Incoterm CFR (Cost and Freight)
Incoterm CFR (Cost and Freight)
Beim Incoterm CFR trägt der Verkäufer Ausfuhr, Verladung und die Hauptlauf-Seefracht bis zum benannten Bestimmungshafen, während das Risiko bereits beim Verbringen der Ware an Bord des Schiffes im Verschiffungshafen auf den Käufer übergeht. Die Klausel ist eine der vier reinen See- und Binnenwasser-Klauseln der Incoterms 2020 und im klassischen Stückgut- und Schüttguthandel weit verbreitet.
Detaillierte Erklärung
CFR (Cost and Freight) wird von der International Chamber of Commerce (ICC) in der ICC-Publikation Nr. 723E "Incoterms 2020" mit Geltung seit dem 1. Januar 2020 definiert und ist anwendbar ausschließlich auf See- und Binnenwasserverkehr. Der Verkäufer hat die Ware auf seine Kosten an den Verschiffungshafen zu liefern, die Ausfuhr zu verzollen, an Bord des Schiffes zu verbringen und einen Beförderungsvertrag bis zum Bestimmungshafen zu schließen. Der entscheidende Unterschied zu CIF liegt darin, dass der Verkäufer keine See-Versicherung abschließen muss; der Unterschied zu FOB ist, dass der Verkäufer die Hauptlauf-Frachtkosten trägt. Der Risikoübergang findet dennoch bereits statt, sobald die Ware an Bord verbracht ist, also im Verschiffungshafen — nicht erst am Bestimmungshafen. Diese Trennung von Kosten- und Gefahrübergang ist die zentrale Eigenheit der C-Klauseln (CFR, CIF, CPT, CIP) und wird in der Praxis regelmäßig missverstanden. Für Containertransporte rät die ICC seit Incoterms 2010 ausdrücklich von CFR ab und empfiehlt stattdessen CPT, weil bei Containerverkehr der Verkäufer den Container bereits am Terminal abgibt und nicht mehr direkten Zugriff auf das Schiff hat. Durchführungshinweise finden sich in den IHK-Mustertexten der DIHK sowie im Kommentar von Bredow/Seiffert "Incoterms 2020"; in der DACH-Praxis verweisen Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) und Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in ihren Vertragsleitfäden auf die ICC-Originalfassung.
Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)
Ein Maschinenbauer aus Stuttgart kauft 240 Tonnen Walzprodukte aus Indien zum CFR-Preis von 1.045 USD/t, Klausel "CFR Hamburg Incoterms 2020". Die Lieferung erfolgt als Stückgut auf einem Linienfrachter, die Hauptlauf-Seefracht von rund 38.500 USD ist im Preis enthalten. Während der Atlantik-Passage gerät die Sendung in schweres Wetter, 6 Tonnen werden durch Salzwasser unbrauchbar — Schaden rund 6.270 USD. Da der Risikoübergang bereits im Hafen Mumbai bei "an Bord" stattgefunden hat, trägt der Käufer den Schaden vollständig, sofern er keine eigene See-Versicherung abgeschlossen hat. Genau hier liegt die Falle der CFR-Klausel: Der Käufer zahlt zwar die Fracht über den Verkäufer, ist aber dennoch versicherungspflichtig in eigener Sache. Eine marktübliche Allgefahren-Police nach DTV-Klauseln 2000/2011 hätte rund 0,35 % auf 250.800 USD Warenwert gekostet, also 878 USD — deutlich weniger als der Schaden. Die Einfuhrverzollung in Hamburg unter HS 7208 erfolgt durch den Käufer mit 0 % Drittlandszoll und 19 % deutscher Einfuhrumsatzsteuer.
Typische Fehler & Verhandlungskontext
Drei Fehler treten in der Einkaufspraxis regelmäßig auf. Erstens: die Annahme, der Verkäufer hafte bei CFR auch für Schäden während des Hauptlaufs — tatsächlich endet seine Risikohaftung an der Schiffsbordkante im Verschiffungshafen, nicht am Bestimmungshafen. Zweitens: CFR für Containersendungen — die ICC empfiehlt seit 2010 ausdrücklich CPT, weil bei Container-Verkehr der Verkäufer typischerweise schon am Terminal abgibt und der Zeitraum bis "an Bord" intransparent ist. Drittens: CFR-Preise werden gern mit CIF-Preisen verglichen, ohne die See-Versicherungsprämie einzurechnen — bei einem Warenwert von 250.000 USD und 0,4 % Prämie sind das 1.000 USD, die den vermeintlichen CFR-Vorteil schnell aufzehren. In der Verhandlung lohnt es, CFR gegen CIF, FOB und CPT durchzurechnen; bei volatilen Seefrachtmärkten 2021 bis 2024 schwankten die Hauptlauf-Raten zwischen 1.200 und 14.000 USD pro 40-ft-Container, was Margen-Effekte von 5 bis 9 % auf den Gesamtbeschaffungspreis bedeuten kann.
Verwandte Begriffe
CFR gehört zur Familie der [[incoterms]] und ist eng verwandt mit [[incoterm-cif]], das zusätzlich eine Mindestversicherung des Verkäufers vorschreibt, sowie mit [[incoterm-fob]], das die Hauptlauffracht beim Käufer belässt. Für multimodalen Verkehr und Containertransporte sind [[incoterm-cpt]] und [[incoterm-cip]] die passenderen Klauseln; bei Lieferung am Bestimmungsort kommen [[incoterm-dap]] oder [[incoterm-ddp]] in Frage. CFR-Preise fließen direkt in die [[total-cost-of-ownership]]-Berechnung ein, und in der [[seefracht]]-Disposition ist die Klauselwahl ein zentraler Hebel der [[transportlogistik]].