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Procari Lexikon Spend Concentration Index
Einkaufslexikon

Spend Concentration Index

Spend Concentration Index

Der Spend Concentration Index überträgt die Logik des Herfindahl-Hirschman-Index aus der Wettbewerbsökonomie auf einen Spend-Datensatz und liefert eine einzige, vergleichbare Kennzahl je Warengruppe für die Lieferantenkonzentration. Er ergänzt damit die rein deskriptive Top-N-Auswertung um eine quantitative Risikomessung und ist im DACH-Mittelstand seit 2018 zur zentralen Frühwarnkennzahl für Klumpenrisiken aufgestiegen. Wer Konzentration nur als Top-1-Anteil misst, verliert die Information über die Verteilung im Long Tail.

Detaillierte Erklärung

Der Index wird gebildet als Summe der quadrierten Lieferanten-Spend-Anteile innerhalb einer Warengruppe oder eines Beschaffungs-Portfolios; der Wertebereich liegt zwischen nahe 0 (vollständig fragmentiert) und 10.000 (ein einziger Lieferant). Methodische Basis sind die Arbeiten von Orris C. Herfindahl und Albert O. Hirschman aus den 1950er-Jahren, in der deutschsprachigen Kartellpraxis aufgegriffen vom Bundeskartellamt und in den US-Merger-Guidelines der DOJ Antitrust Division. Diese Behörden klassifizieren einen HHI unter 1.500 als gering konzentriert, 1.500 bis 2.500 als mäßig konzentriert und über 2.500 als hoch konzentriert.

Auf Spend-Datensätze angewendet liefert der Index eine einzige, vergleichbare Kennzahl je Warengruppe und ergänzt damit die rein deskriptive Top-N-Auswertung. In der Einkaufspraxis berichten BME-Mitgliedsunternehmen seit etwa 2018 verstärkt diesen Index als Frühwarnindikator für Klumpenrisiken und als Argumentationshilfe für Multi-Sourcing-Strategien. Die Kennzahl wird meist quartalsweise auf Basis des rollierenden 12-Monats-Spends gerechnet und nach Warengruppen-Hierarchie aggregiert. In Verbindung mit der Kraljic-Matrix entsteht ein zweidimensionales Risikobild: Hochkonzentration im strategischen Quadranten ist ein KO-Kriterium, im Hebel-Quadranten häufig akzeptabel.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein norddeutscher Pumpenhersteller mit 35 Mio. EUR Jahres-Spend in der Warengruppe Gussteile prüft im Q1 2026 die Lieferantenstruktur. Vier Gießereien teilen sich den Spend zu 62, 21, 11 und 6 Prozent. Der Spend Concentration Index errechnet sich zu 62 Quadrat plus 21 Quadrat plus 11 Quadrat plus 6 Quadrat gleich 3.844 plus 441 plus 121 plus 36 gleich 4.442. Damit liegt die Warengruppe im hochkonzentrierten Bereich nach Bundeskartellamt-Schwelle. Im Vorjahr war der Wert mit 3.180 noch im mäßig konzentrierten Korridor. Der Einkaufsleiter qualifiziert daraufhin eine fünfte Gießerei aus Tschechien für 18 Prozent Volumenanteil, was den Index in einer Simulation auf 2.610 senkt. Die Make-or-Buy-Bewertung des entsprechenden Bauteils zeigt zusätzlich, dass die Top-Gießerei einen Preisaufschlag von 7,4 Prozent gegenüber dem Marktmedian fährt, eine direkte Folge der hohen Konzentration.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Der häufigste Fehler ist die Berechnung auf zu hoher Aggregationsebene. Auf Konzern-Spend-Ebene ergibt sich fast immer ein niedriger Wert, weil sich Konzentrationen einzelner Warengruppen ausmitteln. Der Index gehört auf Warengruppen- oder Material-Cluster-Ebene. Zweiter Fehler ist der Vergleich des Index zwischen strukturell unterschiedlichen Warengruppen. Strategische Sondergüsse haben naturgemäß höhere Indizes als Normteile; der Vergleich macht nur intra-Warengruppe oder gegen die eigene Vorperiode Sinn.

In Verhandlungen mit dem dominanten Lieferanten ist ein dokumentierter Anstieg von 3.180 auf 4.442 ein belastbares Argument für Preisstabilität: Der Lieferant trägt durch Konzentrationsgewinn ein höheres Bargaining-Power-Risiko, das im Rahmenvertrag durch Indexbindung oder Preisgleitklausel adressiert werden muss. Die BME-Einkaufscontrolling-Studie 2023 zählt den Spend Concentration Index zu den am stärksten wachsenden Berichts-Kennzahlen im Mittelstand und nennt für Industrie-Mittelständler durchschnittliche Indizes von 2.800 bis 3.500 in A-Warengruppen.

Verwandte Begriffe

Der Spend Concentration Index ist die quantitative Variante des [[klumpenrisiko-einkauf]] und steht im direkten Zusammenhang mit [[supplier-concentration-risk]] und [[single-sourcing-quote]] als ergänzende Konzentrationskennzahlen. Methodisch verzahnt er sich mit der [[kraljic-matrix]] zur Quadrantenbewertung und mit [[spend-analyse]] sowie [[spend-cube]] als Datengrundlage. Operativ liefert er Inputs für [[lieferantenrisikomanagement]] und [[diversifizierungsstrategie-einkauf]] und ist Auslöser für [[dual-sourcing]]-Initiativen mit nachgelagerter [[hard-cost-reduction]].

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