Science Based Targets (SBTi)
Science Based Targets (SBTi)
Wenn Ihr Lieferant SBTi-validierte Ziele hat und Sie nicht, werden Sie spätestens 2027 aus seinem Sortiment fallen, weil Ihre Emissionen seine Scope-3-Bilanz verschlechtern. Die Science Based Targets initiative validiert Klimaziele und wird im Einkauf zum K.-o.-Kriterium für viele Großkunden.
Detaillierte Erklärung
Die Science Based Targets initiative wurde 2015 als Partnerschaft zwischen CDP, dem UN Global Compact, dem World Resources Institute und dem WWF gegründet. Sie validiert Unternehmensklimaziele gegen das Pariser Abkommen und prüft, ob die geplante Reduktionskurve mit dem 1,5-Grad-Pfad oder dem deutlich-unter-2-Grad-Pfad vereinbar ist. Für den 1,5-Grad-Pfad fordert SBTi eine lineare absolute Reduktion von 4,2 Prozent pro Jahr ab Basisjahr, gemessen in Tonnen CO2-Äquivalent.
Der im Oktober 2021 veröffentlichte Net Zero Standard ist das verbindliche Rahmenwerk für langfristige Ziele und verlangt eine Reduktion der Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen um mindestens 90 Prozent bis spätestens 2050, bevor verbleibende Restmengen durch dauerhafte Kohlenstoffentnahme neutralisiert werden dürfen. Kompensation über Zertifikate wird ausdrücklich nicht als Zielerreichung anerkannt. Bis 2024 hatten rund 5.000 Unternehmen weltweit validierte Ziele, weitere 4.000 hatten sich verpflichtet. Für Unternehmen mit Scope-3-Anteilen über 40 Prozent der Gesamtemissionen verlangt SBTi zusätzlich ein eigenes Scope-3-Ziel, was den Einkauf direkt in die Pflicht nimmt.
Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)
Ein Maschinenbauer aus Baden-Württemberg mit 380 Mitarbeitern liefert Getriebekomponenten an einen DAX-Konzern. Der Konzern hat 2023 ein 1,5-Grad-validiertes Ziel und fordert ab Geschäftsjahr 2026 von allen Lieferanten mit einem Einkaufsvolumen über 500.000 Euro eigene SBTi-Commitments. Der Einkaufsleiter prüft die Lieferantenbasis und stellt fest, dass von 142 strategischen Lieferanten lediglich neun bereits validierte Ziele haben. Er priorisiert eine Top-30-Liste nach Spend und CO2-Intensität, schreibt ein verpflichtendes SBTi-Commitment in das Lieferantenkodex-Update zum 01.01.2027 und reserviert für die kommenden 24 Monate ein Coaching-Budget von 60.000 Euro für die Top-15-Lieferanten, die selbst keine Ressourcen für die Erstvalidierung haben.
Typische Fehler & Verhandlungskontext
Der häufigste Fehler ist die Verwechslung von Commitment und Validierung. Ein eingereichtes Ziel auf der SBTi-Website hat keinerlei Beweiskraft, solange das Validierungsschreiben nicht vorliegt. Der Validierungsprozess dauert acht bis zwölf Monate und kostet 9.500 bis 14.500 US-Dollar Gebühr, je nach Unternehmensgröße. Der zweite Fehler ist die Wahl eines zu späten Basisjahres. Wer 2024 als Basis nimmt, hat die Reduktionsleistung der Vorjahre verschenkt. Im Verhandlungsgespräch mit Lieferanten ohne SBTi-Ziele empfiehlt sich eine zweistufige Klausel im Rahmenvertrag, die zunächst ein Commitment innerhalb von zwölf Monaten und die Validierung innerhalb von 24 Monaten verlangt, gekoppelt an ein Sonderkündigungsrecht bei Nichterfüllung.
Verwandte Begriffe
SBTi-Validierungen liefern Eingangsdaten für [[csrd]]-Berichte und für CDP-Scoring, ergänzen das ESG-Rating von [[ecovadis]] um eine harte Klimadimension und greifen über Scope-3-Pflichten direkt in [[lieferantenbewertung]] und [[lieferkettensorgfaltspflichtengesetz]]-Sorgfaltsprozesse ein. Operativ verknüpfen sich SBTi-Ziele mit der [[cbam-carbon-border-adjustment-mechanism]]-Bepreisung importierter Emissionen.