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Procari Lexikon Konzessionsstrategie
Einkaufslexikon

Konzessionsstrategie

Konzessionsstrategie

Die Konzessionsstrategie bezeichnet im Einkauf die im Vorfeld festgelegte Abfolge und Höhe der Zugeständnisse, die ein Verhandlungsführer im Verlauf einer Preis- oder Vertragsverhandlung gewährt. Anders als ein spontanes Nachgeben folgt eine strukturierte Konzessionsstrategie einem abnehmenden Muster und koppelt jede Konzession an eine Gegenleistung der Gegenseite. Sie ist eines der zentralen Werkzeuge der operativen [[verhandlungsfuehrung]].

Detaillierte Erklärung

Die theoretische Grundlage liefert Roy J. Lewicki im Standardwerk "Negotiation" (8. Auflage 2020, McGraw-Hill), das seit 1985 als Pflichtlektüre in MBA-Programmen geführt wird. Lewicki, Saunders und Barry definieren Konzessionen als "die zentrale Währung der distributiven Verhandlung" und empfehlen ein abnehmendes Muster, weil die Gegenseite aus der Schrittgröße auf die Lage des Reservationspreises schließt. In der Praxis hat sich ein Muster mit vier Schritten etabliert: 5 Prozent, 3 Prozent, 2 Prozent und 1 Prozent Preisreduktion gegenüber dem Eröffnungsangebot. Eine konstante Schrittgröße signalisiert dagegen, dass weitere Konzessionen verfügbar sind, und verlängert die Verhandlung im Schnitt um 30 bis 45 Minuten pro Runde. Der psychologische Hebel beruht auf dem Reziprozitätsprinzip, das Robert Cialdini 1984 in "Influence" als erstes seiner sechs Überzeugungsprinzipien beschrieb: Eine wahrgenommene Konzession löst beim Gegenüber den Drang aus, ebenfalls eine Konzession zu gewähren. Die daraus abgeleitete Door-in-the-Face-Technik startet bewusst mit einer überzogenen Forderung, um die nachfolgende realistische Forderung als Konzession erscheinen zu lassen. Der BME führt seit 2018 in seinen Verhandlungsseminaren den Grundsatz "Nie ohne Gegenleistung" als Standard, womit jede Preisreduktion an eine Volumen-, Zahlungsfrist- oder Laufzeit-Forderung gekoppelt wird.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein nordrhein-westfälischer Maschinenbauer mit 850 Mitarbeitern verhandelt 2025 mit einem schwäbischen Antriebstechnik-Lieferanten über einen Jahresrahmenvertrag mit Volumen 2,4 Millionen EUR. Der Einkaufsleiter setzt eine vorab dokumentierte Konzessionsstrategie ein: Eröffnungsforderung minus 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahrespreis, anschließend Schritte mit minus 7,0 Prozent, minus 5,5 Prozent und minus 4,8 Prozent als Reservationspreis. Jede Konzession wird mit einer Gegenforderung verknüpft — Schritt zwei gegen 30 Tage verlängertes Zahlungsziel, Schritt drei gegen Volumencommitment von 1,8 Millionen EUR im ersten Halbjahr. Nach drei Runden über 4,5 Stunden einigen sich die Parteien auf minus 5,5 Prozent plus 35 Tage Zahlungsziel, was bei dem Volumen einer Working-Capital-Entlastung von 230.000 EUR entspricht. Die abnehmende Schrittfolge signalisierte dem Lieferanten glaubhaft, dass der Reservationspreis nahe ist, ohne ihn zu offenbaren.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Drei Fehler treten in der Praxis besonders häufig auf. Erstens: Konzessionen werden in gleicher Schrittgröße gewährt, womit der Lieferant aus dem Muster auf weitere Reserven schließt und die Verhandlung künstlich verlängert. Zweitens: Die letzte Konzession ist größer als die vorletzte — ein klares Signal, dass der eigene Reservationspreis noch nicht erreicht ist und weiteres Drücken lohnt. Drittens: Konzessionen werden ohne Gegenleistung gewährt, was die Reziprozitätswirkung vollständig zerstört und den Lieferanten in eine reine Forderungshaltung versetzt.

Verwandte Begriffe

Die Konzessionsstrategie ergänzt die übergeordnete [[verhandlungsstrategie]] und die operative [[verhandlungstaktik]] am Verhandlungstisch. Sie nutzt Referenzpunkte aus [[batna]] und [[zopa-zone-of-possible-agreement]] zur Festlegung der Reservationsgrenze und greift bei der Argumentation auf [[should-cost-modell]] und [[ankertechnik]] zurück. In komplexen [[preisverhandlung]]en verzahnt sie sich mit dem [[harvard-konzept]] und ist methodischer Bestandteil professioneller [[verhandlungsfuehrung]].

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