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Procari Lexikon Incoterm CPT (Carriage Paid To)
Einkaufslexikon

Incoterm CPT (Carriage Paid To)

Incoterm CPT (Carriage Paid To)

CPT ist eine multimodale Klausel der Incoterms 2020, bei der der Verkäufer den Hauptlauf bezahlt, das Risiko aber bereits mit der Übergabe an den ersten Frachtführer im Versandland auf den Käufer übergeht. Diese Asymmetrie zwischen Kosten- und Gefahrtragung ist die häufigste Quelle teurer Missverständnisse in DACH-Lieferverträgen.

Detaillierte Erklärung

Carriage Paid To ist eine der elf Klauseln der Incoterms 2020, veröffentlicht durch die Internationale Handelskammer (ICC) als Publication No. 723E mit Inkrafttreten zum 1. Januar 2020. Die Klausel verpflichtet den Verkäufer, einen Beförderungsvertrag bis zum benannten Bestimmungsort abzuschliessen und die Frachtkosten zu tragen, einschliesslich der Ausfuhrabfertigung im Ursprungsland.

Der Risikoübergang findet jedoch deutlich früher statt: Sobald die Ware dem ersten Frachtführer (etwa einer Spedition, Bahngesellschaft oder einem Luftfrachtcarrier) übergeben wird, geht die Gefahr auf den Käufer über. Werden mehrere Frachtführer eingesetzt, gilt die Übergabe an den allerersten als kritischer Punkt, nicht die Ankunft am Zielort. Der Käufer ist Versicherungspflichtig, falls er Transportrisiken absichern möchte, denn anders als bei CIP enthält CPT keine Versicherungspflicht des Verkäufers.

CPT eignet sich für alle Verkehrsträger und multimodale Transporte, also Strasse, Schiene, See, Luft oder Kombinationen. Im Gegensatz zu seebezogenen Klauseln wie CFR oder CIF ist CPT nicht an die Schiffsreling gebunden, was die Klausel für Containerverkehr und LKW-Transporte innerhalb der EU oder in die Schweiz besonders praxistauglich macht. Die Einfuhrzollabfertigung im Bestimmungsland verbleibt beim Käufer.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein süddeutscher Maschinenbauer kauft 18 Spritzguss-Werkzeuge bei einem Lieferanten in Brescia, Italien, für 142.500 Euro netto. Die Vereinbarung lautet "CPT Stuttgart-Vaihingen, Incoterms 2020". Der italienische Lieferant beauftragt eine Spedition mit dem LKW-Transport bis zum Werk in Stuttgart und zahlt die Fracht in Höhe von 3.860 Euro.

Übergibt der Lieferant die Werkzeuge am 14. März am Werkstor in Brescia an den ersten Frachtführer, geht das Transportrisiko bereits dort auf den deutschen Käufer über, obwohl die Ware erst am 16. März in Stuttgart ankommt. Verunfallt der LKW am 15. März auf der A22 bei Trient und werden zwei Werkzeuge im Wert von 17.300 Euro beschädigt, trägt der Käufer den Schaden, denn er hatte das Risiko bereits seit der Übergabe in Brescia. Hat der Käufer keine separate Transportversicherung abgeschlossen, bleibt er auf dem Schaden sitzen, abgesehen von einer haftungsrechtlich begrenzten Forderung gegen den Frachtführer nach CMR (Artikel 23, etwa 8,33 SZR pro Kilogramm).

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Der häufigste Fehler ist die Annahme, der Käufer sei bei CPT versichert, weil der Verkäufer die Fracht bezahlt. Tatsächlich besteht keine Versicherungspflicht des Verkäufers, was viele Einkäufer bei DAP, DDP oder gar CIF analog falsch interpretieren. Eine zweite häufige Falle ist die unklare Benennung des Bestimmungsortes: "CPT Deutschland" reicht nicht aus, der Ort muss präzise sein, etwa "CPT Werk Sindelfingen, Tor 4". Drittens wird oft vergessen, dass bei mehreren Frachtführern der Risikoübergang am ersten Übergabepunkt stattfindet, was bei Sammelladungen über Hubs problematisch wird.

Im Verhandlungskontext sollten Einkäufer prüfen, ob die DAP-Klausel günstiger wäre, denn dort liegt der Risikoübergang erst am Bestimmungsort. CPT ist üblich bei Containertransporten aus Asien per Bahn oder bei innereuropäischen LKW-Lieferungen, wenn der Lieferant aufgrund von Volumenrabatten günstiger einkaufen kann als der Käufer. Eine Versicherung mit Klausel A der Institute Cargo Clauses kostet je nach Warenwert und Strecke 0,1 bis 0,4 Prozent des Warenwertes und sollte vom Käufer bei CPT zwingend abgeschlossen werden. Laut ICC-Statistik 2024 zählt CPT zu den fünf meistgenutzten Klauseln im DACH-Raum bei multimodalen Transporten.

Verwandte Begriffe

Die Schwesterklausel mit Versicherungspflicht ist [[incoterm-cip]], die zusätzlich eine Mindestversicherung nach Klausel A der Institute Cargo Clauses verlangt. Bei [[incoterm-dap]] trägt der Verkäufer Risiko und Kosten bis zum Bestimmungsort, was für Einkäufer oft günstiger ist. Die seebezogene Variante mit reiner Frachtbezahlung ist [[incoterm-cfr]], die Variante mit Versicherung [[incoterm-cif]]. Die Verladung beim Verkäufer wird über [[incoterm-fca]] geregelt. Bei Frachtbriefen siehe [[cmr-frachtbrief]], [[bill-of-lading]] und [[air-waybill]]. Liegezeiten werden über [[demurrage]] und [[detention]] abgerechnet, die Termintreue über die [[carrier-performance]].

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