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Procari Lexikon Einheiten- und Währungsstammdaten
Einkaufslexikon

Einheiten- und Währungsstammdaten

Einheiten- und Währungsstammdaten

Die Einheiten- und Währungsstammdaten sind die zentralen Referenzdaten für jede Menge und jeden Geldbetrag im ERP. Im Einkauf der DACH-Region steuern Einheiten- und Währungsstammdaten Bestellmengen, Preisrechnungen, Frachtkalkulation und Konsolidierung — und entscheiden darüber, ob "1.000 m" als Meter oder Millimeter im Vertrag landet.

Detaillierte Erklärung

Einheiten- und Währungsstammdaten umfassen zwei zusammenhängende Datendomänen: Mengeneinheiten (Units of Measure, UoM) und Währungen mit ihren Umrechnungsbeziehungen. In SAP S/4HANA liegen sie in den Tabellen T006 (Mengeneinheiten), TCURC (Währungen), TCURR (Wechselkurse) und TCURF (Umrechnungsfaktoren).

Mengeneinheiten orientieren sich am internationalen Einheitensystem SI und an der Norm ISO 80000. Klassische Basisgrößen sind Länge (m), Masse (kg), Zeit (s), Temperatur (K), Stoffmenge (mol). Im Einkauf häufig: ST (Stück), KG, G, T (Tonne), L (Liter), M, MM, M2 (Quadratmeter), M3, PAL (Palette), KAR (Karton), ROL (Rolle), PAA (Paar). Jede Einheit hat einen ISO-Code (z. B. KGM für Kilogramm nach UN/CEFACT Recommendation 20), eine technische Kurzform und einen Anzeigetext.

Entscheidend sind die Umrechnungsbeziehungen. Beispiel: Ein Materialstammsatz für Schmierfett kann definieren, dass 1 KAR = 12 ST = 6 KG. Damit kann der Einkauf in KAR bestellen, das Lager bucht ST, das Controlling rechnet auf KG für [[c-teile]]-Analysen. Falsche oder fehlende Umrechnungen führen zu Bestandsdifferenzen, falschen Bestellmengen und fehlerhaften ABC-Auswertungen.

Währungsstammdaten folgen ISO 4217. Jede Währung hat einen dreistelligen Code (EUR, USD, CHF, GBP, CNY, PLN), eine Dezimalstellenzahl (EUR: 2, JPY: 0, BHD: 3) und eine Bezeichnung. Wechselkurse werden in TCURR pro Datum hinterlegt — typischerweise mit Kurstyp M (Mittelkurs für Buchhaltung), B (Bankkurs für Verkauf) und G (Geld für Einkauf). Umrechnungsfaktoren in TCURF regeln Sondereinheiten wie 100 JPY oder 1.000 KRW.

Für den Einkauf relevant sind drei Anwendungen: Erstens die Bestellpreisrechnung — eine Bestellung in USD wird beim Eingangsbuchen mit dem Tageskurs in EUR bewertet, was bei volatilen Märkten zu Bewertungsdifferenzen führt (siehe [[waehrungsrisiko]]). Zweitens die Konsolidierung von Lieferantenausgaben über Länder hinweg, was nur funktioniert, wenn jede Buchung sauber in eine Berichtswährung umgerechnet wird. Drittens die Fakturenprüfung — Mengen- und Preiseinheit müssen zwischen Bestellung, Lieferschein und Rechnung exakt übereinstimmen, sonst blockiert das System die Zahlung.

Pflege erfolgt zentral durch das [[stammdatenmanagement-mdm]]: Neue Einheiten werden nur durch ein Stammdaten-Team angelegt, Wechselkurse werden täglich automatisch aus EZB-Referenzfeed oder Reuters/Bloomberg gezogen.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein bayerischer Anlagenbauer (140 Mitarbeiter) bestellt Edelstahlbleche bei einem polnischen Lieferanten. Angebot: 4,80 PLN pro Kilogramm, Mindestabnahme 2 Tonnen, Lieferung in 8-Tonnen-Lkw. Der Einkäufer trägt im SAP die Bestellung ein: Material EDS-1.4404-3MM, Menge 8.000 KG, Preis 4,80 PLN/KG, Lieferant POLSTAL Sp. z o.o.

Beim Speichern meldet das System: "Mengeneinheit T zwischen Materialstamm und Bestellung weicht ab." Im Materialstamm ist die Basismengeneinheit T (Tonne) hinterlegt, das Angebot rechnet aber in KG. Lösung: Die Umrechnung 1 T = 1.000 KG ist im Mengenumrechnungssatz aktiv, das System rechnet automatisch 8.000 KG in 8 T um. Der Bestellpreis wird intern mit 4.800 PLN/T gespeichert, im Druck steht 4,80 PLN/KG — beides korrekt.

Beim Wareneingang scannt der Lagermitarbeiter die Lieferpapiere: 8,012 T (durch Wiegen ermittelt). Das System erlaubt eine Eingangstoleranz von 1 % (in den Stammdaten konfiguriert), die [[wareneingangspruefung]] geht durch.

Drei Wochen später kommt die Faktura: 38.457,60 PLN. Bewertung in EUR zum Buchungstag: Tageskurs M (EZB-Mittel) 4,29 PLN/EUR, ergibt 8.964,48 EUR. Im Originalbeleg der Bestellung war der Kurs 4,33 PLN/EUR — das ergibt eine Bewertungsdifferenz von etwa 83 EUR, die im Controlling als Kursgewinn ausgewiesen wird. Über das Jahr akkumuliert summieren sich solche Differenzen bei einem PLN-Volumen von 2,1 Mio. EUR auf etwa 35.000 EUR Schwankung — Größenordnung, die ein Devisentermingeschäft rechtfertigt.

Dass das Beispiel sauber durchläuft, hängt komplett an der Stammdatenpflege: Mengenumrechnung T/KG aktiv, ISO-4217-Code PLN korrekt, Tageskurse EZB-Feed automatisch eingespielt, Toleranzen am Materialstamm gesetzt.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Erster Fehler: Mengeneinheiten werden lokal angelegt (Spitze: ein Anlagenbauer mit 47 Varianten von "Stück" — ST, ST., STK, STUE, PIECE, EACH, PCS …). Die [[klassifizierungsquote]] sinkt, automatische Konsolidierungen scheitern, Reports zeigen widersprüchliche Werte. Zentrale Stammdatenhoheit + ein einziger Mengeneinheiten-Katalog mit ISO-Code-Pflicht ist die einzige saubere Lösung.

Zweiter Fehler: Preiseinheit (z. B. "Preis pro 100 Stück") wird mit Mengeneinheit verwechselt. Bestellt der Einkäufer 5.000 Schrauben zum Angebotspreis "12,50 EUR per 100 ST", aber im SAP wird Preiseinheit 1 verwendet, ergibt das 62.500 EUR statt 625 EUR. Solche Fehler werden oft erst beim Rechnungseingang sichtbar — und führen zu peinlichen Rückrufen beim Lieferanten.

Dritter Fehler: Wechselkurse werden manuell gepflegt und veralten. Wer am 15. eines Monats den Stand vom 1. nutzt, hat bei Volatilität von 2 bis 4 % eine systematische Bewertungsverzerrung. Automatischer EZB-Feed (täglich, 16:00 Uhr) ist kostenlos und Standard.

Vierter Fehler: Sonderwährungen (Bahrain-Dinar mit 3 Dezimalstellen, Tunesischer Dinar) werden in Stammdaten mit 2 Dezimalstellen geführt. Beträge werden gerundet, Rechnungsdifferenzen entstehen. Bei seltener genutzten Währungen lohnt der Blick auf ISO 4217 Anhang A.

Verhandlungskontext: Eine sauber definierte Preiseinheit ist ein Verhandlungshebel. Wer einen Lieferanten von "Preis pro 100 ST" zu "Preis pro Karton (50 ST)" bringt, gewinnt Übersicht beim Rechnungsabgleich und reduziert Aufwand bei Bestellanpassungen. Bei [[zahlungsbedingungen]] in Fremdwährung lohnt eine Klausel "Umrechnungskurs am Tag der Zahlung, EZB-Mittel" — das nimmt Streit über Wertstellungstage und Kursquellen vom Tisch.

Verwandte Begriffe

  • [[stammdatenmanagement-mdm]]
  • [[klassifizierungsquote]]
  • [[waehrungsrisiko]]
  • [[wareneingangspruefung]]
  • [[zahlungsbedingungen]]

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