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Procari Lexikon Supplier Award
Einkaufslexikon

Supplier Award

Supplier Award

Ein Supplier Award ist eine jährliche, kriterienbasierte Auszeichnung herausragender Lieferanten durch ein einkaufendes Unternehmen oder einen Branchenverband. Die Auszeichnung verbindet zwei Funktionen: Anerkennung für gelieferte Top-Performance und ein öffentliches Marktsignal an den Wettbewerb, dass mit dem Award-Träger künftig bevorzugt entwickelt wird.

Detaillierte Erklärung

Supplier Awards entstanden in den 1980er Jahren in der US-Automobilindustrie, als Ford 1985 mit dem "Q1 Preferred Quality Award" den ersten formalisierten Lieferantenpreis vergab. Im DACH-Raum etablierten sich vergleichbare Programme ab den 1990er Jahren, getragen vom Verband der Automobilindustrie (VDA), vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) und von einzelnen OEMs.

Der prominenteste DACH-Award ist der Volkswagen Group Award, der 2024 zum 20. Mal vergeben wurde. Am 2. Juli 2024 zeichnete Volkswagen AG in Wolfsburg vor rund 250 Gästen aus 29 Ländern seine besten 10 Lieferanten in 10 Kategorien aus, darunter Innovation, Qualität und Nachhaltigkeit. Der BME vergibt seit 1986 den BME-Innovationspreis, der seit 2024 als BME Business Awards bei der jährlichen BME-Symposium-Verleihung im November ausgereicht wird, 2025 zum 60. BME-Symposium in Berlin.

Auf der Querschnittsebene betreibt EcoVadis seit 2017 die Sustainability Achievement Awards. Die EcoVadis-Medaillen sind seit 2024 perzentilbasiert: Platin für die obersten 1 Prozent der Bewerteten innerhalb der letzten 12 Monate, Gold für die obersten 5 Prozent, Silber für die obersten 15 Prozent, Bronze für die obersten 35 Prozent. Mindestvoraussetzung ist ein Score von 30 in jedem der vier Themenfelder Umwelt, Arbeit und Menschenrechte, Ethik sowie nachhaltige Beschaffung. Im Jahr 2024 wurde unter anderem Siemens AG mit einer Platin-Medaille ausgezeichnet.

Typische Kategorien in DACH-Programmen sind Quality (Qualität), Innovation, Sustainability (Nachhaltigkeit), Cost Performance, Delivery Performance, Digital Collaboration und Newcomer of the Year. Die Auswahl erfolgt mehrstufig: Vorscreening durch operative Daten (OTIF, PPM, Reklamationen), Shortlisting durch das Lieferantenmanagement, Endauswahl durch ein Cross-Functional-Komitee unter Einbindung von Einkauf, Qualität, F-und-E sowie Geschäftsleitung. Ein gut geführtes Award-Programm im Mittelstand bezieht 8 bis 15 Prozent der aktiven Lieferanten in das Vorscreening ein und vergibt zwischen 3 und 6 Auszeichnungen pro Jahr.

Praxisbeispiel (konkretes Einkaufsszenario)

Ein Maschinenbauer aus Baden-Württemberg mit 720 Mitarbeitern und 184 Millionen Euro Umsatz richtet seit 2018 einen jährlichen Supplier Award aus. Im Jahr 2025 nehmen 38 von 247 aktiven Lieferanten am Vorscreening teil, qualifiziert über drei Pflichtkriterien: OTIF über 96 Prozent, PPM unter 350, mindestens 24 Monate Lieferbeziehung.

Aus dem Vorscreening verbleiben nach Cross-Functional-Bewertung 11 Finalisten in vier Kategorien. Die Verleihung findet im Rahmen des Lieferanten-Forums vor 142 Vertretern aus 84 Unternehmen statt, Budget für Award-Programm 28.000 Euro inklusive Veranstaltung. Die vier Award-Träger erhalten neben dem Trophy ein Bevorzugungsrecht bei künftigen Sourcing-Projekten in vergleichbaren Warengruppen sowie eine zweijährige Logo-Nutzung.

Die direkten Effekte messbar nach 12 Monaten: Bewerbungen aktiver Lieferanten am Vorscreening steigen von 38 auf 54, drei Award-Träger gewinnen neue OEM-Aufträge unter Verweis auf die Auszeichnung. Die durchschnittliche PPM-Quote des Lieferantenstamms sinkt von 480 auf 390. Bei einem Programm-Aufwand von 28.000 Euro und einem Reklamationskosten-Rückgang von 165.000 Euro liegt der Hebel bei 5,9 zu 1.

Typische Fehler & Verhandlungskontext

Der erste Fehler ist die ritualisierte Vergabe ohne harte Kriterien. Wer den Award in jeder Kategorie nach Bauchgefühl vergibt, verliert das Marktsignal. Award-Vergabe gehört auf eine vorab schriftlich fixierte Score-Card mit klaren Schwellwerten je Kategorie, sonst wird das Programm zur PR-Veranstaltung ohne Steuerungseffekt.

Der zweite Fehler ist das fehlende Folgeprogramm. Ein Award ohne anschließenden Volumen- oder Bevorzugungseffekt wird vom Lieferanten als Symbolik wahrgenommen. Ein gut geführtes Programm sieht eine 2- bis 3-jährige Bevorzugung im Sourcing in vergleichbaren Warengruppen vor, mit messbarer Auswirkung auf den Umsatz des Award-Trägers.

Der dritte Fehler ist die einseitige Auswahl im Quality-Silo. Wenn ausschließlich der Qualitätsleiter die Award-Träger bestimmt, fehlt die Sicht auf Innovation, Nachhaltigkeit und kommerzielle Disziplin. Die Auswahl gehört in ein Cross-Functional-Komitee mit Einkauf, Qualität, F-und-E und Geschäftsleitung, idealerweise mit dokumentierter Stimmgewichtung.

Verwandte Begriffe

Der Supplier Award schließt den Steuerungskreislauf von [[lieferantenbewertung]] und [[lieferantenklassifizierung]] und ist das öffentliche Gegenstück zur [[preferred-supplier]]-Listung. Inhaltlich verwandt mit [[ecovadis]] für Nachhaltigkeitsbewertung und mit [[supplier-relationship-management]] als organisatorischer Rahmen, methodisch gestützt durch [[lieferantenentwicklung]].

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