CDP (Carbon Disclosure Project)
CDP (Carbon Disclosure Project)
CDP ist eine 2000 in London gegründete gemeinnützige Organisation, die ein standardisiertes Offenlegungssystem für Klima-, Wasser- und Waldrisiken von Unternehmen, Städten und Regionen betreibt. Investoren und Einkaufsabteilungen nutzen den jährlichen CDP-Score als Indikator für die Klimareife eines Lieferanten oder einer Investitionszielgesellschaft.
Detaillierte Erklärung
CDP wurde 2000 unter dem Namen Carbon Disclosure Project von Paul Dickinson, Tessa Tennant und weiteren Mitgründern in London ins Leben gerufen. Der Name wurde 2013 auf das bloße Akronym CDP verkürzt, weil das Themenfeld seitdem über CO2 hinaus auf Wasser, Wälder, biologische Vielfalt und Plastik ausgeweitet wurde. CDP arbeitet eng mit der Task Force on Climate-related Financial Disclosures, kurz TCFD, sowie der Science Based Targets initiative zusammen und richtet seine Fragebogen seit 2024 inhaltlich an den ISSB-Standards IFRS S1 und IFRS S2 aus.
Das jährliche Disclosure-Cycle umfasst drei Module: Climate Change, Water Security und Forests. Unternehmen reichen jedes Jahr zwischen April und Juli einen modulspezifischen Fragebogen ein, der Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen, Wasserentnahme, Entwaldungsrisiken in den Lieferketten von Soja, Palmöl, Holz und Rindfleisch sowie Governance- und Risikomanagement-Praktiken erfasst. Die Bewertung erfolgt durch akkreditierte Scoring-Partner und ergibt sich aus einem vierstufigen Modell: Disclosure Level mit Scores D oder D-Minus, Awareness Level mit Scores C oder C-Minus, Management Level mit Scores B oder B-Minus, Leadership Level mit Score A-Minus oder A. Wer den Fragebogen nicht beantwortet, erhält ein F.
Im Bewertungsjahr 2024 reichten über 22.700 Unternehmen Daten ein, davon erreichten 515 die A-Liste, was 2 Prozent entspricht. Aufgeschlüsselt erhielten 462 Unternehmen ein A im Klima-Modul, 133 im Wasser-Modul und 26 im Wald-Modul. CDP führte 2024 verbindliche Mindestkriterien auf den Stufen Awareness, Management und Leadership ein, was die Schwelle für den Eintritt in die A-Liste anhob.
Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)
Ein bayerischer Anlagenbauer mit 2.800 Beschäftigten und 720 Millionen Euro Umsatz erhält von einem großen US-Industriekunden die Aufforderung, am CDP Supply Chain Programm teilzunehmen. Der Einkauf bewertet die Teilnahme als Voraussetzung für die Verlängerung eines Rahmenvertrags über 38 Millionen US-Dollar pro Jahr. Im ersten Berichtszyklus erreicht das Unternehmen den Score C, weil zwar Scope-1-Emissionen von 14.200 Tonnen CO2-Äquivalent und Scope-2-Emissionen von 8.600 Tonnen vorliegen, jedoch keine Scope-3-Erfassung und kein wissenschaftlich fundiertes Klimaziel.
Im Folgejahr investiert das Unternehmen 180.000 Euro in eine Scope-3-Bilanzierung nach GHG-Protocol-Kategorien 1 bis 15 und reicht ein SBTi-validiertes Reduktionsziel von 42 Prozent absolut bis 2030 ein. Der Score steigt auf B, drei Jahre später auf A-Minus. Parallel reduziert sich die CO2-Intensität pro Maschinen-Tonne von 1,9 auf 1,3 Tonnen CO2-Äquivalent, was bei steigendem CO2-Preis von 85 auf prognostizierte 130 Euro pro Tonne in 2030 jährliche Kostenvorteile von 720.000 Euro gegenüber dem Stand 2024 sichert.
Typische Fehler & Verhandlungskontext
Ein verbreiteter Fehler ist die Annahme, ein hoher CDP-Score lasse sich kurzfristig durch ein gut formuliertes Statement erreichen. Das Scoring-Modell prüft Konsistenz zwischen Governance, Strategie, Risikomanagement, Zielen und Ergebnissen. Fehlt ein wissenschaftlich fundiertes Reduktionsziel, ist die A-Liste praktisch unerreichbar, unabhängig vom Marketing-Aufwand. Wer den Fragebogen vier Wochen vor Deadline beginnt, landet typischerweise bei C oder D.
Ein zweiter Fehler liegt im Umgang mit dem Non-Disclosure-F. Wer einen Fragebogen vom Kunden erhält und nicht antwortet, bekommt automatisch ein F, das öffentlich auf der CDP-Plattform sichtbar ist und in Lieferantenscorings einfließt. In Verhandlungen mit Investoren und Großkunden wird ein F häufig als roter Flag interpretiert, der zu Listing-Ausschlüssen oder Konditionsabschlägen führt. Verhandlungstaktisch lohnt sich die frühzeitige Teilnahme mit ehrlichem Disclosure-Score D, weil dieser den Lernpfad signalisiert und in der Folge nach oben skaliert.
Verwandte Begriffe
CDP-Daten fließen direkt in die Berichtspflichten nach [[csrd]] und in die Klimatransitionspflicht der [[csddd]] ein. Im Lieferantenmanagement ergänzt CDP das ESG-Rating von [[ecovadis]] um spezifische Klimakennzahlen und liefert Eingangsdaten für eine fundierte [[lieferantenbewertung]] mit Klimadimension.