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Procari Lexikon Coverage Rate (Einkauf)
Einkaufslexikon

Coverage Rate (Einkauf)

Coverage Rate (Einkauf)

Die Coverage Rate im Einkauf, im deutschen Bestandsmanagement oft Lagerreichweite genannt, beschreibt das Verhältnis von verfügbarem Bestand zum erwarteten Bedarf einer Periode und wird typischerweise in Wochen oder Tagen ausgedrückt. Sie ist die zentrale Steuergröße zwischen Disposition und Einkauf, weil sie zeigt, wie lange der aktuelle Lagerstand bei durchschnittlichem oder geplantem Verbrauch reicht. Die Kennzahl folgt der Definition nach DIN 30771-1 (Logistikkennzahlen) und wird in der BME-Studie "Top-Kennzahlen im Einkauf 2024" als Effizienzindikator für die Bestandssteuerung geführt.

Detaillierte Erklärung

Die Formel lautet: durchschnittlicher Bestand geteilt durch durchschnittlichen Periodenverbrauch, multipliziert mit der Periodendauer. Wird die Berechnung auf Stückbasis durchgeführt, ersetzen Lagermenge und Verbrauchsmenge die Geldwerte. Reife Disponenten differenzieren die Reichweite nach ABC-XYZ-Klassen: A-Teile mit hohem Wert und stabilem Verbrauch (X) werden auf 1 bis 3 Wochen gesteuert, C-Teile mit niedrigem Wert und schwankendem Bedarf (Z) bewusst auf 8 bis 12 Wochen, um Sicherheits- und Bestellkosten zu balancieren. Branchentypische Mittelwerte im DACH-Maschinenbau liegen zwischen 4 und 12 Wochen, wobei The Hackett Group 2024 für World-Class-Operations einen Median von 4,2 Wochen ausweist und Peer-Werte von 8,7 Wochen meldet. Eine zu niedrige Reichweite (unter 1 Woche) erhöht die Stockout-Wahrscheinlichkeit und damit Eilfracht- und Stillstandskosten; eine zu hohe Reichweite (über 16 Wochen) bindet Working Capital und treibt die Lagerhaltungskosten, die nach BVL-Logistikstudie 2024 bei rund 18 bis 25 Prozent des Bestandswertes pro Jahr liegen.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein DACH-Werkzeugbauer aus Thüringen mit 240 Mitarbeitern hält 48.000 Euro Bestand einer Stahllegierung; der Wochenverbrauch liegt bei 8.000 Euro. Die Coverage Rate beträgt damit 6 Wochen, also 42 Tage. Der Disponent prüft im Februar 2026 die Klassifizierung: Es handelt sich um ein A-X-Teil (hoher Wert, stabiler Verbrauch). Die Zielreichweite für diese Klasse liegt nach interner Richtlinie bei 2 Wochen. Maßnahmen: Wechsel auf 14-tägige Lieferabrufe, Sicherheitsbestand 3 Tage, Konsi-Lager-Vereinbarung mit dem Stahlhändler über 60 Prozent des Volumens. Ergebnis: Coverage Rate 1,8 Wochen, Bestand 14.400 Euro, freigesetztes Working Capital 33.600 Euro für ein einziges Material. Bei 18 ähnlich klassifizierten A-X-Materialien skaliert der Effekt auf rund 580.000 Euro.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Drei Fehler dominieren. Erstens wird die Coverage Rate ohne ABC-XYZ-Differenzierung gemessen: Ein konzernweiter Mittelwert von 5 Wochen verdeckt, dass A-Teile bei 8 Wochen und C-Teile bei 2 Wochen liegen — also exakt die falsche Steuerung. Zweitens werden Sicherheitsbestände in die Reichweite eingerechnet, was den Wirkbestand künstlich vergrößert und Bestellpunkte verschiebt. Drittens fehlt die Verknüpfung mit der Forecast Accuracy: Wer nicht weiß, wie verlässlich die Verbrauchsprognose ist, kann keine sinnvolle Reichweite definieren. Im Verhandlungskontext mit Lieferanten gilt: Ein Konsi-Lager- oder Vendor-Managed-Inventory-Modell verschiebt Coverage Rate aus der eigenen Bilanz, ohne die operative Verfügbarkeit zu reduzieren — vorausgesetzt, die Vertragsklauseln zu Mindestabnahme und Bestandsobergrenze sind sauber.

Verwandte Begriffe

Bestandsseitige Schwester von [[lagerumschlagshaeufigkeit]] und [[dio-days-inventory-outstanding]]; differenziert nach [[abc-analyse]] und [[xyz-analyse]]. Operative Hebel sind [[sicherheitsbestand]], [[vendor-managed-inventory]] und [[forecast-accuracy]] mit Wirkung auf [[working-capital]].

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