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Procari Lexikon Skonto
Einkaufslexikon

Skonto

Skonto

Skonto bezeichnet einen Preisnachlass, den der Lieferant gewährt, wenn der Käufer eine Rechnung innerhalb einer verkürzten Skontofrist begleicht statt am regulären Zahlungsziel. In DACH-Industrieunternehmen ist Skonto eines der renditestärksten Instrumente der Einkaufsfinanzierung — wer 2 Prozent Skonto bei 20 Tagen Frist­verkürzung zieht, realisiert einen Effektivzins jenseits klassischer Kreditlinien.

Detaillierte Erklärung

Skonto ist im deutschen Recht über §§ 366 und 367 HGB sowie die Verzugs- und Zahlungsregelungen der §§ 286 ff. BGB eingebettet. Anders als ein Rabatt, der bei Rechnungsstellung bereits ausgewiesen ist, wirkt Skonto als bedingter Nachlass: Der Käufer darf den Skontobetrag nur dann einbehalten, wenn er die Skontofrist tatsächlich einhält. Die im DACH-Markt verbreitetste Konstellation ist 2 Prozent Skonto bei Zahlung innerhalb 10 Tagen, sonst 30 Tage netto — in der angelsächsischen Schreibweise 2/10 net 30. Daneben kursieren branchenspezifische Varianten wie 3 Prozent bei 14 Tagen / 60 Tage netto, die in der Bauwirtschaft und im Maschinenbau üblich sind.

Die ökonomische Wirkung wird über den Skonto-Effektivzins quantifiziert. Bei 2/10 net 30 ergibt die Standardformel — Skontosatz dividiert durch Restbetrag, multipliziert mit 360 dividiert durch die Differenz zwischen Zahlungsziel und Skontofrist — rund 36,7 Prozent jährlich. Solange der unternehmensinterne Kapitalkostensatz unter diesem Effektivzins liegt, ist die Skontoziehung wirtschaftlich zwingend, selbst über kurzfristige Fremdfinanzierung. Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) führt Skonto in seinen Empfehlungen zu Standard-Zahlungsbedingungen als Regelinstrument; das Bundesministerium der Finanzen bestätigte mit dem Wachstumschancengesetz vom 27. März 2024 zudem die umsatzsteuerliche Behandlung als Entgeltminderung nach § 17 UStG. Der Käufer darf daher nur die Vorsteuer auf den tatsächlich gezahlten Betrag ansetzen.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein mittelständischer Anlagenbauer in Baden-Württemberg bezieht jährlich Stahlblech für rund 4,8 Millionen Euro netto bei drei Hauptlieferanten. Lieferant A bietet 2/10 net 30, Lieferant B nur 30 Tage netto ohne Skonto, Lieferant C 3/14 net 45. Die Einkaufsleitung rechnet den Skonto-Effektivzins aus: bei A 36,7 Prozent, bei C rund 35,8 Prozent. Da die Hausbank eine Kontokorrentlinie zu 6,2 Prozent stellt, entscheidet die Geschäftsführung 2025, sämtliche skontofähigen Rechnungen über die Linie vorzufinanzieren. Bei einem skontofähigen Volumen von 3,2 Millionen Euro über A und C ergeben sich Skontoerträge von rund 78.000 Euro pro Jahr; abzüglich Zinskosten von etwa 11.000 Euro für 20 Tage Vorfinanzierung verbleibt ein Nettoeffekt von rund 67.000 Euro. Im zweiten Schritt verhandelt der Einkauf mit Lieferant B nach: Im Gegenzug für eine Zusage über 1,4 Millionen Euro Jahresvolumen gewährt B künftig 1,5 Prozent Skonto bei 14 Tagen, was den Skontoertrag um weitere 21.000 Euro hebt.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Der häufigste Fehler ist die unautorisierte Skontoziehung nach Ablauf der Frist. Der Lieferant hat dann nach § 286 BGB Anspruch auf den vollen Rechnungsbetrag plus Verzugszinsen, und die Buchhaltung muss den unrechtmäßig einbehaltenen Skontobetrag nachzahlen — was bei Wiederholung das Lieferantenverhältnis belastet. Zweiter Klassiker: Skonto wird zwar im Rahmenvertrag vereinbart, aber nicht systematisch in den Workflow eingebettet. Wenn Rechnungen erst nach 12 oder 14 Tagen die Freigabe durchlaufen, geht der Vorteil verloren; die Lösung liegt in der Automatisierung über [[drei-wege-abgleich]] und [[xrechnung]]-Verarbeitung. Dritter Fehler: Skonto wird gegen den effektiven Zinsvorteil verhandelt, statt gegen die Zahlungsfrist. Wer 30 auf 60 Tage Zahlungsziel ohne Gegenwert akzeptiert, finanziert den Lieferanten kostenlos und verliert die Skonto-Option; der bessere Hebel ist eine Verlängerung der Skontofrist auf 14 oder 21 Tage bei gleichem Skontosatz.

Verwandte Begriffe

Skonto verzahnt sich eng mit den [[zahlungsbedingungen]] des Einkaufsvertrags und ist abzugrenzen vom klassischen [[rabatt]] sowie vom volumengebundenen [[bonus-einkauf]]. In der Hebelkalkulation ergänzt Skonto klassische Methoden wie [[total-cost-of-ownership]] und [[should-cost-modell]].

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