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Procari Lexikon Japanese Auction (Japanische Auktion)
Einkaufslexikon

Japanese Auction (Japanische Auktion)

Japanese Auction (Japanische Auktion)

Die Japanese Auction, auch Ascending-Clock-Auction oder Button-Auction genannt, ist ein aufsteigendes Auktionsformat, bei dem der Auktionator den Preis in festen Schritten erhöht und alle Bieter aktiv signalisieren müssen, ob sie zum jeweils aktuellen Preis weiter mitbieten oder endgültig aussteigen. Wer einmal ausgestiegen ist, kann nicht mehr zurückkehren. Den Zuschlag erhält der letzte verbleibende Bieter zum aktuellen Preis. Das Format unterscheidet sich von der englischen Auktion dadurch, dass nicht einzelne Gebote zählen, sondern die kontinuierliche Bestätigung durch Druck eines Buttons oder Anzeige einer Karte.

Detaillierte Erklärung

Die zentrale Eigenschaft ist volle Transparenz: Jeder Bieter sieht in jeder Runde, wie viele Konkurrenten noch im Rennen sind. Dieser Risk-Sharing-Effekt wirkt preistreibend, weil Bieter auf Basis der beobachteten Konkurrenz ihre eigene Wertschätzung nach oben korrigieren können. Spieltheoretisch ist die japanische Auktion strategisch äquivalent zur englischen Auktion mit privaten Werten, die dominante Strategie ist das Ausharren bis zum eigenen Reservation Price. In Common-Value-Settings, etwa bei Rohstoff- oder Frequenzauktionen, ist das japanische Format dem englischen sogar überlegen, weil das gemeinsame Aussteigen zusätzliche Information über die Werte der anderen Bieter liefert. In den 2000er-Jahren wurde die Reverse Japanese Auction durch FreeMarkets, einen 1995 in Pittsburgh gegründeten und 2004 für 493 Millionen US-Dollar von Ariba übernommenen Pionier elektronischer Beschaffungsauktionen, prominent in der Industrie eingeführt. Heute unterstützen SAP Ariba, Coupa und Jaggaer das Format als Standardvariante. Typische Anwendungsfälle sind Direct-Spend-Kategorien mit klar spezifizierten Teilen, bei denen 5 bis 12 Lieferanten antreten und der Auktionator den Preis in 1-Prozent-Schritten alle 60 Sekunden senkt. Erzielte Savings liegen typischerweise bei 8 bis 18 Prozent gegenüber dem Vorjahrespreis. EU-Vergaberichtlinie 2014/24/EU lässt elektronische Auktionen nach Artikel 35 für klar messbare Spezifikationen zu.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Hersteller von Hydraulikkomponenten aus Bayern beschafft 14.200 Stück Präzisions-O-Ringe der Spezifikation NBR 70 Shore A pro Jahr bei einem Volumen von 320.000 Euro. Sieben qualifizierte Lieferanten aus DACH und Norditalien werden zu einer Reverse Japanese Auction auf SAP Ariba eingeladen. Der Startpreis liegt bei 28,50 Euro pro 100 Stück, alle 90 Sekunden senkt der Auktionator um 2 Prozent. Nach Runde 4 steigen 2 Bieter aus, nach Runde 8 ein dritter, nach Runde 11 zwei weitere. Bei einem Endpreis von 21,80 Euro pro 100 Stück nach 13 Runden gewinnt der letzte verbliebene Lieferant aus Tschechien. Die Einsparung beträgt 23,5 Prozent gegenüber dem Vorjahrespreis von 28,50 Euro pro 100 Stück oder rund 95.000 Euro pro Jahr. Die Transparenz der verbleibenden Bieterzahl pro Runde half der Einkaufsabteilung zudem, das Wettbewerbsumfeld für die Folgeperiode präziser zu kalkulieren.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Der erste Fehler ist der Einsatz bei zu kleinen Bieterpools mit unter 4 ernsthaften Lieferanten: Die Transparenz der verbleibenden Bieterzahl wird dann zur Einladung zur Kollusion, was nach §1 GWB und Artikel 101 AEUV kartellrechtlich relevant ist. Der zweite Fehler ist die zu lange Wahl der Schrittweite oder Rundenzeit, die die Auktionsdauer auf über 90 Minuten verlängert und die Lieferantenermüdung in irrationale Aussteigeentscheidungen umschlagen lässt. Der dritte Fehler ist die Anwendung bei innovationssensitiven Beschaffungen, bei denen die Lieferanten unterschiedliche technische Lösungen anbieten und der reine Preisfokus die Total-Cost-of-Ownership-Bewertung überschreibt. Der vierte Fehler ist die mangelnde Prüfung der LkSG-Konformität nach §6 bei Lieferanten in Hochrisikoländern, wo aggressive Reverse-Preise oft mit Sorgfaltspflichtverletzungen korrelieren. Geeignet ist die Japanese Auction für reife Direct-Spend-Kategorien mit klaren Spezifikationen, kompetitive Bieterpools von 5 bis 12 Anbietern und wiederkehrende Beschaffungen mit kleinen Schrittweiten unter 2 Prozent.

Verwandte Begriffe

Verwandte Konzepte sind die Dutch Auction als spiegelverkehrtes absteigendes Format, die Sealed-Bid-Auktion als verdecktes Format, die Vickrey-Auktion als Sealed-Bid-Second-Price-Variante, der Reservation Price als optimale Aussteigeschwelle und die Auction Theory als übergeordneter spieltheoretischer Rahmen.

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