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Procari Lexikon Demurrage
Einkaufslexikon

Demurrage

Demurrage

Wer einen Container im Hafen länger stehen lässt als die vereinbarte Liegezeit erlaubt, zahlt Demurrage — ein Standgeld der Reederei, das pro Container und Tag schnell dreistellige Beträge erreicht und bei längeren Verzögerungen ein Vielfaches der ursprünglichen Frachtkosten ausmachen kann. Es ist eine der häufigsten und teuersten Reibungspositionen in der Importabwicklung und wird im Einkaufscontrolling oft erst dann sichtbar, wenn die Spediteursrechnung bereits gebucht ist.

Detaillierte Erklärung

Demurrage bezeichnet im Containergeschäft das Liegegeld, das eine Reederei für Container berechnet, die nach Ablauf der vertraglich gewährten Free Days noch im Hafenterminal des Bestimmungshafens verbleiben. Free Days sind die kostenfrei nutzbaren Tage zwischen Containerentladung vom Schiff und Abholung durch den Empfänger; im Standardtarif gewähren Reedereien wie Maersk, MSC, CMA CGM und Hapag-Lloyd typischerweise 4 bis 7 Free Days, in Großkundenverträgen verhandelbar auf bis zu 14 Tage. Nach Ablauf greift ein gestaffelter Tarif: Tag 1 bis 3 typischerweise 100 bis 150 USD pro Container und Tag, Tag 4 bis 7 etwa 200 USD, ab Tag 8 häufig 300 USD oder mehr — bei einem 40-Fuß-High-Cube können sich die Kosten innerhalb einer Woche auf vierstellige Beträge addieren. Rechtlich basiert Demurrage auf der Liegezeitenklausel des Seefrachtvertrags, der durch das Bill of Lading dokumentiert ist; im deutschen Recht greifen ergänzend die §§ 535 ff. HGB sowie die ADSp 2017. Demurrage ist scharf abzugrenzen von Detention: Demurrage gilt für die Zeit im Hafenterminal, Detention für die Zeit, in der ein Container nach Auslieferung beim Empfänger noch nicht zur Reederei zurückgekehrt ist. Manche Reedereien fassen beide Positionen unter "Combined Free Time" zusammen, was die Verhandlungsposition des Einkäufers schwächt. Treiber der Demurrage sind verspätete Zollabwicklung, fehlende Originaldokumente, fehlerhafte oder unvollständige Lieferpapiere, lokale Streiks im Hafen sowie unterbesetzte Empfangslager. Das Statistische Bundesamt registrierte 2024 in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven einen Containerumschlag von rund 13,7 Millionen TEU, wobei nach Hafenangaben rund 4 Prozent aller Importcontainer Demurrage-Kosten verursachten.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein mittelständischer Maschinenbauer aus Nordrhein-Westfalen importiert vier 40-Fuß-Container mit Schweißkonstruktionen aus Qingdao zu einem Warenwert von 268.000 EUR, Frachtkosten Hapag-Lloyd 11.200 USD, Free Days laut Tarif 6 Tage am Bestimmungshafen Hamburg. Das Schiff entlädt am Montag den 5. Mai, die Free-Day-Frist endet damit am Sonntag den 11. Mai. Der Importeur hat das Bill of Lading am 7. Mai erhalten, der beauftragte Spediteur startet die Zollanmeldung am 8. Mai — wegen einer fehlenden ATLAS-Konformitätsbescheinigung läuft die Anmeldung erst am 14. Mai durch, die Container werden am 15. Mai abgeholt. Demurrage greift somit für 4 Tage: Tag 1 bis 3 bei 110 USD pro Tag und Container ergibt 4 Container mal 3 Tage mal 110 USD also 1.320 USD; Tag 4 bei 200 USD pro Tag und Container ergibt 800 USD. Gesamtdemurrage 2.120 USD entsprechend rund 1.962 EUR. Auf den ursprünglichen Frachtkostenanteil pro Container von 2.800 USD ist das ein Aufschlag von 19 Prozent, der vollständig zulasten des Käufers geht — Vermeidungskosten für eine schnelle Dokumentenbearbeitung wären Bruchteile davon gewesen.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Drei Fehler dominieren. Erstens: Free-Day-Frist nicht im internen Kalender hinterlegt — wer die Frist nicht kennt, plant Zollabwicklung und Abholung ohne Puffer und läuft regelmäßig in Demurrage. Zweitens: Verspätete Bill-of-Lading-Übergabe durch den Lieferanten — bei FOB- oder CIF-Geschäften bekommt der Käufer das B/L oft erst nach Verschiffung, ein Telex Release oder Express-Kurier ist Pflicht. Drittens: Combined Free Time akzeptiert ohne Verhandlung — die Reederei profitiert von der Bündelung, der Käufer verliert Pufferzeit. In Verhandlungen mit Reedereien sind ab einem Volumen von 200 bis 300 TEU pro Jahr 10 bis 14 Free Days realistisch; das verlängerte Free-Time-Fenster amortisiert sich schon bei 2 bis 3 vermiedenen Demurrage-Tagen. Wichtig auch: Auf Combined Free Time verzichten und Demurrage und Detention separat ausweisen lassen, sonst ist die Tarifstruktur für den Einkäufer kaum auditierbar.

Verwandte Begriffe

Demurrage hängt eng mit [[detention]] zusammen — beides sind Standgeld-Positionen, die durch saubere Dokumentenabwicklung über das [[bill-of-lading]] vermeidbar sind. Die Wahl der Incoterm-Klausel — etwa [[incoterm-cif]] oder [[incoterm-dap]] — bestimmt, ob Demurrage am Bestimmungshafen den Käufer oder den Verkäufer trifft. Demurrage-Risiken gehören in jede [[total-cost-of-ownership]]-Betrachtung von Importsendungen und sollten Bestandteil der [[carrier-performance]]-Bewertung sein.

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