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Procari Lexikon Cost Engineering
Einkaufslexikon

Cost Engineering

Cost Engineering

Cost Engineering ist die methodische Disziplin, in der spezialisierte Ingenieure oder Techniker im Einkauf Herstellkosten von Zukaufteilen kalkulatorisch nachbilden, hinterfragen und gestalten. Das Berufsbild des Cost Engineers ist beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) seit 2010 als eigenständige Rolle an der Schnittstelle zwischen Konstruktion, Produktion und Einkauf verankert. Laut BME-Studie Cost und Value Engineering 2024 werden bis zu 80 Prozent der Produktkosten in der Konzeptphase festgelegt.

Detaillierte Erklärung

Die frühe Einbindung des Cost Engineers über Early Supplier Involvement und Simultaneous Engineering ist deshalb entscheidend für die Hebelstärke der Methode. Cost Engineering verzahnt sich mit Target Costing, Value Engineering und dem Should-Cost-Modell. Die Toolbox des Cost Engineers umfasst fünf Kernmethoden: erstens die Clean-Sheet-Kalkulation (Bottom-up-Aufbau ab Rohmaterial), zweitens die erweiterte Cost-Breakdown-Analyse (Zerlegung des Angebotspreises), drittens das Linear Performance Pricing (Regression über Werttreiber), viertens die Werttreiberanalyse pro Warengruppe und fünftens den Werksbesuch mit Time-and-Motion-Studie nach REFA-Methodik.

Eingangsdaten kommen aus kommerziellen Datenbanken (Argus Media für Stahl, LME für NE-Metalle, MEPS für Coils) sowie internen Maschinenstundensatz-Bibliotheken. McKinsey beziffert in einem White-Paper von 2023 den Return on Investment einer Cost-Engineering-Funktion auf 5 bis 12 Prozent des betreuten Jahresvolumens, der BME-Benchmark 2024 nennt 6 bis 9 Prozent für den DACH-Mittelstand. Bosch, ABB und ZF Friedrichshafen betreiben eigene Cost-Engineering-Center mit 20 bis 80 Mitarbeitenden, der Mittelstand arbeitet mit 1 bis 3 Spezialisten oder externen Beratungen wie POLARIXPARTNER und h&z. Der typische Cost Engineer verdient laut StepStone-Gehaltsreport 2024 zwischen 75.000 und 110.000 EUR Jahresgehalt und realisiert 1 bis 3 Mio EUR Einsparung pro Jahr.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Mittelständler aus dem Werkzeugbau in Nordrhein-Westfalen mit 480 Mitarbeitenden und 92 Mio EUR Einkaufsvolumen stellt 2025 eine Cost-Engineerin ein, Jahresgehalt 88.000 EUR, Aufgabe: Reduktion der Materialkosten in den Top-15-A-Teilen mit kumuliertem Volumen 31 Mio EUR. Im ersten Quartal baut sie eine Cost-Library mit Maschinenstundensätzen für CNC-Drehen (95 EUR), CNC-Fräsen (102 EUR), Schleifen (118 EUR) und Härten (84 EUR) auf, ergänzt MEPS-Indizes für 1.4301, 1.4404 und 1.7225. Im zweiten Quartal modelliert sie Clean-Sheet-Werte für 9 A-Teile und identifiziert ein Toleranzweitungspotenzial bei 4 Teilen (DIN ISO 2768-mK auf -mH), Werkstoffsubstitution bei 3 Teilen (1.7225 statt 1.6582) und Verfahrenwechsel bei 2 Teilen (Tiefziehen statt Fräsen). Im Halbjahresreview liegt die kumulierte Einsparungspipeline bei 1,4 Mio EUR; realisiert nach 12 Monaten: 1,1 Mio EUR Hard Savings. Der Business-Case-ROI beträgt 12,5:1.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Der erste Fehler ist die isolierte Aufstellung des Cost Engineers ohne Konstruktions- und Produktionsanbindung. Wer den Cost Engineer rein im Einkauf platziert, ohne ihm Mitspracherecht in Designreviews und Materialfreigaben zu geben, beschneidet 80 Prozent des Hebels. Verankern Sie ihn als ständiges Mitglied im Cross-funktionalen Engineering-Review.

Der zweite Fehler ist die fehlende Cost-Library mit eigenen Daten. Wer ausschließlich mit externen Datenbanken arbeitet, übernimmt deren Annahmen unkritisch. Bauen Sie eine eigene Bibliothek mit Maschinenstundensätzen, Lohnkosten und Energiekosten Ihrer Hauptlieferländer auf; Pflegeaufwand 8 bis 16 Stunden pro Quartal pro Hauptwarengruppe.

Der dritte Verhandlungsfehler ist die Verwendung von Cost-Engineering-Werten als Druckmittel statt als Dialoginstrument. Lieferanten reagieren mit Defensivverhalten oder Auftragsablehnung, wenn die Should-Cost-Werte als nicht verhandelbare Untergrenze präsentiert werden. Strukturieren Sie das Gespräch als gemeinsame Optimierungsanalyse mit Hebelvorschlägen pro Aststufe.

Verwandte Begriffe

Cost Engineering speist Daten in den [[total-cost-tree]], operationalisiert das [[should-cost-modell]] und liefert die Faktenbasis für [[target-costing]] in der Produktentwicklung.

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