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Procari Lexikon Disposition
Einkaufslexikon

Disposition

Disposition

Disposition bezeichnet die operative Steuerung des Materialflusses zwischen Bedarf und Bestellung. Sie beantwortet drei Fragen pro Artikel: was, wann und wie viel beschaffen. In ERP-Systemen wie SAP S/4HANA ist sie über Dispomerkmale parametriert und entscheidet täglich über Millionenbeträge an gebundenem Kapital.

Detaillierte Erklärung

Die Materialdisposition trennt zwischen plangesteuerten und verbrauchsgesteuerten Verfahren. Beim Dispomerkmal PD (plangesteuert) errechnet das MRP-Modul den Bedarf aus Primärbedarfen, Stücklisten und Kundenaufträgen — typisch für A-Teile mit hoher Wertigkeit und planbarer Nachfrage. Beim Dispomerkmal VB (verbrauchsgesteuert, manueller Bestellpunkt) löst der ERP eine Bestellanforderung aus, sobald der Bestand den Meldebestand unterschreitet. V1 ergänzt VB um eine externe Bedarfsberücksichtigung, V2 zusätzlich um die Saldierung von Lagerbestand und Bestellbestand. R1 und R2 sind die rhythmischen Varianten mit festem Bestellzyklus, etwa wöchentlich oder zweiwöchentlich. Der VDI hat mit der Richtlinie VDI 4499 (Digitale Fabrik) seit 2008 den methodischen Rahmen für die Integration von Dispoprozessen in digitalen Werken beschrieben. Die Bestellmengen-Berechnung folgt klassisch der Andler-Formel von 1929, die optimale Losgröße als Funktion von Jahresbedarf, Bestellkosten und Lagerhaltungskostensatz definiert. Moderne Dispomerkmale wie DD (Demand-Driven) und TC (Theory of Constraints), die SAP 2019 ergänzte, kombinieren Forecast-getriebene und verbrauchsgetriebene Logik. Der BME (Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik) und die BVL (Bundesvereinigung Logistik) berichten in ihren Studien regelmäßig, dass über 60 Prozent der DACH-Unternehmen ihre C-Teile mittlerweile vollautomatisch disponieren, während A-Teile weiterhin manuell oder hybrid gesteuert werden. Eine sauber gesetzte Materialdisposition reduziert Bestände um 15 bis 25 Prozent gegenüber einer rein bedarfsgetriebenen Beschaffung.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Maschinenbauer in Baden-Württemberg mit 240 Mitarbeitern führt 8.400 aktive Materialnummern. Eine ABC-Analyse ergibt 320 A-Teile (8 Prozent Stückzahl, 78 Prozent Wert) und 6.100 C-Teile. Vor der Reorganisation lagen alle Teile auf Dispomerkmal PD mit 14 Tagen Sicherheitszeit, der durchschnittliche Lagerbestand betrug 4,8 Millionen Euro. Der Einkaufsleiter setzt 5.900 C-Teile auf VB mit Meldebestand und Höchstbestand, die A-Teile bleiben auf PD mit reduzierter Sicherheitszeit von 7 Tagen. Innerhalb von neun Monaten sinkt der durchschnittliche Bestand auf 3,6 Millionen Euro, das entspricht 1,2 Millionen Euro freiem Working Capital. Die Anzahl Bestellpositionen pro Disponent steigt von 480 auf 720 pro Monat, die Lieferbereitschaft bleibt bei 98,2 Prozent stabil.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Erstens: pauschal hohe Sicherheitsbestände als Pflaster für schlechte Forecast-Qualität. Wer 30 Prozent Puffer setzt, bindet Kapital, das im Verhandlungsraum als Skonto-Hebel besser aufgehoben wäre. Zweitens: Dispomerkmal-Pflege als Einmalprojekt. Verbrauchsmuster verschieben sich nach jeder Produktanlauf- oder Auslaufphase, ohne Quartalsreview driftet die Parametrierung. Drittens: Meldebestände werden mit dem Lieferanten nicht abgestimmt — der Lieferant sieht nur die Bestellung, nicht den Forecast, und kann seine eigene Disposition nicht planen. In Jahresgesprächen lohnt es sich, Wiederbeschaffungszeiten vertraglich zu fixieren und Forecast-Sharing als Gegenleistung für Preisstabilität zu vereinbaren.

Verwandte Begriffe

Die Disposition steuert Bestände entlang von [[abc-analyse]], [[just-in-time]] und [[kanban]], während [[sicherheitsbestand]] und [[vendor-managed-inventory]] die Risikofunktion übernehmen.

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