Lithium-Einkauf
Lithium-Einkauf
Der Lithium-Einkauf beschafft Lithiumcarbonat (Li2CO3) und Lithiumhydroxid (LiOH) als Vorprodukte für Kathodenmaterial in Lithium-Ionen-Batteriezellen, mit Preisindexierung in Lithium Carbonate Equivalent (LCE) und chinesischer Verarbeitungsdominanz von rund 65 Prozent der weltweiten Raffineriekapazität. Im EU-Critical-Raw-Materials-Act vom 23. Mai 2024 ist Lithium als strategischer Rohstoff gelistet.
Detaillierte Erklärung
Lithium wird in zwei Quelltypen gewonnen. Solequellen wie der Salar de Atacama in Chile, betrieben von SQM und Albemarle, liefern Lithiumchlorid aus 18- bis 24-monatiger Verdunstung in Becken; SQM produzierte dort 2024 rund 201.000 t Lithiumcarbonat-Äquivalent. Hartgesteinsminen (Spodumen) in Australien, etwa Greenbushes und Pilgangoora, dominieren mengenmäßig die Förderung; Tianqi und Ganfeng übernehmen den Großteil der chinesischen Weiterverarbeitung. Die globale Top-fünf umfasst Albemarle (USA), SQM (Chile), Tianqi und Ganfeng (China) sowie Pilbara Minerals (Australien).
Die Preisreferenz ist Lithium Carbonate Battery Grade an der Guangzhou Futures Exchange in Yuan/t und parallel als Spotnotierung von Fastmarkets, Benchmark Mineral Intelligence und Shanghai Metal Market in USD/t LCE. Nach dem Hochpunkt von 567.500 Yuan/t Ende 2022 fiel der Spotpreis bis 31. Dezember 2024 auf 75.050 Yuan/t, ein Rückgang um 87,3 Prozent. Auf USD-Basis bedeutete das einen Sturz von rund 80.000 USD/t auf rund 13.400 USD/t LCE. Bernstein prognostiziert für 2025 einen Durchschnitt von 12.000 USD/t mit Anstieg auf 20.000 USD/t in 2026. Ab Februar 2027 verlangt der EU-Batteriepass für Traktionsbatterien und Industriebatterien über 2 kWh einen digitalen Produktpass mit Herkunfts-, CO2- und Recyclingdaten. Die EU plant nach Transport-and-Environment-Prognose, bis 2027 zwei Drittel der europäischen Kathodennachfrage aus EU-Verarbeitung zu decken.
Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)
Ein deutscher Batteriezellhersteller mit 8 GWh Jahreskapazität beschafft jährlich rund 6.400 t LiOH (für NMC811-Kathoden, 0,8 kg LiOH je kWh). Der Einkauf splittet auf 60 Prozent Albemarle-Mehrjahresvertrag (Take-or-Pay, Floor 14.000 USD/t LCE, Cap 28.000 USD/t LCE) und 40 Prozent SQM-Spotvertrag mit Quartalspreisen indexiert auf Fastmarkets-Asia-CIF. Bei einem Quartalsmittel von 13.400 USD/t LCE entsteht für die Spottranche ein Materialaufwand von 2.560 t mal 13.400 = 34,3 Mio. USD; der Mehrjahresanteil schützt vor dem Sprung auf 20.000 USD/t in 2026. Für den EU-Batteriepass ab Februar 2027 ergänzt der Lieferant Herkunftsnachweise auf Salar-de-Atacama-Niveau, CO2-Footprint je t LiOH und Wasserverbrauch je t Sole.
Typische Fehler & Verhandlungskontext
Erster Fehler ist der Mehrjahresvertrag ohne Floor-Cap-Korridor; in Phasen mit 87 Prozent Preisverfall zahlt der Käufer Premium über mehrere Jahre. Zweiter Fehler: LCE-Konvertierung wird übersehen. 1 t Lithiummetall entspricht 5,323 t LCE; bei LiOH gilt 1 t LiOH gleich 0,88 t LCE; falsche Umrechnung kostet schnell zweistellig. Dritter Fehler ist die fehlende Herkunftsdokumentation, die ab 2027 unter dem EU-Batteriepass die Verkehrsfähigkeit der Endbatterie blockiert. Verhandlungshebel sind Floor-Cap-Korridor, Volumenstaffel, CO2-Klausel und Lieferantenwechsel-Option.
Verwandte Begriffe
[[seltene-erden]], [[kupfer-einkauf]] und [[edelmetalle-einkauf]] sind die parallelen Energiewende-Rohstoffe. Strategisch greifen [[kritische-rohstoffe]] nach EU-CRMA und [[geopolitisches-risiko]]. Vertraglich sind [[indexkopplung-rohstoffe]], [[preisgleitklausel]] und [[commodity-hedging]] über den [[terminmarkt]] relevant.