Energierohstoffe
Energierohstoffe
Energierohstoffe sind Strom, Erdgas, Erdöl, Kohle und zunehmend Wasserstoff, die ein Industriebetrieb in der DACH-Region für Wärme, Prozessdampf, Druckluft, Strom und Mobilität einkauft. Sie handeln diese Rohstoffe über die European Energy Exchange in Leipzig, die Title Transfer Facility in den Niederlanden, die ICE Futures Europe in London und über bilaterale Lieferverträge.
Detaillierte Erklärung
Die EEX in Leipzig betreibt mit ihrer Tochter EPEX Spot den Spotmarkt und mit dem Terminmarktsegment Phelix-DE die Future-Notierung für deutschen Strom. Der Jahresdurchschnitt der EPEX-Spot-Base-Notierung lag 2024 bei 79,6 Euro je Megawattstunde und stieg 2025 um rund 16 Prozent auf 89,3 Euro je Megawattstunde. Der Terminmarkt Phelix-DE-Base 2026 wird in einem Korridor von rund 80 bis 95 Euro je Megawattstunde gehandelt. Erdgas wird in Europa über den TTF-Hub in Rotterdam gepreist, die Spitzen von über 300 Euro je Megawattstunde im August 2022 nach dem Lieferstopp aus Russland wichen einer Normalisierung, die Notierung 2026 liegt im Korridor von 32 bis 34 Euro je Megawattstunde. Erdöl wird über die Sorten Brent in London und West Texas Intermediate in New York gepreist, Brent-Crude lag 2024 und 2025 in einer breiten Spanne von 65 bis 92 USD je Barrel.
Die EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien wurde zum 1. Juli 2022 auf null gesenkt und zum 1. Januar 2023 vollständig abgeschafft, eine Entlastung von rund 3,7 Cent je Kilowattstunde, die jedoch durch die Großhandelspreissprünge nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine überkompensiert wurde. Industriekunden zahlen weiterhin Netzentgelte, die Konzessionsabgabe, die Stromsteuer von 1,537 Cent je Kilowattstunde und die Offshore-Netzumlage. Die Strompreisbremse nach dem Strompreisbremsegesetz vom 24. Dezember 2022 lief bis Ende 2023, ab 2024 zahlen Industriekunden wieder Marktpreise. Methodisch greifen die DIN EN ISO 50001:2018 zum Energiemanagementsystem und das Energiedienstleistungsgesetz EDL-G, das Großunternehmen ein vierjähriges Energieaudit nach DIN EN 16247-1 vorschreibt.
Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)
Ein Galvanikbetrieb mit 145 Mitarbeitenden in Sachsen verbraucht 2025 jährlich 18,5 Gigawattstunden Strom und 4,2 Gigawattstunden Erdgas. Der Einkauf strukturiert die Strombeschaffung als Tranchenmodell beim Energieversorger Vattenfall mit drei Kauftranchen über je 33 Prozent zu unterschiedlichen Forward-Stichtagen, gekoppelt an Phelix-DE-Base-Notierungen plus 2,4 Euro je Megawattstunde Vertriebsmarge. Bei einem Schnitt von 84 Euro je Megawattstunde liegt der Stromaufwand bei 1,55 Millionen Euro plus 312.000 Euro Netzentgelte plus 284.000 Euro Stromsteuer. Erdgas läuft über einen Vollversorgervertrag mit halbjährlicher Anpassung an den TTF-Front-Month-Index plus 3,8 Euro je Megawattstunde, jährlich 168.000 Euro. Eine 320-Kilowatt-PV-Anlage auf dem Hallendach deckt rund 8 Prozent des Strombedarfs und reduziert den Bezug. Das Energieaudit nach DIN EN 16247-1 wird alle vier Jahre durch einen externen Auditor durchgeführt, jährliche Audit-Aufwendungen liegen bei 12.500 Euro.
Typische Fehler & Verhandlungskontext
Häufigster Fehler ist der Vollversorgervertrag mit jährlicher Festpreisbindung in einem volatilen Marktumfeld, der den Einkauf von der Marktentwicklung abkoppelt und beim Eintritt einer Tiefphase wie im Frühsommer 2024 zu Margenverlusten führt. Ein zweiter Fehler ist die fehlende Trennung zwischen Energiebeschaffung und Netzentgelten in der Vertragsanalyse, sodass Tarifänderungen der Bundesnetzagentur durchschlagen, ohne dass der Einkauf reagiert. In Verhandlungen lohnt sich ein Tranchenmodell mit drei oder vier Kaufmomenten pro Jahr, eine Spitzenkappung über kurzfristige Day-Ahead-Steuerung der Lastprofile, eine Herkunftsnachweis-Lieferung nach §79 EEG für die Bilanz nach Greenhouse Gas Protocol und ein Reklamationsmechanismus für falsch abgerechnete Mehrmindermengen mit fester 14-Tage-Korrekturfrist. Power-Purchase-Agreements direkt mit Wind- oder Solarparks ab fünf Megawatt Leistung sind seit 2024 für mittelständische Industrie verfügbar.
Verwandte Begriffe
Energierohstoffe verzahnen sich eng mit dem [[commodity-hedging]], dem [[spotmarkt]], dem [[terminmarkt]] und den [[futures-einkauf]]-Geschäften. Methodisch nahe stehen die [[indexkopplung-rohstoffe]] und die [[materialsubstitution]]. Strategisch relevant sind der [[stahl-einkauf]], der [[aluminium-einkauf]] und der [[kupfer-einkauf]] für die Gesamtkostenposition energieintensiver Industrien. Verwandt sind [[edelmetalle-einkauf]], [[technische-kunststoffe]] und [[kritische-rohstoffe]].