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Procari Lexikon Halbzeug
Einkaufslexikon

Halbzeug

Halbzeug

Halbzeug bezeichnet vorgefertigte Halberzeugnisse aus Metall oder Kunststoff, die durch Warmwalzen, Strangguss, Strangpressen oder Ziehen entstehen und durch weitere Umformung zu Endprodukten verarbeitet werden. Typische Erscheinungsformen sind Bleche, Bänder, Stäbe, Rohre, Drähte und Profile mit gleichbleibendem Querschnitt über die Länge.

Detaillierte Erklärung

Die maßgebliche Norm zur Begriffsabgrenzung im Stahlbereich ist DIN EN 10079. Sie unterteilt Stahlerzeugnisse in Flachprodukte und Langprodukte. Flachprodukte haben einen rechteckigen Querschnitt, bei dem die Breite deutlich größer ist als die Höhe — bei einer Dicke über 3 Millimeter spricht die Norm von Grobblech, darunter von Feinblech. Langprodukte umfassen Stabstahl, Profile, Rohre und Drähte und werden durch Walzen, Schmieden oder Ziehen mit konstantem Querschnitt hergestellt.

Für Aluminium ist DIN EN 12020 die zentrale Norm, sie regelt stranggepresste Präzisionsprofile aus den Legierungen EN AW-6060 und EN AW-6063. Der Aluminium-Spotmarkt notierte im Mai 2026 bei rund 2 970 Euro pro Tonne, dazu kommen je nach Legierung und Profilform Walzaufschläge zwischen 50 und 200 Euro pro Tonne sowie Logistik- und Energieaufschläge. Im Stahlbereich kommen analog Legierungs- und Schrottaufschläge zur Spotnotierung hinzu.

Halbzeug-Einkauf ist ein klassisches Commodity-Geschäft mit hoher Markttransparenz, niedriger Lieferantenbindung und großem Hebel über Volumen, Indexkopplung und Hedging. Die wesentlichen Lieferantenketten in Deutschland werden von Konzernen wie ThyssenKrupp, Salzgitter, Klöckner und ArcelorMittal dominiert, im Aluminiumsegment ergänzt durch Hydro und Speira. Mittelständler nutzen häufig Stahlhandelsstufen wie Klöckner, Kerschgens oder Bucher Stahl als Bezugsquelle, weil sie Mindestmengen bündeln.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Werkzeugmaschinenhersteller aus Sachsen mit 180 Mitarbeitern verarbeitet jährlich 1 240 Tonnen S355J2-Grobblech zu Maschinengestellen. Der bisherige Bezug erfolgt über drei Handelsstufen zu einem Mischpreis von 1 380 Euro pro Tonne, zusammengesetzt aus 920 Euro Spotnotierung, 240 Euro Legierungsaufschlag, 120 Euro Walzaufschlag und 100 Euro Handelsmarge.

Der strategische Einkäufer setzt 2026 eine Indexkopplung an die Argus-Notierung für Warmgewalztes Coil durch und schließt parallel einen Direktbezugsvertrag mit Salzgitter über 60 Prozent des Volumens ab. Ergebnis: Der Walzaufschlag sinkt durch Direktbezug von 120 auf 78 Euro pro Tonne, die Handelsmarge entfällt anteilig, und der Mischpreis fällt auf 1 252 Euro pro Tonne — eine Einsparung von 9,3 Prozent oder 158 720 Euro pro Jahr bei gleichbleibender Qualität nach Werksprüfzeugnis 3.1.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Erster Fehler: Halbzeugpreise werden als Festpreis verhandelt, obwohl die zugrundeliegenden Rohstoffmärkte täglich schwanken — Indexkopplung an LME, Argus oder MB ist Pflicht. Zweitens werden Walzaufschläge und Legierungsaufschläge als gegeben akzeptiert, obwohl beide verhandelbar sind. Drittens fehlt die Verknüpfung zwischen Halbzeugbedarf und produzierter Stückzahl, was Sicherheitsbestände aufbläht. Verhandlungshebel sind Indexierung, Lieferantenkonsolidierung, Bündelung über Werke hinweg und Hedging über die Terminbörse.

Verwandte Begriffe

Halbzeug ist Inputfaktor für [[stueckliste-bom]] und [[lohnfertigung]], wird über [[indexkopplung-rohstoffe]] und [[commodity-hedging]] preislich abgesichert und unterliegt [[werkspruefzeugnis-3-1]]-Pflichten. Der Markt wird über [[stahl-einkauf]], [[aluminium-einkauf]] und [[spotmarkt]] verfolgt.

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