Zum Inhalt springen
Procari Lexikon BMEcat
Einkaufslexikon

BMEcat

BMEcat

BMEcat ist ein offener XML-basierter Standard für den elektronischen Austausch von Produktkatalogen zwischen Lieferanten und Käufern. Der Standard wurde 1999 vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut IAO Stuttgart und der Universität Duisburg-Essen entwickelt und ist seit Version 2005 die dominante Spezifikation im deutschsprachigen B2B-Bereich.

Detaillierte Erklärung

BMEcat definiert ein XML-Schema, mit dem Lieferanten Artikelstammdaten, Preise, Mengeneinheiten, Klassifikationen, Mediendateien und logistische Informationen strukturiert in eine Katalogdatei verpacken. Käuferseitig importieren ERP-Systeme, Procurement-Plattformen und Marktplätze diese Datei in ihre eigenen Strukturen, ohne dass jeder Lieferant ein Custom-Mapping entwickeln muss. Die ursprüngliche Version BMEcat 1.2 erschien 2001, die heute übliche Version BMEcat 2005 brachte vier wesentliche Erweiterungen: dynamische Preiskomponenten (Staffelpreise, Zuschläge, Rabatte), erweiterte logistische Produktbeschreibungen, Multi-Lieferanten-Kataloge in einer Datei und konfigurierbare Produkte. Ein typischer Katalog umfasst die Header-Informationen (T_NEW_CATALOG-Block), die Lieferantenstammdaten (PARTY-Element), die Klassifizierung (CLASSIFICATION_SYSTEM) und beliebig viele Artikel (PRODUCT-Elemente) mit Preisdetails (PRODUCT_PRICE).

Eigentümer und Pflegerat ist der BME e.V. mit Sitz in Frankfurt. Die Spezifikation wird kostenlos unter cc-by-Lizenz auf bmecat.org bereitgestellt, was die breite Adoption getrieben hat. Praktisch jede deutsche E-Procurement-Plattform — SAP Ariba, Onventis, Mercateo, Simple System, Wucato — unterstützt BMEcat-Import und -Export nativ. Für die Klassifizierung der Artikel wird der BMEcat-Container regelmäßig mit eCl@ss, UNSPSC, ETIM oder proficl@ss kombiniert, da BMEcat selbst kein Klassifikationssystem ist, sondern nur den Container für Klassifikations-Referenzen bereitstellt. Die Pflege durch den BME wird durch eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Industrie, Handel und Software-Anbietern gesteuert; ein offizieller Nachfolger BMEcat 202x wurde mehrfach diskutiert, jedoch bislang nicht produktiv freigegeben — der XML-Standard in Version 2005 bleibt damit seit 20 Jahren stabiler De-facto-Standard für den deutschen Mittelstand.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Anlagenbauer mit 620 Mitarbeitenden integriert 2025 einen neuen C-Teile-Lieferanten für Norm- und Verbindungselemente mit 18.400 Artikeln und einem Jahresvolumen von 1,2 Millionen Euro. Der Lieferant liefert eine BMEcat-2005-Datei mit 245 MB, eCl@ss-14.0-Klassifizierung und Bildverlinkungen auf seinen CDN. Der Import in die Onventis-Plattform dauert 4 Stunden inklusive Validierung, gegenüber geschätzten 320 Personentagen für eine manuelle Erfassung. Nach Go-live laufen 96 Prozent der C-Teile-Bestellungen über den Katalog mit Punch-Out, Maverick-Buying-Quote im Bereich Schrauben und Dichtungen sinkt von 34 Prozent auf 4 Prozent. Quartalsweise liefert der Lieferant Delta-Updates mit Preisanpassungen, durchschnittlich 1.800 geänderte Artikel pro Update, vollautomatisch verarbeitet in 22 Minuten. Die jährlichen Pflegeaufwände auf Käuferseite sinken von zuvor 145 Stunden auf 18 Stunden.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Erster Fehler ist die Akzeptanz unvollständiger Kataloge — wenn Artikel ohne Mengeneinheit, ohne Mindestbestellmenge oder ohne korrekte UNSPSC-Klasse geliefert werden, scheitert die automatische Verarbeitung in der Beschaffungsplattform. Zweiter Fehler ist das Übersehen der Preisstruktur: BMEcat 2005 unterstützt komplexe Staffelpreise, viele Lieferanten reduzieren das aber auf einen Listenpreis ohne Rabattlogik, was den eigentlichen Hebel verschenkt. Dritter Fehler liegt in der Update-Frequenz: Quartalsweise Vollkataloge sind Branchenstandard, aber bei volatilen Rohstoffen (Stahl, Kupfer, Kunststoffe) reichen sie nicht — vertraglich sollte ein monatlicher Delta-Mechanismus mit klaren Eskalationsregeln bei Materialteuerungszuschlägen vereinbart werden.

Verwandte Begriffe

BMEcat ist das Datenformat hinter modernen [[e-procurement]]-Plattformen, wird typisch in Verbindung mit einer eCl@ss-basierten [[abc-analyse]] eingesetzt und liefert die Datenbasis für Volumenbündelung in einem [[rahmenvertrag]] mit C-Teile-Lieferanten.

Alle 1.460+ Begriffe als PDF

Das komplette Procari Einkaufslexikon — kostenlos per Email.

PDF anfordern →