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Procari Lexikon Einlagerung
Einkaufslexikon

Einlagerung

Einlagerung

Die Einlagerung ist der physische und buchhalterische Prozess, bei dem eingegangene Ware vom Wareneingang an einen Lagerplatz verbracht und dem Bestand zugeschrieben wird. Im Einkauf der DACH-Region beeinflusst die Einlagerung Bestandsverfügbarkeit, Inventurqualität und Frachtkostenrechnung — und ist die Schnittstelle zwischen Lieferantenleistung und interner Logistik.

Detaillierte Erklärung

Einlagerung beschreibt den vollständigen Prozess vom Eintreffen einer Ware am Wareneingang bis zur abgeschlossenen Buchung auf einen konkreten Lagerplatz. Der Ablauf folgt typischerweise sechs Schritten: Ankunft am Wareneingang, [[wareneingangspruefung]] (Quantität, Qualität, Identität), Erstellung eines Einlagerungsbelegs (in SAP: Transportauftrag, TA), physischer Transport zum Lagerplatz, Buchung der Bestandserhöhung und Quittierung des TA mit Lagerplatz und Mengen.

Steuerungsgröße ist die Einlagerungsstrategie. Drei Grundformen prägen die DACH-Mittelstandspraxis:

Festplatzlagerung: Jedes Material hat einen festen Lagerplatz. Vorteil: schnelles Auffinden, einfaches Anlernen, gut für Kommissionierer. Nachteil: schlechte Flächenausnutzung, weil Plätze für Spitzenbestände dimensioniert sein müssen. Typisch für [[c-teile]] und Schnelldreher.

Chaotische (dynamische) Lagerung: Lagerverwaltungssystem (LVS) weist freien Platz nach Algorithmus zu — kürzeste Wege, ABC-Zonen, Volumen-/Gewichtsprofile. Vorteil: 20-35 % bessere Flächennutzung. Nachteil: ohne LVS unmöglich, Inventurfehler bei Systemausfällen.

Zonenlagerung: Lager wird in Zonen mit unterschiedlichen Eigenschaften (Temperatur, Sicherheit, Umschlagshäufigkeit) eingeteilt. Schnelldreher in der Picking-Zone vorne, Langsamdreher hinten oder im Hochregal. Bei [[abc-analyse]]-getriebener Steuerung üblich.

Technisch wichtig sind Identifikationsstandards. Die NVE (Nummer der Versandeinheit) bzw. SSCC (Serial Shipping Container Code) nach GS1 ist eine 18-stellige Kennung, die jede Versandeinheit (Palette, Karton) eindeutig macht. Per Barcode oder GS1-128 auf dem Versandetikett gescannt, kann die Einlagerung papierlos und ohne manuelle Eingabe ablaufen. Materialebene wird über GTIN/EAN identifiziert.

Hochregallager (HRL) bei großen Volumen sind oft automatisiert: Regalbediengeräte (RBG) übernehmen die physische Einlagerung, Software (z. B. SAP EWM, SAP WM, Manhattan, Körber) plant Aufträge. Mittelständler arbeiten meist mit semi-automatisierten Schmalganglagern oder klassischen Staplern plus Datenfunkterminal.

Bestandstechnisch verändert die Einlagerung den frei verwendbaren Bestand erst nach Abschluss der Qualitätsprüfung — dazwischen liegt die Bestandsart "Q-Bestand" (Qualitätsprüfbestand), aus dem keine Auslieferung erfolgen darf.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein hessischer Pumpenhersteller (95 Mitarbeiter) erhält eine Lieferung Edelstahlgehäuse aus Italien: 480 Stück auf 6 Europaletten. Avis war für 09:00 Uhr angekündigt, der Lkw kommt um 11:30 Uhr (Verspätung — wird im Lieferantenbewertungssystem als "OTD-Abweichung 2,5 h" erfasst).

Der Lagermitarbeiter scannt zuerst die NVE-Etiketten der sechs Paletten. Das LVS gleicht ab: Avisierte Liefermenge 480 ST, gescannte 6 Paletten zu je 80 ST = 480 ST — Identität bestätigt. Die [[wareneingangspruefung]] startet: Sichtprüfung auf Transportschäden (Folie unbeschädigt, keine Eindellungen), Stichprobenprüfung 6 Stück (1 pro Palette) auf Maße und Oberfläche. Eine Palette zeigt eine Druckstelle am Folienrand — der QM-Mitarbeiter öffnet, prüft 5 zusätzliche Stück, alle in Ordnung, Freigabe.

Das System erzeugt einen Transportauftrag: 5 Paletten fahren ins Hochregal H02-Z3 (Ebene 5-7), 1 Palette wird aufgrund einer offenen Reservierung für die Montagelinie direkt in die Bereitstellzone B-12 gefahren. Der Stapler scannt jeden Palettenetikett, fährt in Zielposition, scannt das Lagerplatz-Label und quittiert. Bestand wird gebucht: +480 ST auf Werk 1000, Lager-LB01.

Aus Einkaufssicht passieren parallel mehrere Dinge: Erstens wird die Bestellverpflichtung aufgelöst — die Kostenstelle der Pumpenmontage sieht den Bestand als verfügbar. Zweitens läuft die [[zahlungsbedingungen]]-Logik los: 30 Tage netto ab Wareneingangsdatum, Skonto 2 % bei Zahlung in 14 Tagen. Drittens fließt die OTD-Abweichung in die [[lieferantenbewertung]] des italienischen Lieferanten. Wenn dieser Lieferant über das Quartal mehr als 5 % der Lieferungen mit über 2 Stunden Verspätung aufweist, fällt er von "A" auf "B" zurück und muss in der nächsten Quartalsbesprechung Maßnahmen vorlegen.

Fehler an einer Stelle würde den Folgeprozess blockieren: Falscher Palettentausch (NVE nicht gescannt) bedeutet Bestand auf falschem Lagerplatz, Picker findet die Ware nicht, Linie steht.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Erster Fehler: Einlagerung erfolgt vor Abschluss der Qualitätsprüfung. Wenn ein eilig benötigtes Teil direkt in den Frei-Bestand gebucht wird, kann die spätere Reklamation den schon entnommenen Anteil nicht mehr zurückholen. Disziplin: Q-Bestand ist Pflicht bei prüfpflichtigen Materialien, auch bei Termindruck.

Zweiter Fehler: Lieferanten verpacken nicht nach Vorgabe (z. B. liefern lose statt auf NVE-etikettierten Paletten). Folge: manuelle Erfassung, höhere Einlagerungskosten, Fehlerquote 3-5 % statt 0,1 % bei gescannter Einlagerung. Lösung: VDA 4994 oder GS1-Logistiketikett verbindlich in [[zahlungsbedingungen]]-Anhang vereinbaren.

Dritter Fehler: Lagerplatzkapazität nicht überwacht. Wenn das Hochregal bei 95 % Auslastung läuft, sucht das LVS minutenlang nach freien Plätzen — Stapler stehen, Wareneingang staut. KPI "freie Plätze pro Zone" gehört auf das tägliche Lager-Cockpit.

Vierter Fehler: Bei Konsignationsware (siehe [[konsignationslager]]) wird Einlagerung wie Eigenbestand gebucht. Eigentum bleibt aber beim Lieferanten — falsche Buchung führt zu Steuer- und Inventurproblemen. Konsignationsbestände gehören in eigenen Buchungskreis.

Verhandlungskontext: Lieferanten, die NVE-Etikettierung, sortenreine Paletten und Avisierung 24 Stunden vorab leisten, sparen dem Käufer 12-25 EUR pro Wareneingang an Bearbeitungskosten. Diese Leistung lässt sich monetarisieren — entweder als Preisnachlass oder als Bonus-Kriterium in der [[lieferantenbewertung]]. Wer im Einkauf den Lagerprozess kennt, kann Preise auf Total Cost of Ownership rechnen, nicht nur auf Stückpreis.

Fünfter Hebel: Wareneingangsfenster (Time Slot Booking). Wenn Lieferanten verbindlich gebuchte Anlieferzeitfenster akzeptieren, sinkt Wartezeit beim Wareneingang von 45-90 Minuten auf 10-15 Minuten. Das spart Frachtkosten beim Spediteur (Standgeld vermieden) und reduziert die Spitzenbelastung im eigenen Wareneingang. Solche Klauseln gehören in den Logistikanhang von Rahmenverträgen — gerne mit gestaffelten Pönalen für Lieferanten, die mehr als 30 Minuten vom gebuchten Slot abweichen.

Sechster Hebel: Sortenreinheit als Mengenrabatt-Kompensation. Wenn der Lieferant aus Frachteffizienz Mischpaletten anbietet, lässt sich die Mehrkost im eigenen Wareneingang (3-5fach höhere Bearbeitungszeit) gegenrechnen. Wer den Stundensatz im Lager kennt (typisch 38-52 EUR im DACH-Mittelstand), kann pro Mischpalette 8-15 EUR Aufschlag begründet ablehnen oder im Preis kompensieren.

Verwandte Begriffe

  • [[wareneingangspruefung]]
  • [[lagerhaltung]]
  • [[abc-analyse]]
  • [[konsignationslager]]
  • [[lieferantenbewertung]]

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