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Procari Lexikon Schranner-Methode
Einkaufslexikon

Schranner-Methode

Schranner-Methode

Die Schranner-Methode ist ein strukturierter Verhandlungsansatz für hochkomplexe oder festgefahrene Verhandlungen, der vom Schranner Negotiation Institute in Zürich (gegründet 2002) entwickelt wurde. Matthias Schranner, ehemaliger Verhandler beim Bayerischen Landeskriminalamt mit Geiselnahme- und Erpressungsfällen, übertrug Prinzipien der polizeilichen Krisenverhandlung auf Wirtschaftsverhandlungen und machte den Ansatz seit seinem Buch "Verhandeln im Grenzbereich" (2003) im DACH-Raum bekannt.

Detaillierte Erklärung

Die Methode trennt scharf zwischen Standardverhandlung und sogenannten "Difficult Negotiations", bei denen klassische Win-Win-Konzepte nach Fisher/Ury laut Schranner versagen. Der Ansatz folgt einem 5-Phasen-Prozess: Vorbereitung mit Szenarioplanung, Diskussion, Vorschlag, Paket-Bildung und Abschluss. Zentrales Werkzeug ist der "Negotiation One-Pager", auf dem maximale und minimale Zielpunkte, BATNA und drei alternative Verhandlungspakete vorab fixiert werden. Anders als bei harvardbasierten Schulen wird Eskalation nicht vermieden, sondern bewusst eingesetzt; der Verhandler darf nach Schranner kein "Nice Guy" sein. Das Institut zertifiziert nach eigenen Angaben über 2.500 Verhandler jährlich aus rund 40 Ländern und arbeitet mit Konzernen wie SAP, Allianz und UN-Organisationen. Praxisrelevant für den Einkauf ist das Konzept der "Forderung statt Frage": Eine Preisreduktion wird als Forderung mit Begründung formuliert, nicht als höfliche Bitte. Die Methode steht im Spannungsfeld zur Kooperationsorientierung der DIN ISO 31000 (Risikomanagement), die kollaborative Stakeholder-Einbindung empfiehlt.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Maschinenbauer aus Baden-Württemberg verhandelt mit dem einzigen verbliebenen Lieferanten eines Spezial-Hydraulikventils nach 14 Monaten Single-Source-Abhängigkeit. Der Lieferant kündigt eine Preiserhöhung von 38 Prozent zum 01.07. an und droht andernfalls mit Lieferstopp. Der Einkaufsleiter wendet die Schranner-Methode an: In Phase 1 erstellt das Team einen One-Pager mit drei Paketen: Paket A akzeptiert 12 Prozent Erhöhung gegen 36-Monats-Vertrag, Paket B akzeptiert 22 Prozent gegen Konsignationslager, Paket C eskaliert mit angekündigter Patentklage wegen vermuteter Schutzrechtsverletzung an einem Konstruktionsdetail. In Phase 2 wird die Forderung "Wir akzeptieren maximal 12 Prozent" ohne Begründungsangebot platziert. Nach 4 Verhandlungsrunden über 9 Wochen einigt man sich auf 14 Prozent bei 24 Monaten Laufzeit, was gegenüber den geforderten 38 Prozent eine Einsparung von rund 187.000 Euro pro Jahr bei einem Bestellvolumen von 780.000 Euro bringt.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Der häufigste Fehler ist die unreflektierte Übertragung der Methode auf Standardverhandlungen mit etablierten Lieferantenpartnern, wo aggressive Eskalation langfristige Beziehungen beschädigt und versteckte Kosten in Form von schlechterem Service oder Priorisierung gegenüber anderen Kunden produziert. Ein zweiter Fehler liegt in unzureichender BATNA-Analyse: Wer die Schranner-Forderungstaktik ohne realistische Alternative einsetzt, bluff und wird durchschaut. Drittens unterschätzen Einkäufer die Vorbereitungszeit, die laut Institut bei mindestens 70 Prozent der Gesamtdauer liegen sollte. Im Kontext der EU-Lieferkettenrichtlinie CSDDD von 2024 müssen Einkäufer zudem prüfen, ob Druckverhandlungen nach Schranner mit den Sorgfaltspflichten gegenüber Subunternehmern vereinbar sind, da unfaire Praktiken nach Artikel 8 dokumentationspflichtig werden. Geeignet ist die Methode insbesondere bei Single-Source-Lieferanten, Insolvenzverhandlungen, Vertragskündigungen und Force-Majeure-Streitigkeiten.

Verwandte Begriffe

Verwandte Konzepte sind Tactical Empathy nach Voss, die distributive Verhandlung als theoretischer Rahmen, BATNA als Vorbereitungsinstrument, der Walk-Away-Point als Abbruchgrenze und Best and Final Offer als Abschlusstechnik in Phase 5.

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