Futures (Rohstoffe im Einkauf)
Futures (Rohstoffe im Einkauf)
Futures sind standardisierte, börsengehandelte Terminkontrakte über die Lieferung einer festgelegten Menge eines Rohstoffs zu einem festgelegten Termin und einem heute fixierten Preis, gecleart über eine zentrale Gegenpartei. Sie nutzen Futures im industriellen Einkauf nicht zur Spekulation, sondern zur Absicherung Ihrer Materialkosten gegen die Volatilität von LME-Cash, CME oder ICE-Brent.
Detaillierte Erklärung
Futures unterscheiden sich vom OTC-Forward in vier Punkten: Sie sind standardisiert in Menge und Qualität, sie werden an einer Börse gehandelt, sie werden täglich nach dem Mark-to-Market-Prinzip neu bewertet, und sie eliminieren das Counterparty-Risiko durch ein zentrales Clearinghaus. Die wichtigsten Industrieplätze für den DACH-Einkäufer sind die London Metal Exchange (LME) für NE-Metalle, die CME Group (Chicago) für Stahl, Energie und Agrarrohstoffe, die ICE (London) für Brent und EU-CO2 sowie die Eurex (Frankfurt) für Energie- und Strom-Futures. An der LME wurden 2025 im Tagesdurchschnitt über 170.000 LME-Copper-Lots und mehr als 268.000 LME-Aluminium-Lots gehandelt, der jährliche Notional übersteigt 15 Billionen USD über alle Metalle.
Standardkontraktgrößen sind kontraktbestimmend: LME Kupfer 25 Tonnen je Lot, LME Aluminium 25 Tonnen, LME Zink 25 Tonnen, LME Nickel 6 Tonnen, CME HRC Stahl 20 short tons (rund 18,1 Tonnen), CME Light Sweet Crude 1.000 Barrel, ICE Brent 1.000 Barrel, Eurex Phelix-DE Strom 1 MW Base. Die LME hat 2024/2025 die historische Span-Margining-Methodik durch ein VaR-basiertes Modell ersetzt, das im Mittel etwa 8 bis 12 Prozent Initial Margin auf den Kontraktwert verlangt; bei einem Kupfer-Kontrakt von rund 230.000 USD sind das etwa 20.000 USD je Lot. Variation Margin wird täglich nach Schlusskurs gegen das Marginkonto verrechnet, ein 2-Prozent-Tagesverlust auf 50 Lots erzeugt also rund 230.000 USD Cash-Abfluss am nächsten Werktag. Regulatorisch greifen MiFID II/MiFIR und EMIR, im Hedge Accounting IFRS 9.
Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)
Ein Pumpenhersteller aus Baden-Württemberg mit 920 Mitarbeitenden plant für 2026 einen Aluminium-Bedarf von 1.840 Tonnen für Gussgehäuse zu einem Auftragsvolumen von 23,4 Millionen Euro. Das Treasury entscheidet im Dezember 2025 eine Hedge Quote von 70 Prozent, also 1.288 Tonnen, abgesichert über LME-Aluminium-Futures. Mit einer Kontraktgröße von 25 Tonnen ergibt das exakt 51,5 Lots; gerundet werden 52 Kontrakte gekauft (1.300 Tonnen) für die Lieferzeitpunkte März, Juni, September 2026. Der Forward-Preis liegt bei 2.745 USD je Tonne, der Notional bei rund 9,5 Millionen USD. Initial Margin von 9 Prozent bedeutet 855.000 USD Cash-Bindung, abgewickelt über die LBBW als Clearing-Broker. Der LBBW-Clearing-Service kostet 9 USD je Lot, also 468 USD plus eine Brokerage-Gebühr von 1.200 USD je Quartal, in Summe rund 5.300 USD jährlich. Bis Q3 2026 steigt der Spot auf 2.940 USD, der kumulierte Future-Gewinn beträgt 195 USD je Tonne mal 1.300 Tonnen, also rund 253.500 USD. Dieser Betrag fließt über Variation Margin auf das Marginkonto und kompensiert die Mehrkosten der physischen Beschaffung über den Rahmenvertrag mit Indexkopplung an LME-Cash.
Typische Fehler & Verhandlungskontext
Der häufigste Fehler ist die unrealistische Liquiditätsplanung. Variation Margin Calls können binnen 24 Stunden mehrere hunderttausend Euro fordern; wer keinen Liquiditätspuffer von 15 bis 25 Prozent des Notional bereithält, gerät bei einem 10-Prozent-Schock unter Druck und muss den Hedge womöglich vorzeitig schließen, was den Sicherungseffekt vernichtet. Ein zweiter Fehler ist die Falschwahl der Liefermonate. Die LME notiert für jeden Werktag 3 Monate prompt-date, dann monatlich bis 63 Monate; ein Rolling von Wochen-zu-Wochen kostet pro Roll Liquidität und Spread. Drittens wird die Lieferpflicht missverstanden: Bei physischer Erfüllung an der LME landet das Material in einem zugelassenen LME-Warenlager, oft Rotterdam oder Antwerpen, nicht im eigenen Werk; der Transfer zur Werksanlieferung kostet zusätzlich 30 bis 80 Euro je Tonne. In der Praxis schließen 96 Prozent der Industriekunden ihre Futures vor dem Liefertag durch eine Gegenposition und kaufen das physische Material separat über den Rahmenvertrag.
Verwandte Begriffe
Futures sind das börsengehandelte Werkzeug des [[terminmarkt]]s und Kerntechnik des [[commodity-hedging]]s. Sie greifen ineinander mit dem [[spotmarkt]] und der [[indexkopplung-rohstoffe]]. Operativ einsetzbar bei [[stahl-einkauf]], [[aluminium-einkauf]], [[kupfer-einkauf]], [[lithium-einkauf]], [[seltene-erden]], [[edelmetalle-einkauf]] und [[energierohstoffe]]. Strategisch kombiniert mit der [[materialsubstitution]] und der [[diversifizierungsstrategie-einkauf]] bei [[kritische-rohstoffe]]. Bilanziell flankiert durch das [[einkaufscontrolling]] und durch das [[lieferantenrisikomanagement]].