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Procari Lexikon Distributionslogistik
Einkaufslexikon

Distributionslogistik

Distributionslogistik

Distributionslogistik ist die Absatz- oder Vertriebslogistik und steuert nach BVL-Definition alle Lager-, Umschlag- und Transportprozesse von der Fertigware im eigenen Werk bis zum Abnehmer. Sie umfasst Auftragsabwicklung, Kommissionierung, Verpackung, Tour- und Rampenplanung sowie das Retouren- und Reklamationshandling. Während die Beschaffungslogistik den eingehenden Materialfluss organisiert, ist die Distributionslogistik der ausgehende Spiegel und entscheidet maßgeblich über die Kundenzufriedenheit, weil hier die [[liefertreue]] sichtbar wird.

Detaillierte Erklärung

Strategisch unterscheidet die Distributionslogistik einstufige Systeme mit Direktversand vom Werk und mehrstufige Systeme mit Zentrallager, Regionallager und Auslieferungslagern. In der DACH-Region binden mittelständische Industrieunternehmen seit 2010 zunehmend Kontraktlogistik-Dienstleister ein, sogenannte Third-Party-Logistics-Provider (3PL), die typischerweise auf 3- bis 5-Jahres-Verträgen mit hohem Individualisierungsgrad basieren. Die zentrale Steuerungskennzahl ist On-Time-In-Full (OTIF), die misst, welcher Anteil der Aufträge termin- und mengengerecht ausgeliefert wurde. Walmart hat OTIF 1995 als Lieferanten-KPI eingeführt, in der DACH-Industrie liegen Spitzenwerte zwischen 95 und 98 Prozent. Standards wie GS1-128 für die Versandeinheit und der Serial Shipping Container Code (SSCC, in Deutschland NVE) sichern die durchgängige Sendungsverfolgung. Studien der BVL zur Trends- und Strategien-Reihe von 2024 zeigen, dass 96 Prozent der Logistikdienstleister in der digitalen Transformation stecken, aber nur jeder zehnte erfolgreich skaliert.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Hersteller von Werkzeugmaschinen mit Sitz in Augsburg liefert pro Jahr rund 2.800 Maschinen an Kunden in 27 Ländern. Die Distributionslogistik bündelt Sendungen über ein Zentrallager in Memmingen und übergibt an einen 3PL-Partner für die LKW-Distribution in der EU sowie an einen Seehafen-Spediteur für Übersee. Sie verhandeln als Einkäufer den Kontrakt mit dem 3PL über vier Jahre, koppeln Vergütung an OTIF und definieren eine Schadensquote unter 0,3 Prozent. Pro Sendung werden Lieferschein, Packliste und [[lieferavis-asn]] elektronisch im EDIFACT-Format übermittelt. Der Effekt: Die Auslieferungsdauer nach Italien sinkt von 11 auf 6 Tage, die Frachtkosten je Maschine fallen um 410 Euro, und die OTIF-Quote steigt von 88 auf 96 Prozent.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Der häufigste Fehler ist die unzureichende Trennung zwischen Distributionslogistik-Kosten und Produktkosten in der Kalkulation. Wenn Frachten beim Verkauf als Pauschale eingerechnet sind, verlieren Sie die Steuerung über Tour-Optimierung und Sendungsverdichtung. Zweiter Fehler: 3PL-Verträge ohne Volumenbänder. Wenn Sie 800.000 Sendungen pro Jahr zugesagt haben und nur 580.000 abrufen, zahlen Sie häufig pauschale Mindermengen-Aufschläge bis 18 Prozent. In der Verhandlung sollten Sie volumenflexible Preisstaffeln, klare Eskalationspfade bei Spitzenlast (Black Friday, Quartalsende) und Open-Book-Komponenten für Kraftstoffzuschläge fordern. Achten Sie zudem auf saubere [[incoterms]]-Klauseln, weil Übergabepunkt und Gefahrenübergang die Versicherungslast direkt verschieben.

Verwandte Begriffe

Vorgelagert wirkt [[beschaffungslogistik]], operativ-anschließend [[outbound-logistics]] und [[transportlogistik]]. Auf der Steuerungsseite gehören [[otif-on-time-in-full]], [[liefertreue]] und [[track-and-trace]] zum Pflichtinventar. Bei Auslagerung an Dritte führt der Weg über [[3pl-4pl-logistikdienstleister]]. Vertraglich relevant sind [[service-level-agreement]], [[rahmenvertrag]] und [[liefervertrag]].

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