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Procari Lexikon Pulverbeschichtung
Einkaufslexikon

Pulverbeschichtung

Pulverbeschichtung

Pulverbeschichtung ist ein lösemittelfreies organisches Beschichtungsverfahren, bei dem ein elektrostatisch aufgeladenes Pulver auf das geerdete Werkstück gesprüht und anschließend bei 180 bis 200 °C eingebrannt wird. Die typische Schichtdicke liegt zwischen 60 und 120 µm. Im DACH-Markt sind die Qualitätssiegel der GSB International e. V. (Gütegemeinschaft für die Stückbeschichtung von Bauteilen) und QUALICOAT (Sitz Zürich) die anerkannten Industrie-Referenzen, ergänzt um die produktbezogene Norm EN 13438 für Pulverbeschichtungen auf feuerverzinkten Stahlerzeugnissen.

Detaillierte Erklärung

Der Prozess gliedert sich in vier Schritte. Erstens chemische Vorbehandlung: Entfetten, Beizen, Phosphatieren oder chromfreie Passivierung (häufig auf Zirkonium-, Titan- oder Silan-Basis), Spülen, Trocknen. Zweitens elektrostatische Beschichtung: Pulverlack wird in einer Sprühpistole tribo- oder corona-aufgeladen und in einer Pulverkabine auf das Werkstück gesprüht, das durch das elektrische Feld eine homogene Pulverhaftung erreicht. Drittens Einbrennen: das beschichtete Werkstück durchläuft einen Konvektions- oder Infrarot-Ofen bei 160 bis 220 °C, wobei das Pulver schmilzt, vernetzt und einen geschlossenen Lackfilm bildet. Über 50 Prozent der DACH-Beschichter arbeiten laut Branchenumfrage 2023 mit Einbrenntemperaturen zwischen 181 und 190 °C bei 15 bis 25 Minuten Haltezeit. Viertens Abkühlen, Sichtprüfung, Schichtdickenmessung nach DIN EN ISO 2178 (magnetinduktiv) oder DIN EN ISO 2360 (Wirbelstrom).

Die wichtigsten Pulverlack-Bindemittel sind Polyester (Außenanwendung, gute UV-Beständigkeit), Epoxid (Innen, hohe Chemikalienbeständigkeit, kreidet im Außeneinsatz aus), Polyester-Epoxid-Hybrid (Innen-Universal), Polyurethan (höchste Witterungsbeständigkeit, teurer) und Acryl (Spezialanwendungen). Pulverlack-Hauptanbieter im DACH-Markt sind Akzo Nobel (Interpon), AkzoNobel-Konkurrent Tiger Coatings (Wels, AT), Axalta (Alesta), IGP Pulvertechnik (Wil, CH) und Brillux. Marktvolumen Pulverlack Europa lag 2024 bei rund 1,9 Milliarden EUR.

GSB International, gegründet 1976 in Düsseldorf, vergibt für Aluminium die Siegel GSB AL 631 (Premium) und GSB Master sowie für Stahl GSB ST 663. Audits erfolgen jährlich durch akkreditierte Prüfinstitute, gemessen werden Schichtdicke, Glanz, Haftzugfestigkeit (Gitterschnitt nach DIN EN ISO 2409), Salzsprühbeständigkeit (DIN EN ISO 9227, in der Regel 1 000 Stunden) und Witterungsbeständigkeit (Florida-Test, Kondenswasser-Konstantklima). QUALICOAT vergibt seit 1986 vergleichbare Siegel mit den Klassen 1 (Standard), 2 (höhere Witterungsbeständigkeit) und Seaside (für Küstennähe). EN 13438:2013 normiert Pulverlack-Beschichtungen auf feuerverzinkten oder sherardisierten Stahlerzeugnissen für den Bauwesen-Einsatz und prüft unter anderem Haftung, Schichtdicke und Witterung.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Geländer-Hersteller beschafft 12 400 Aluminium-Strangpressprofile pro Jahr in RAL 9005 Tiefschwarz Feinstruktur, jeweils 2,4 Meter lang. Anforderung: Außeneinsatz an Mehrfamilienhäusern, Korrosivitätskategorie C3 nach DIN EN ISO 12944, Schutzdauer High (15 bis 25 Jahre), Schichtdicke 80 µm plus/minus 20 µm.

Drei Anbieter: Lieferant A 8,90 EUR pro Profil (ohne Siegel, ISO 9001), Lieferant B 11,40 EUR (GSB AL 631 Premium), Lieferant C 13,20 EUR (QUALICOAT Klasse 2 plus GSB AL 631). Bei 12 400 Stück pro Jahr ergibt sich ein A-zu-B-Delta von 31 000 EUR pro Jahr. Lieferant A scheidet aus, weil ohne Siegel die 25-jährige Schutzdauer nicht zusicherbar ist und Reklamationsfälle nach Mängelhaftungsfrist auf den Beschaffer zurückfallen. Zwischen B und C entscheidet die Endkundenstruktur: Architekturobjekte mit Spezifikation in Lastenheften fordern oft QUALICOAT-Klasse 2, Standard-Wohnungsbau begnügt sich mit GSB AL 631. Mehrpreis C-zu-B: 22 320 EUR pro Jahr für rund 30 Prozent der Profile, die in Architektur-Projekte gehen.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Erster Fehler: keine Schichtdicken-Toleranz zu spezifizieren. Wer "80 µm" schreibt ohne Toleranz, bekommt im Mittel 65 µm an Kanten und 110 µm in der Fläche, weil der Beschichter Pulver spart. Schreiben Sie "Schichtdicke nach DIN EN ISO 2360, Mindestmesswert 60 µm an jeder Messstelle nach Mittelwertverfahren der QUALICOAT-Spezifikation".

Zweiter Fehler: Vorbehandlungs-Chargennachweise nicht einzufordern. Die chromfreie Vorbehandlung erfordert kontinuierliche Bad-Analytik (Leitfähigkeit, pH, Wirkstoffkonzentration), eine fehlerhafte Vorbehandlung führt zu Unterwanderung in Salzsprühnebel und Reklamation 6 bis 12 Monate nach Auslieferung. Forderung Sie wöchentliche Bad-Protokolle auf Anforderung.

Dritter Fehler: Glanz und Farbabweichung nicht zu spezifizieren. Pulverbeschichtungen variieren je nach Pulvercharge im Glanzgrad nach DIN EN ISO 2813 und Farbabweichung Delta-E nach DIN EN ISO 11664. Branchenüblich Delta-E maximal 1,0 zur Referenzplatte und Glanz innerhalb plus/minus 5 Glanzpunkte. Ohne Spezifikation sind Folgechargen visuell unterschiedlich.

Verwandte Begriffe

Pulverbeschichtung ist ein Verfahren der übergeordneten [[oberflaechenbehandlung]] und steht in direkter Konkurrenz zu [[eloxieren]] (für Aluminium), [[verzinken-galvanik]] (für Stahl-Korrosionsschutz) und [[lackierungen]] (Nasslack-Alternative). Häufig vorgelagert zu Pulverbeschichtung sind [[cnc-bearbeitung]], [[stanztechnik]] und [[schweissbaugruppen]].

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