Futures
Futures
Futures sind standardisierte, boersengehandelte Terminkontrakte, die Kaeufern und Verkaeufeern verpflichten, einen definierten Rohstoff zu einem festgelegten Preis und Zeitpunkt zu liefern bzw. abzunehmen. Fuer industrielle Einkaefer in DACH-Fertigungsunternehmen sind Futures das wichtigste Instrument, um Rohstoffpreisrisiken quantifizierbar und absicherbar zu machen — bevor der Lieferant sie in der Klausel versteckt.
Detaillierte Erklärung
Ein Future-Kontrakt legt vier Parameter verbindlich fest: Basiswert (z.B. Kupfer Grad A), Menge (z.B. 25 Tonnen je LME-Kontrakt), Lieferzeitpunkt (z.B. 3 Monate forward) und Preis (der zum Abschluss geltende Terminkurs). Im Gegensatz zu [[optionen]] besteht bei Futures fuer beide Vertragsparteien eine Erfuellungspflicht — keine Wahlmoeglichkeit.
Arten von Futures im Rohstoffeinkauf:
- Rohstoff-Futures (Commodity Futures): Kupfer, Aluminium, Zink, Nickel (LME), Erdgas (ICE/TTF), Stahl-Schrott (CME), Weizen, Mais (CBOT), Baumwolle, Kautschuk.
- Finanz-Futures: Zins-Futures (Euribor-Future, Bund-Future), Devisen-Futures (EUR/USD, EUR/CHF) — relevant fuer Einkaefer mit USD-denominierter Rohstoffbeschaffung.
- Index-Futures: Auf [[rohstoffindex]]-Produkte (GSCI, Bloomberg Commodity Index).
Settlement: Futures laufen entweder auf physische Lieferung (LME-Kupfer, CBOT-Weizen) oder Barausgleich (Cash Settlement, z.B. viele Stahl-Index-Futures). Bei physischer Lieferung erhalt der Long-Halter die Ware; bei Barausgleich wird die Differenz zwischen Kontrakt- und Settlementpreis in EUR/USD ausgezahlt.
Margin-System: Die Boerse verlangt von beiden Parteien eine Sicherheitsleistung (Initial Margin), typischerweise 5-15 % des Kontraktwertes. Taeglich werden Gewinne und Verluste sofort verrechnet (Variation Margin / Mark-to-Market). Faellt der Kurs, muss der Long-Halter Nachschuss leisten — ein Liquiditaetsrisiko, das Einkaefer einkalkulieren muessen.
Rechtlicher Rahmen (DACH): Der Handel mit Rohstoff-Futures durch Nichtfinanzunternehmen unterliegt in Deutschland dem WpHG §2 Abs. 2 (Definition Finanzinstrumente) sowie bei Ueberschreiten von EMIR-Clearing-Schwellen (VO 648/2012 Art. 10) der zentralen Clearing-Pflicht ueber eine CCP. Unternehmen muessen pruefen, ob sie als Nichtfinanz-Gegenpartei (NFC) oder NFC+ einzustufen sind. Buchhalterisch gilt fuer absicherungswirksame Futures IFRS 9 / IAS 39 Hedge Accounting, im HGB-Abschluss §340e fair value.
Terminkurve (Forward Curve): Die Gesamtheit aller handelbaren Futures-Laufzeiten ergibt die Terminkurve. Contango (Terminpreis > Kassapreis) signalisiert Lagerkosten und Normalmarkt; Backwardation (Terminpreis < Kassapreis) signalisiert physische Knappheit. Die Kurvenform ist ein wichtiges Signal fuer den Einkaufszeitpunkt.
Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)
Ein Nuernberger Automobilzulieferer verarbeitet jaehrlich 1.200 Tonnen Aluminium-Knetlegierungen. Der Einkaefer beobachtet im Januar 2026, dass der LME-Aluminium-3-Monats-Future bei 2.580 USD/t notiert — 8 % ueber dem Jahresschnitt 2025. Analysten erwarten steigende Energiepreise in Europa (Aluminium-Schmelzen sind energieintensiv), was weitere Preissteigerungen wahrscheinlich macht.
Vorgehen: Der Einkaefer hedgt 50 % des Q2-Bedarfs (300 t = 12 LME-Kontrakte a 25 t) per Kauf von 12 LME-Aluminium-April-Futures zu 2.580 USD/t. Die Initial Margin betraegt ca. 3.500 USD je Kontrakt = 42.000 USD gesamt.
Ergebnis April 2026: LME-Aluminium steht bei 2.820 USD/t. Der Future-Gewinn (240 USD/t × 300 t = 72.000 USD) kompensiert den hoeheren physischen Einkaufspreis beim Lieferanten. Ohne Absicherung haette der ungeplante Mehraufwand 64.800 EUR (Kurs 1,11) das Quartalsbudget belastet.
Typische Fehler & Verhandlungskontext
Fehler 1 — Basis-Risiko unterschaetzen: Der Future-Preis (LME Aluminium Standard) und der tatsaechliche Einkaufspreis beim Lieferanten (z.B. EN AW-6082 Strangpressprofile) divergieren durch Qualitaetspremiums und regionale Aufschlaege. Die Absicherung ist nie 100 % — das verbleibende Basisrisiko muss quantifiziert werden.
Fehler 2 — Margin-Calls nicht einkalkulieren: Steigt der Aluminiumpreis nach Kauf der Short-Futures (fuer einen Verkaeuferseitigen Hedge), entstehen taegliche Margin-Calls. Unternehmen ohne ausreichende Liquiditaetsreserven muessen Positionen vorzeitig schliessen — zum schlechtesten Zeitpunkt.
Fehler 3 — Futures mit Forwards verwechseln: OTC-Forwards (bilateral mit einer Bank vereinbart) sind flexibler (Losgröße, Lieferdatum) aber nicht boersengehandelt, nicht gecleart, und unterliegen vollem Kontrahentenrisiko. Futures sind standardisiert, CCP-gecleart (EMIR-konform), aber unflexibel in der Menge.
Verhandlungskontext: Wenn ein Lieferant eine [[preisgleitklausel]] anbietet, die an LME-Futures-Kurse gebunden ist, sollte der Einkaefer genau pruefen, welcher Futures-Kontrakt (Kassapreis? 3-Monats-Forward? Monatsdurchschnitt?) als Referenz gilt. Unterschiede koennen den effektiven Einkaufspreis um 2-4 % verschieben.
Verwandte Begriffe
- [[lme]] — LME London Metal Exchange als wichtigste Futures-Boerse fuer Metalle
- [[optionen]] — Wahlrecht statt Pflicht, Alternative zu Futures
- [[hedging]] — Absicherungsstrategie mit Futures als Instrument
- [[preisabsicherung]] — Gesamtvorgehen fuer Einkaefer
- [[rohstoffpreisvolatilitaet]] — Warum Futures notwendig sind
- [[indexkopplung]] — Vertragliche Bindung an Futures-Referenzkurse
- [[preisgleitklausel]] — Klausel mit Futures-Preisbezug
- [[waehrungsrisiko]] — USD-EUR bei Rohstoff-Futures
- [[risikomanagement]] — Einordnung von Futures im Gesamtrisikomanagement