lieferanten und der eigenen Produktionslogistik. Sie steuert den physischen und informatorischen Materialfluss vom Zulieferer bis ins Rohwarenlager des eigenen Werkes und umfasst Bedarfsermittlung, Disposition, Bestellabruf, Transportbeauftragung, Wareneingang sowie innerbetrieblichen Transport. In Industrieunternehmen entfallen je nach Branche zwischen 25 und 35 Prozent der gesamten Logistikkosten auf diesen Teilbereich, weshalb jede Optimierung im operativen Einkauf direkt die Herstellkosten beeinflusst.

Detaillierte Erklärung

Die Beschaffungslogistik ordnet die Norm DIN 30781 dem Materialfluss zu, der die Verkettung aller Vorgänge beim Be-, Verarbeiten und Verteilen von Gütern beschreibt. Der Disponent legt dabei Bestellmenge, Lieferort und Verkehrsträger fest, fordert Lieferavise nach VDA 4913 an und überwacht Wunsch-, bestätigte und tatsächliche Liefertermine. Drei Versorgungsmodelle dominieren die Praxis. Vorratsbeschaffung mit Sicherheitsbestand puffert Schwankungen ab und ist im Mittelstand seit 1985 Standard für [[c-teile]]. Just-in-Time hat Toyota in den 1970er Jahren etabliert und liefert das Material zeitsynchron an die Produktion, ohne Zwischenlager. Just-in-Sequence geht einen Schritt weiter und liefert in der genauen Verbaureihenfolge, wie sie bei Daimler Truck oder bei Audi in Ingolstadt für Sitze, Cockpits und Stoßfänger eingesetzt wird. Schnittstellen zur [[lieferantenfreigabe]], zur [[disposition]] und zum [[wareneingangspruefung]] sind organisatorisch fest verzahnt.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Maschinenbauer in Schwäbisch Hall mit 540 Mitarbeitenden bezieht Hydraulikzylinder von einem Lieferanten in Tschechien. Die Beschaffungslogistik definiert je Artikel die Beschaffungsart, vereinbart einen Wochen-Milkrun mit dem Spediteur und legt im SAP-System einen [[lieferabruf]] mit rollierender 12-Wochen-Vorschau an. Pro Tour werden 14 Paletten gebündelt, die Frachtkosten sinken dadurch von 1,80 Euro auf 1,15 Euro je Kilogramm. Das Werk reduziert den durchschnittlichen Bestand an Hydraulikkomponenten von 38 auf 21 Tage Reichweite, das gebundene Kapital fällt um rund 320.000 Euro. Sie verhandeln im Rahmenvertrag eine Liefertreuequote nach [[otif-on-time-in-full]] von 96 Prozent und koppeln Bonus-Malus-Regelungen an die Performance.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Häufigster Fehler ist die isolierte Optimierung des Einkaufspreises ohne Berücksichtigung der Logistikkosten. Wenn Sie einen Lieferanten in Asien wählen, der drei Cent pro Stück günstiger ist, aber Seefrachtkosten, Containerlaufzeiten von 42 Tagen und einen Sicherheitsbestand von acht Wochen erfordert, kippt die Total-Cost-Rechnung schnell ins Negative. Der zweite Fehler ist eine zu enge Kopplung an einen einzigen Verkehrsträger. Während der Rheinniedrigwasser-Phase 2018 mussten Chemiebetriebe in Ludwigshafen kurzfristig auf Schiene umstellen und zahlten 35 Prozent Aufpreis. In der Verhandlung sollten Sie die Beschaffungslogistik daher als eigenes Kostenelement führen, Frachtklauseln nach [[incoterms]] präzise zuordnen und einen Eskalationspfad für Kapazitätsengpässe vereinbaren.

Verwandte Begriffe

Direkt anschließend wirken [[distributionslogistik]] auf der Lieferantenseite und [[inbound-logistics]] im Wareneingang. Eng gekoppelt sind [[disposition]], [[lieferabruf]], [[milkrun]] sowie der Sonderfall [[just-in-time]]. Bei Engpässen greifen [[sicherheitsbestand]] und [[reorder-point-bestellpunkt]]. Methodisch flankiert wird die Beschaffungslogistik durch die [[abc-analyse]] und [[xyz-analyse]] zur Klassifizierung der Versorgungsstrategie.

Alle 1.460+ Begriffe als PDF

Das komplette Procari Einkaufslexikon — kostenlos per Email.

PDF anfordern →