Mangan-Einkauf
Mangan-Einkauf
Der Mangan-Einkauf beschafft Manganerz (Mn-Gehalt typisch 36 bis 50 Prozent), elektrolytisch raffiniertes Mangan-Metall (Electrolytic Manganese Metal EMM, Reinheit ab 99,7 Prozent), Ferromangan nach DIN EN 10136 (Hochofen- und Elektroofen-Legierung mit etwa 78 Prozent Mn) sowie Silikomangan (60 bis 70 Prozent Mn). Rund 90 Prozent des geförderten Mangans fliessen laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in die Stahlherstellung; Südafrika ist mit etwa 35 Prozent (USGS Mineral Commodity Summaries 2024) grösster Förderstaat.
Detaillierte Erklärung
Im Einkauf wird Mangan nach Form (Erz, Ferromangan, Silikomangan, EMM, HPMSM), Mn-Gehalt und Beimengungs-Toleranzen spezifiziert. Mangan ist das viertwichtigste Industriemetall nach Eisen, Aluminium und Kupfer und in praktisch jeder Stahlsorte enthalten (typisch 0,3 bis 1,5 Prozent als Desoxidationsmittel und Härtebildner; bei Hadfield-Stahl bis 14 Prozent). Wachsende Bedeutung gewinnt hochreines Mangansulfat (HPMSM, mindestens 99,9 Prozent) für Lithium-Ionen-Batteriekathoden der Chemie NMC und LMFP.
Die Lieferantenstruktur ist von wenigen Konzernen geprägt: South32 (Australien/Südafrika) hält rund 18 Prozent, Eramet (Frankreich/Gabun) etwa 15 Prozent; dazu CMOC (China), Tshipi (Südafrika) und Assmang. Südafrika förderte 2023 etwa 7,2 Millionen Tonnen Mn-Inhalt und hält über 70 Prozent der bekannten Reserven (etwa 600 Millionen Tonnen Mn-Inhalt im Kalahari Manganese Field). Die Veredelung zu Ferromangan und Silikomangan findet überwiegend in China (etwa 60 Prozent der Weltproduktion), Indien, Norwegen (Eramet Sauda) und Südafrika statt.
Preisreferenzen liefern Fastmarkets MB, Asian Metal und CRU. Manganerz CIF Tianjin 44 Prozent Mn pendelte 2024 zwischen 4,30 und 7,80 USD pro dmtu (dry metric tonne unit), Hochofenferromangan in Europa zwischen 1.150 und 1.480 EUR pro Tonne. Die EU-Klassifizierung von Batterierohstoff-Mangan (HPMSM) als kritischer Rohstoff im Critical Raw Materials Act (Verordnung 2024/1252) eröffnet Argumente für längerfristige Abnahmeverpflichtungen.
Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)
Ein sächsisches Stahlwerk produziert mit 480 Mitarbeitenden Baustähle nach EN 10025-2 (Werkstoff S355J2) und benötigt jährlich 3.200 Tonnen Hochofenferromangan (HC FeMn, 75 Prozent Mn, 7 Prozent C) sowie 1.100 Tonnen Silikomangan. Bis Ende 2023 lief die Versorgung über zwei norwegische Anbieter zu Festpreisen, was bei steigender Manganerz-Notierung zu Margenverlusten beim Lieferanten und einer angekündigten Preiserhöhung um 14 Prozent für 2024 führte. Der Einkaufsleiter restrukturierte den Vertrag wie folgt: Das Volumen wurde gesplittet in 55 Prozent Eramet Sauda (Norwegen) zu Indexbindung Fastmarkets MB Hochofen-FeMn-Notierung Rotterdam mit monatlicher Preisanpassung, 30 Prozent Tshipi (Südafrika) Direktbezug ab Saldanha mit Quartalspreisen und 15 Prozent über einen indischen Tier-1-Anbieter aus Visakhapatnam zur Flexibilität. Die durchschnittlichen Materialkosten lagen 2024 bei 1.265 EUR pro Tonne Ferromangan — rund 6,5 Prozent unter dem ursprünglich angekündigten Festpreis und mit deutlich verringertem Klumpenrisiko.
Typische Fehler & Verhandlungskontext
Erster Fehler ist die Verwechslung von Manganerz-, Ferromangan- und EMM-Notierungen: Während Manganerz in dmtu (1 Prozent Mn-Gehalt pro Tonne) gehandelt wird, beziehen sich Ferromangan- und EMM-Preise auf physische Tonnen Legierung. Verträge ohne klare Definition führen zu mehrstelligen Prozentabweichungen. Zweiter Fehler ist die fehlende Berücksichtigung der südafrikanischen Stromsituation: Eskom-Lastabwurf (Load Shedding) verursachte 2022 und 2023 mehrfach mehrwöchige Lieferausfälle bei Mangan-Schmelzen in Mpumalanga, ohne dass übliche Verträge dies als Force Majeure anerkannten. Dritter Fehler ist die mangelnde Spezifikation von Phosphor- und Schwefel-Höchstwerten. Im Verhandlungskontext zählen Indexbindung an Fastmarkets MB oder Asian Metal mit klar definierter Frequenz (monatlich oder quartalsweise), präzise Mn-Mindestgehalte mit Bonus-Malus-Klauseln (typisch 0,8 bis 1,2 Prozent vom Preis pro Prozentpunkt Abweichung), Phosphor- und Schwefel-Höchstwerte (P unter 0,25 Prozent, S unter 0,02 Prozent für hochwertige Stähle) und Logistikregelungen für Schüttgut (typisch FOB Saldanha oder CIF Rotterdam).
Verwandte Begriffe
[[stahl-einkauf]] und [[nickel-einkauf]] sind die wichtigsten Anwendungsfelder. [[kupfer-einkauf]] und [[lithium-einkauf]] decken die parallele Batteriewertschöpfung. [[kritische-rohstoffe]] ist die EU-Klassifizierung; [[indexkopplung-rohstoffe]] und [[preisgleitklausel]] regeln die Vertragsmechanik.