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Procari Lexikon Konfliktmineralien
Einkaufslexikon

Konfliktmineralien

Konfliktmineralien

Konfliktmineralien sind Rohstoffe, deren Abbau und Handel in geopolitisch instabilen Regionen bewaffnete Konflikte, Menschenrechtsverletzungen und systematische Korruption finanzieren. Im internationalen Sprachgebrauch sind dies vor allem die sogenannten 3TG-Metalle Zinn (Tin), Tantal (Tantalum), Wolfram (Tungsten) und Gold. Für den DACH-Einkauf entscheiden Konfliktmineralien-Prüfungen zunehmend über Marktzugang, weil [[eu-konfliktmineralienverordnung]] und der US-Dodd-Frank Act Section 1502 nachweisbare Sorgfaltspflichten erzwingen.

Detaillierte Erklärung

Der geografische Fokus liegt auf der Demokratischen Republik Kongo (DRC) und neun Adjacent Countries: Angola, Burundi, Republik Kongo, Ruanda, Sambia, Südsudan, Tansania, Uganda und Zentralafrikanische Republik. Die Methodik folgt der OECD Due Diligence Guidance for Responsible Supply Chains of Minerals from Conflict-Affected and High-Risk Areas, deren dritte Edition 2016 von der OECD mit Sitz in Paris veröffentlicht wurde. Sie definiert ein 5-Stufen-Rahmenwerk: Managementsystem etablieren, Risiken identifizieren, Risikominderungsstrategie entwerfen, unabhängiges Audit der Schmelzhütte durchführen, jährlich öffentlich berichten. Die operative Umsetzung erfolgt über das Conflict-Free Sourcing Initiative-Programm, heute Responsible Minerals Initiative (RMI) der Responsible Business Alliance, mit dem Conflict Minerals Reporting Template (CMRT) in Version 6.31 (Stand 2024). Über 480 Schmelzhütten weltweit sind nach RMAP (Responsible Minerals Assurance Process) gelistet. Die International Tin Association (ITA, gegründet 2018) und das Tungsten Industry Conflict Minerals Council ergänzen branchenspezifische Prüfverfahren.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Schweizer Hersteller medizinischer Präzisionsgeräte mit 540 Mitarbeitern verarbeitet jährlich 2,1 Tonnen Tantal in Kondensatoren und 0,4 Tonnen Wolfram in Bohrwerkzeugen. Der US-Konzernkunde verlangt ab Januar 2026 jährlich ein vollständig ausgefülltes CMRT mit Smelter Identification Numbers und einer 100-Prozent-Quote RMAP-konformer Schmelzhütten. Der Einkauf schreibt 23 Tier-1-Lieferanten an, erhält 19 vollständige CMRT-Antworten und identifiziert 4 Schmelzhütten außerhalb des RMAP-Listings. Mit zwei Lieferanten wird ein Wechsel auf gelistete Schmelzhütten innerhalb von 9 Monaten vereinbart, der dritte erhält eine Watchlist-Markierung, der vierte wird desourct. Der zusätzliche jährliche Aufwand für die CMRT-Verwaltung wird intern auf rund 15 Personentage geschätzt.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Drei Fehler dominieren. Erstens behandeln Einkäufer das CMRT als Einmal-Dokument; tatsächlich ändert sich die Smelter-List der RMI mehrmals jährlich und alte CMRTs verlieren Aussagekraft. Zweitens wird die Smelter-Ebene mit der Lieferanten-Ebene verwechselt; der Tier-1 ist selten Schmelzhütte, sondern Verarbeiter zwei bis fünf Stufen weiter unten. Drittens fehlt der vertragliche Hebel; ohne Klausel zur Vorlage des CMRT inklusive Mass-Balance-Daten kann der Einkauf bei Verstößen nicht haftungsneutral wechseln. Verhandlungstaktisch sollte das CMRT vertraglich an die jährliche Aktualisierungspflicht und an eine Audit-Right-Klausel gekoppelt werden.

Verwandte Begriffe

[[eu-konfliktmineralienverordnung]], [[sorgfaltspflicht-lieferkette]], [[esg-kriterien-einkauf]], [[code-of-conduct-lieferanten]], [[menschenrechte-lieferkette]]

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