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Procari Lexikon Break-even-Analyse
Einkaufslexikon

Break-even-Analyse

Break-even-Analyse

Die Break-even-Analyse bestimmt den Punkt, ab dem Erlöse oder Einsparungen die anfallenden Kosten exakt decken — die Gewinnschwelle. Im Einkauf ist sie ein unverzichtbares Instrument für Make-or-Buy-Entscheidungen, die Bewertung von Investitionen in Eigenfertigungskapazitäten und die Kalkulation kritischer Mindestmengen bei Lieferantenverhandlungen.

Detaillierte Erklärung

Die klassische Break-even-Analyse teilt Kosten in zwei Kategorien: fixe Kosten, die unabhängig von der Ausbringungsmenge anfallen (Maschinen, Lizenzen, Personal in Bereitschaft), und variable Kosten, die proportional zur Menge steigen (Material, Energie pro Stück, mengenabhängige Frachten). Der Break-even-Punkt ergibt sich, wenn die Gesamterlöse (oder Einsparungen) die Gesamtkosten erreichen:

Break-even-Menge = Fixkosten / (Preis pro Einheit – variable Kosten pro Einheit)

Im Einkaufskontext wird die Formel nicht für Erlöse, sondern für Kostenvergleiche adaptiert: Wann sind die Gesamtkosten von Alternative A gleich den Gesamtkosten von Alternative B?

Make-or-Buy-Anwendung: Soll ein bisher zugekauftes Bauteil künftig selbst gefertigt werden? Die Eigenfertigung hat hohe Fixkosten (Maschineninvestition, Werkzeugkosten, Qualifizierungsaufwand) und niedrigere variable Kosten pro Stück. Der externe Bezug hat keine fixen Einmal-Investitionen, aber höhere variable Kosten pro Stück. Die Break-even-Analyse berechnet die Jahresmenge, ab der Eigenfertigung günstiger wird. Unterhalb dieser Menge bleibt Fremdbezug wirtschaftlicher.

Investitionsrechnung für Beschaffungsinfrastruktur: Lohnt sich die Einführung eines Supplier-Portal-Systems, wenn es die Bestellabwicklungskosten pro Transaktion senkt? Fixkosten sind Implementierung und Lizenz; variable Einsparung ist der reduzierte Aufwand pro Bestellung. Die Break-even-Menge gibt an, wie viele Transaktionen pro Jahr notwendig sind, damit sich die Investition amortisiert.

Mengenrabattschwellen verhandeln: Lieferanten bieten oft gestaffelte Preise: bis 500 Stück zu 12,40 EUR, ab 500 Stück zu 11,20 EUR. Die Break-even-Analyse zeigt, ob es wirtschaftlicher ist, mehr als benötigt zu bestellen, um in die günstigere Staffel zu gelangen — unter Berücksichtigung der entstehenden Lagerkosten. Wenn der Lageraufwand für die Übermenge (Kapitalbindung + Lagerhaltungskosten) geringer ist als die Preiseinsparung, lohnt sich die höhere Bestellmenge.

Lieferantenwechselentscheidung: Wann amortisiert sich der Aufwand für einen Lieferantenwechsel (Qualifizierungskosten, Erstmuster, Prozessumstellungen) durch günstigere Konditionen beim neuen Lieferanten? Auch hier liefert die Break-even-Analyse den Entscheidungsrahmen: Einmalinvestition geteilt durch die jährliche Konditionenverbesserung ergibt die Amortisationszeit.

Im DACH-Mittelstand werden Break-even-Berechnungen meist in Excel durchgeführt. Für komplexere Analysen mit Unsicherheitsbandbreiten empfiehlt sich die Verbindung mit einer [[szenarioplanung]] oder [[monte-carlo-simulation]], die stochastische Variationen der Eingabeparameter berücksichtigt. Gartner-Benchmarks zeigen, dass Einkaufsabteilungen, die quantitative Entscheidungswerkzeuge einsetzen, strukturell bessere Verhandlungsergebnisse erzielen — weil sie Schwellenwerte benennen können, statt zu schätzen.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Kunststoffverarbeiter mit 190 Mitarbeitern in Sachsen überprüft, ob er ein Spritzgussteil mit einem Jahresbedarf von 85.000 Stück weiterhin bei einem Lohnfertiger kaufen oder selbst produzieren soll.

Aktuelle Fremdbezugskosten: 1,85 EUR/Stück, also 157.250 EUR/Jahr. Keine fixen Aufwendungen.

Eigenfertigung: Maschineninvestition 210.000 EUR (Nutzungsdauer 7 Jahre, ergibt 30.000 EUR/Jahr Abschreibung), Werkzeugkosten 45.000 EUR (einmalig, 5 Jahre Nutzungsdauer: 9.000 EUR/Jahr), zusätzliche Personalkosten 28.000 EUR/Jahr. Variable Materialkosten: 0,92 EUR/Stück.

Fixkosten Eigenfertigung pro Jahr: 30.000 + 9.000 + 28.000 = 67.000 EUR
Variable Kosten Eigenfertigung: 0,92 EUR/Stück
Variable Einsparung gegenüber Fremdbezug: 1,85 – 0,92 = 0,93 EUR/Stück

Break-even-Menge = 67.000 EUR / 0,93 EUR = 72.043 Stück/Jahr

Da der Jahresbedarf mit 85.000 Stück über dem Break-even liegt, ist Eigenfertigung rechnerisch günstiger. Die jährliche Einsparung beträgt: (85.000 – 72.043) × 0,93 EUR = ca. 12.000 EUR/Jahr. Der Einkaufsleiter empfiehlt dennoch, die [[szenarioplanung]] zu ergänzen: Was, wenn der Jahresbedarf auf 60.000 Stück sinkt? Dann liegt man unterhalb des Break-even, und die Eigenfertigung wird zur Kostenfalle.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Fixkosten unterschätzen: Der häufigste Fehler bei Make-or-Buy-Analysen ist die Unterschätzung von Fixkosten. Anlaufkosten, Qualifizierungsaufwand, IT-Anpassungen und der interne Koordinationsaufwand werden oft nicht vollständig erfasst. Wer nur die direkten Maschinenkosten ansetzt, rechnet sich die Eigenfertigung schön.

Statische Analyse für dynamische Entscheidungen: Die Break-even-Analyse liefert einen Schwellenwert bei gegebenen Parametern. In der Realität ändern sich Mengen, Preise und Kosten. Wer nur einen einzigen Break-even-Punkt berechnet, ohne Sensitivitätsanalyse für die wesentlichen Eingangsparameter ([[sensitivitaetsanalyse]]), übersieht, wie fragil oder robust die Entscheidung ist.

Im Verhandlungskontext ist der Break-even-Punkt ein legitimes Verhandlungsargument: "Wir haben gerechnet: Ab einem Jahresvolumen von 72.000 Stück ist Eigenfertigung für uns wirtschaftlicher. Mit einem Preis von 1,65 EUR/Stück bei 85.000 Stück bleiben wir bei Ihnen." Diese quantitative Fundierung einer Preisforderung ist deutlich wirksamer als allgemeine Preisdruckargumentation — weil sie dem Lieferanten zeigt, dass eine echte Alternativoption kalkuliert wurde und nicht nur als rhetorisches Druckmittel formuliert wird.

Opportunitätskosten vergessen: Bei Eigenfertigung bindet die Maschineninvestition Kapital, das alternativ anderweitig eingesetzt werden könnte. Der Opportunitätskostensatz (typisch: Weighted Average Cost of Capital, WACC) sollte in die Fixkostenrechnung eingerechnet werden. Im DACH-Mittelstand liegt der WACC häufig zwischen 6 und 12 % — bei 210.000 EUR Investition macht das 12.600 bis 25.200 EUR/Jahr Opportunitätskosten, die den Break-even deutlich verschieben.

Verwandte Begriffe

  • [[szenarioplanung]]
  • [[sensitivitaetsanalyse]]
  • [[spend-analyse]]
  • [[beschaffungsstrategie]]
  • [[portfolioanalyse]]

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