SPC (Statistische Prozesskontrolle)
SPC (Statistische Prozesskontrolle)
SPC (Statistische Prozesskontrolle) ist die laufende Überwachung von Fertigungsprozessen mittels Stichproben und Regelkarten, um zwischen zufälliger und systematischer Streuung zu unterscheiden, Prozessabweichungen zu erkennen, bevor Ausschuss entsteht, und Prozessfähigkeit über die Kennzahlen Cp und Cpk objektiv zu belegen.
Detaillierte Erklärung
Walter A. Shewhart, Physiker bei den Bell Telephone Laboratories in New York, entwickelte am 16. Mai 1924 in einem internen Memorandum die erste Regelkarte und legte damit das Fundament der gesamten statistischen Qualitätslenkung. Sein Standardwerk Economic Control of Quality of Manufactured Product erschien 1931 und führt die zentrale Unterscheidung zwischen chance causes (zufälligen Ursachen, im Prozess inhärent) und assignable causes (systematischen Ursachen, klar identifizierbar) ein. Sein Schüler Edwards Deming brachte die Methode nach dem Zweiten Weltkrieg nach Japan und prägte sie zum Kernbestandteil des Toyota Production System. Die internationale Norm ISO 7870-2 (Erstausgabe 2013, Revision 2023) regelt die Shewhart-Regelkarten heute formal, ergänzt durch ISO 7870-4 für CUSUM-Karten und ISO 22514-2 für Cp- und Cpk-Berechnung. Eine Standard-Regelkarte zeigt drei Linien: die Mittellinie als Sollwert, die obere Eingriffsgrenze (UCL) bei Mittelwert plus 3 Sigma und die untere Eingriffsgrenze (LCL) bei Mittelwert minus 3 Sigma. Punkte außerhalb dieser Grenzen oder Trendmuster wie 7 aufeinanderfolgende Punkte über der Mittellinie (Western-Electric-Regeln) signalisieren systematische Abweichungen und lösen Eingriffsmaßnahmen aus. Die Prozessfähigkeitsindizes Cp und Cpk sind die Verdichtung daraus: Cp = (USG minus OSG) geteilt durch 6 Sigma misst die reine Streuungsbreite gegen die Toleranz, Cpk berücksichtigt zusätzlich, wie zentriert der Mittelwert in der Toleranz liegt. In der Automobilindustrie gilt Cpk größer-gleich 1,33 als Standard, für besondere Merkmale nach IATF 16949 fordert die OEM-Spezifikation typischerweise Cpk größer-gleich 1,67.
Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)
Sie qualifizieren einen neuen Zulieferer für CNC-gedrehte Wellen mit kritischem Außendurchmesser 24,000 Millimeter, Toleranz +/- 0,015 Millimeter. Bei der PPAP-Bemusterung verlangen Sie 125 Teile aus 5 aufeinanderfolgenden Schichten, gemessen mit kalibriertem Messmittel der Auflösung 0,001 Millimeter. Die x-quer-R-Regelkarte zeigt Mittelwert 24,003, Standardabweichung 0,0028 Millimeter. Daraus ergibt sich Cp = 0,030 / (6 × 0,0028) = 1,79 und Cpk = (0,015 minus 0,003) / (3 × 0,0028) = 1,43. Cp ist akzeptabel, Cpk liegt knapp über der Mindestanforderung 1,33, aber unter dem geforderten Niveau 1,67 für besondere Merkmale. Sie verlangen vom Lieferanten eine Korrektur des Werkzeug-Offsets um minus 0,003 Millimeter, sodass der Mittelwert auf den Sollwert 24,000 zentriert wird. In der Wiederholmessung an 100 Teilen vom 22. April 2026 erreicht der Cpk 1,71 und die Bemusterung wird formal freigegeben. In der Serienüberwachung schreiben Sie Stichprobenfrequenz 5 Teile alle 2 Stunden und vierteljährliche Cpk-Berichte als Vertragsbestandteil fest, mit Eskalations-Triggerschwelle bei Cpk kleiner 1,33.
Typische Fehler & Verhandlungskontext
Drei Fallstricke entwerten die SPC-Aussage in der Praxis. Erstens wird die Prozessfähigkeit auf nicht-stabilen Prozessen berechnet: Cpk ist nur aussagekräftig, wenn die Regelkarte über mindestens 25 Untergruppen keinen Eingriffsgrenzen-Verstoß und kein systematisches Muster zeigt. Eine Cpk-Zahl auf einem driftenden Prozess ist mathematisch wertlos. Zweitens werden Maschinenfähigkeit (Cmk) und Prozessfähigkeit (Cpk) verwechselt: Cmk wird kurzfristig auf 50 Teilen einer Schicht ermittelt und liefert deutlich höhere Werte (Anforderung typischerweise Cmk größer-gleich 1,67), Cpk dagegen langfristig über mehrere Schichten und Werker, was die reale Streuung einschließlich Schichtwechsel-Effekten abbildet. Drittens fehlt die Messmittelfähigkeit (Cgk) als Voraussetzung: Wenn das Messmittel selbst eine Streuung von 0,002 Millimeter hat und die Toleranz nur 0,030 Millimeter beträgt, frisst die Mess-Streuung 13 Prozent der Toleranz auf und verfälscht jede SPC-Aussage. Im Verhandlungskontext fixieren Sie im Lastenheft konkrete Cpk-Schwellen je Merkmals-Kategorie, die Pflicht zur Vorlage des Mess-System-Analyse-Reports nach AIAG MSA-4, und den automatischen Lieferstopp bei Cpk-Unterschreitung über zwei aufeinanderfolgende Berichtsperioden.
Verwandte Begriffe
Methodisch flankiert von [[fmea]] und Pflichtbestandteil der Bemusterungsanlagen [[ppap-production-part-approval-process]] und [[erstmusterpruefbericht-empb]]. Eingebettet in [[iatf-16949]] und [[vda-6-3]] als QMS-Rahmen.